Mehr als die Hälfte der deutschen Fachkräfte mit hohem Einkommen erwägt einen Umzug ins Ausland auf der Suche nach besseren Lebensbedingungen und einer niedrigeren Steuerlast. Dies zeigen die Daten einer aktuellen Studie, die am 19. Juli 2026 veröffentlicht wurde.
Ausmaß des Phänomens
Laut einer von der Plattform Indeed durchgeführten Umfrage ist der Trend zur Auswanderung bei den bestverdienenden Arbeitnehmern am deutlichsten ausgeprägt. Mehr als 50 % der Befragten mit einem gesamten Haushaltsnettoeinkommen von 6.000 Euro pro Monat gaben an, in den letzten 12 Monaten Bewerbungen für eine Anstellung im Ausland eingereicht oder den internationalen Arbeitsmarkt aktiv erkundet zu haben.
Zwei Drittel dieser Fachkräfte berichteten, dass sie grundsätzlich eine Tätigkeit im Ausland in Betracht ziehen, und etwa 30 % haben bereits gezielt nach Stellen gesucht oder ihre Lebensläufe versandt. Von denen, die Interesse an ausländischen Angeboten zeigen, planen 77 %, für mehrere Jahre oder für immer auszuwandern.
Steuern und Lebensqualität als Hauptmotive
Die Studie deckte auch die wichtigsten Motive für die Umzugspläne auf. Am häufigsten nennen die Arbeitnehmer die Aussicht auf ein höheres Einkommen und eine bessere Lebensqualität (jeweils 51 %). Etwa 42 % der Befragten hoffen auf ein angenehmeres Klima oder eine geringere Steuerlast im Ausland. Bemerkenswert ist, dass Karriereperspektiven und Aufstiegsmöglichkeiten deutlich seltener ein entscheidender Faktor sind – nur für 24 % der Befragten.
Einer der Hauptgründe für die Unzufriedenheit ist das Steuersystem. In Deutschland bleiben von jeder 100 Euro Arbeitskosten, die ein Arbeitgeber für einen durchschnittlichen ledigen Arbeitnehmer trägt, nur etwa 50,70 Euro netto übrig. Der Restbetrag fließt in Einkommensteuer und Beiträge zur gesetzlichen Sozialversicherung, die zwischen Arbeitnehmer und Arbeitgeber aufgeteilt werden.
Diese Diskrepanz spiegelt sich direkt in den Umfrageergebnissen wider: 70 % der Befragten sind der Meinung, dass die Steuerlast in Deutschland im Verhältnis zum Einkommen unverhältnismäßig hoch ist und die persönlichen Arbeitsanstrengungen nicht ausreichend honoriert werden.
Wohin deutsche Fachkräfte auswandern möchten
Was die Auswanderungsziele betrifft, führen die USA weiterhin die Rangliste der beliebtesten Ziele an und machen 14,4 % aller Suchanfragen aus. Im Vergleich zum Vorjahr ist das Interesse an diesem Land jedoch merklich gesunken: Die Anzahl der Anfragen ging um 34 % zurück.
Auf den zweiten und dritten Platz mit jeweils 13,6 % rückten Großbritannien und die Schweiz. Die Attraktivität des Vereinigten Königreichs hat dabei erheblich zugenommen: Die Anzahl der Anfragen stieg um 38 %. Ein signifikanter Anstieg des Interesses wurde auch in Bezug auf die Vereinigten Arabischen Emirate und Indien verzeichnet (jeweils ein Zuwachs von 24 %), während Australien im Vergleich zum Vorjahr ein Wachstum von 10 % aufwies.
Folgen für die Wirtschaft
Experten weisen darauf hin, dass das massenhafte Streben hochqualifizierter und gut bezahlter Arbeitskräfte nach Auswanderung ernsthafte Herausforderungen für die deutsche Wirtschaft darstellen könnte. Das Land, das ohnehin bereits mit demografischen Problemen und einem Fachkräftemangel konfrontiert ist, riskiert den Verlust des produktivsten Teils seines steuerlichen und beruflichen Potenzials, wenn es keine Strukturreformen am Arbeitsmarkt und im Steuersystem durchführt.


