Die US-Inflationsdaten für Juli zeigten einen Anstieg, der über den Erwartungen der Analysten lag. Dies stärkte die Argumente für eine mögliche Zinserhöhung durch die Federal Reserve.
Der Preisindex für persönliche Konsumausgaben (PCE), den die Fed als Hauptindikator verwendet, stieg im Jahresvergleich um 3,7%. Im Vormonat hatte der Wert 3,6% betragen. Das Ziel der Notenbank liegt bei 2%.
Der Kern-PCE, der die volatilen Komponenten Lebensmittel und Energie ausschließt, blieb bei 3,3% – ohne Verbesserung gegenüber Juni. Das US-Handelsministerium veröffentlichte diese Zahlen am Mittwoch.
Die Fed hält den Leitzins seit Dezember letzten Jahres in einer Spanne von 3,50–3,75%. Der Vorsitzende der Notenbank, Kevin Warsh, hat wiederholt erklärt, die Inflation auf das Zielniveau zurückführen zu wollen, jedoch nicht präzisiert, ob dafür Zinserhöhungen erforderlich sein werden.
„In den Vereinigten Staaten besteht weiterhin ein Inflationsproblem“, bemerkte Heather Long, Chefökonomin der Navy Federal Credit Union. „Die jüngsten Daten geben Warsh Zeit zum Beobachten, aber er muss deutlicher machen, welche Indikatoren er verfolgt und was genau Zinserhöhungen auslösen würde.“
Die Märkte reagierten schnell. Die Fed-Funds-Futures bewerten die Wahrscheinlichkeit einer Zinserhöhung im September nun auf etwa 44% – gegenüber 36% unmittelbar vor Veröffentlichung der Daten. Die Händler sind völlig überzeugt, dass der Zins bis zum Jahresende dennoch erhöht wird.
Was bedeutet das für den Aktienmarkt?
Insgesamt – negativ, insbesondere für bestimmte Sektoren:
- Wachstums- und Technologieaktien: Sie leiden am stärksten. Ihre Bewertung basiert auf der Erwartung hoher Gewinne in ferner Zukunft. Bei einem hohen Fed-Zins werden diese zukünftigen Cashflows mit einem höheren Zinssatz diskontiert, was ihren aktuellen fairen Wert drastisch reduziert.
- Teurere Kredite: Für Unternehmen wird es teurer, Geld für die Geschäftsexpansion aufzunehmen, was die Margen und das Wachstumstempo verringert.
- Sinkende Konsumnachfrage: Hohe Zinsen machen Kredite auch für Privatpersonen teurer (Hypotheken, Autokredite, Kreditkarten), was die Wirtschaft verlangsamt und die Umsätze der Unternehmen reduziert.
- Ausnahme: Der Finanzsektor (Banken) könnte kurzfristig profitieren, da sie von einer höheren Marge zwischen Kredit- und Einlagenzinsen verdienen können.
3. Was bedeutet das für den Anleihenmarkt?
- Die Kurse bestehender Anleihen fallen: Zwischen dem Kurs einer Anleihe und ihrer Rendite besteht ein umgekehrtes Verhältnis. Wenn die Fed die Zinsen erhöht, werden neue Anleihen mit einem höheren Kupon ausgegeben. Damit alte Anleihen mit niedrigem Kupon attraktiv bleiben, muss ihr Marktkurs sinken.
- Steigende Renditen von US-Staatsanleihen (Treasuries): Dies ist ein globaler Maßstab für alle anderen Zinssätze der Welt.
4. Was bedeutet das für den US-Dollar (USD)?
- Stärkung: Eine höhere Rendite von Dollar-Anlagen zieht ausländisches Kapital an. Anleger verkaufen andere Währungen, um Dollar zu kaufen und sie in renditestarke US-Instrumente zu investieren. Der Dollar-Index (DXY) steigt in der Regel.
5. Was bedeutet das für Kryptowährungen und andere risikoreiche Anlagen?
- Abwärtsdruck: Kryptowährungen (Bitcoin, Ethereum usw.) verhalten sich in den letzten Jahren wie „Wachstumsanlagen“ mit hoher Volatilität. Wenn die Fed die Zinsen erhöht, verschwindet Liquidität (billiges Geld) von den Märkten. Anleger verlagern Kapital von hochriskanten Anlagen in sichere, garantierte Renditen.
