Auf der Außenhaut der Internationalen Raumstation verbrachten winzige Moossporen 283 Tage unter Bedingungen, bei denen die Temperatur zwischen minus 150 und plus 120 Grad schwankt, wo es keine Atmosphäre gibt und wo ultraviolette Strahlung ohne jeden Schutz trifft. Nach der Rückkehr zur Erde keimten mehr als 80 Prozent der Sporen und bildeten normale Pflanzen. Dies ist der erste bestätigte Fall, dass eine mehrzellige Pflanze einen so langen Aufenthalt im offenen Weltraum überlebt und ihre Fortpflanzungsfähigkeit bewahrt hat.
Das Experiment wurde von japanischen Wissenschaftlern mit der Modellart Physcomitrium patens durchgeführt – einem gewöhnlichen Erdmoos, das auch auf der Erde für seine Fähigkeit bekannt ist, kahle Bodenflächen zu besiedeln. Die Sporen wurden in natürliche Schutzhüllen – Sporangien – gelegt. Genau diese Hülle absorbierte, wie Bodentests und der Flug zeigten, die schädliche ultraviolette Strahlung und bewahrte das genetische Material. Ohne sie fiel die Überlebensrate auf fast null.
Auf der Erde gehören Moose zu den ersten Pflanzen, die vor etwa einer halben Milliarde Jahren das Land eroberten. Sie überlebten alle Massenaussterben, weil sie in einen Zustand völliger Austrocknung verfallen und beim ersten Kontakt mit Wasser wieder aufleben können. Das Weltraumexperiment zeigte, dass diese uralten Mechanismen auch außerhalb der Atmosphäre funktionieren. Offenbar hat die Evolution auf unserem Planeten Zellen hervorgebracht, die Bedingungen ertragen können, die es hier nie gegeben hat.
Für zukünftige Missionen zum Mond oder zum Mars eröffnet dies praktische Perspektiven. Moose wachsen schnell, produzieren Sauerstoff und können als Grundlage für geschlossene Lebenserhaltungssysteme dienen. Das japanische Team plant bereits längere Expositionen – bis zu mehreren Jahren. Es ist jedoch wichtig zu verstehen: Der Erfolg des Mooses hebt die Zerbrechlichkeit der irdischen Biosphäre nicht auf. Er erinnert nur daran, wie einzigartig die Bedingungen sind, unter denen das Leben auf unserem Planeten entstanden ist und erhalten blieb.
Im Alltag denken wir selten darüber nach, dass der grüne Belag auf alten Dachziegeln oder im Schatten des Waldes Nachkommen von Organismen sind, die Vakuum und Strahlung überleben können. Ihre Widerstandsfähigkeit ist das Ergebnis eines Millionen Jahre währenden „Trainings“ in den rauesten Winkeln der Erde: in der Antarktis, auf Vulkanfeldern, in Wüsten. Der Weltraum hat nur bestätigt, was hier bereits angelegt war.
Die Studie wurde in der Zeitschrift iScience veröffentlicht und basiert auf echten Proben, die im Jahr 2023 zur Erde zurückkehrten. Die Daten zeigen eine hohe Überlebensrate selbst bei vollständiger Einwirkung kosmischer Faktoren, mit Ausnahme der ultravioletten Strahlung, vor der die Sporangien wirksam schützten.
Wenn wir uns um die irdischen Ökosysteme kümmern, bewahren wir nicht nur die vertraute Natur, sondern auch potenzielle „Bausteine“ für Leben außerhalb ihrer Grenzen.
