Algen sind keine Pflanzen: Sechs erstaunliche Fakten über die aquatische Flora und ihre Evolution

Autor: Svitlana Velhush

Algen ähneln zwar den uns vertrauten Pflanzen, gehören jedoch faktisch völlig anderen Zweigen des Lebens an. Sie entwickelten sich unabhängig von der Landflora und beschritten einen eigenen Pfad voller überraschender biologischer Lösungen.

Der erste Unterschied liegt in ihrem Ursprung. Grünalgen, Braunalgen und Rotalgen zählen zu verschiedenen Gruppen der Eukaryoten. Während Grünalgen den Landpflanzen nahestehen, gehören beispielsweise die Braunalgen – wie die Laminarien – zu den Stramenopilen und stammen von gänzlich anderen Vorfahren ab. Rotalgen wiederum spalteten sich bereits viel früher ab, vor etwa einer Milliarde Jahren.

Zweitens betrifft es den Aufbau. Algen besitzen keine echten Wurzeln, Stängel oder Blätter. Anstelle von Wurzeln nutzen sie Rhizoiden oder Haftscheiben, die den Thallus lediglich an Felsen verankern. Nährstoffe nehmen sie wie ein Schwamm im Wasser über ihre gesamte Oberfläche auf.

Drittens sind ihre Größe und ihre Rolle im Ozean bemerkenswert. Einige Braunalgen bilden regelrechte Unterwasserwälder mit einer Höhe von bis zu 50 Metern. Diese Dickichte bieten Tausenden von Fischarten, Krebstieren und Weichtieren Schutz und absorbieren gleichzeitig Kohlendioxid, während sie Sauerstoff in Mengen produzieren, die mit großen Waldgebieten an Land vergleichbar sind.

Viertens weisen sie einen komplexen Lebenszyklus auf. Viele Algen vollziehen einen Generationswechsel, bei dem sich eine diploide mit einer haploiden Phase abwechselt. Bei manchen Arten sehen Sporen und Gameten völlig unterschiedlich aus, sodass erst eine genetische Analyse beweist, dass es sich um dasselbe Lebewesen in verschiedenen Erscheinungsformen handelt.

Fünftens zeichnen sie sich durch ihre Fähigkeit zur schnellen Evolution aus. Algen vertragen Schwankungen des Salzgehalts, der Temperatur und der Lichtverhältnisse problemlos. Aus diesem Grund besiedeln sie als erste neue Bodenabschnitte nach Vulkanausbrüchen oder Stürmen und tragen so zur Regeneration mariner Lebensgemeinschaften bei.

Sechstens bestechen sie durch ihr hohes Alter und ihre Widerstandsfähigkeit. Fossilfunde belegen, dass Rotalgen bereits vor 1,2 Milliarden Jahren existierten. In dieser Zeit überstanden sie mehrere Massenaussterben und bleiben bis heute ein wesentlicher Bestandteil des globalen Kohlenstoff- und Sauerstoffkreislaufs.

Die Erkenntnis, dass Algen keine „Meerespflanzen“ sind, sondern eine eigenständige und uralte Lebensform darstellen, hilft dabei, ihre Bedeutung für die ozeanischen Ökosysteme und die klimatische Zukunft der Erde präziser einzuschätzen.

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