Der weltweite Absatz von Elektrofahrzeugen erreicht Rekordwerte. Nach Prognosen der Internationalen Energieagentur werden im Jahr 2026 29 Prozent aller Neuwagen reine Elektromodelle oder Plug-in-Hybride sein. Zum Vergleich: Im Jahr 2020 lag dieser Wert bei nur 4 Prozent.
Der Boom kam unerwartet. Analysten hatten mit bescheideneren Ergebnissen gerechnet, bis der Krieg zwischen den USA und dem Iran sowie die Schließung der Straße von Hormus zu einem drastischen Anstieg der Öl- und Benzinpreise führten. Seit Februar ist der Preis für Brent-Öl um mehr als 25 Prozent gestiegen, was Käufer in den unterschiedlichsten Ländern zum Umdenken bewegt hat.
In Südafrika stiegen die Verkäufe von Elektroautos im ersten Halbjahr im Vergleich zum Vorjahreszeitraum um mehr als das Fünffache. In Laos nahmen die Lieferungen chinesischer batteriebetriebener Fahrzeuge sprunghaft zu. In Australien, Kolumbien und Südkorea hat sich der Anteil von Elektroautos am gesamten Neuwagenabsatz nahezu verdoppelt.
Gleichzeitig sind die Verkäufe von Elektroautos in den beiden größten Märkten – China und den USA – in diesem Jahr zurückgegangen. In China wirkten sich die Konjunkturabschwächung und die Kürzung von Subventionen aus, in den USA die Streichung der föderalen Steuergutschrift in Höhe von 7500 Dollar.
In anderen Regionen stellt sich die Lage anders dar. Seit Beginn des Konflikts haben sich die Verkäufe von Elektroautos in Australien, Brasilien, Indien und Südkorea verdoppelt. Laut BloombergNEF sind die Suchanfragen nach Elektroautos gerade in den Ländern mit den stärksten Kraftstoffpreiserhöhungen deutlich gestiegen.
Der Analyst Andrew Grant von BloombergNEF merkt an, dass einige Käufer lediglich bereits geplante Anschaffungen vorgezogen haben. Er fügt jedoch hinzu: Sollten die Ölpreise hoch bleiben, werden die Verkaufszahlen von Elektroautos höher ausfallen, als sie es andernfalls gewesen wären.
Mehr als ein Dutzend Regierungen haben bereits neue Unterstützungsmaßnahmen eingeführt. Irland und die Niederlande haben Programme zum Austausch alter Fahrzeuge gegen Elektroautos gestartet. Chile fördert die Umstellung von Bussen und Taxis, Spanien hat Steuervergünstigungen verlängert und China hat Ziele für die Elektrifizierung von Lastkraftwagen festgelegt.
Die Internationale Energieagentur betont, dass die Krise die Argumente für Elektroautos als Mittel zur Sicherung der Energieversorgung und zur Senkung der Kraftstoffkosten gestärkt hat. Der Straßenverkehr verbraucht etwa die Hälfte des weltweiten Erdöls.
Chinesische Hersteller haben im ersten Halbjahr bereits 2,4 Millionen Elektroautos exportiert – fast so viele wie im gesamten Jahr 2025. In Argentinien, Australien, Indonesien, Neuseeland und Südafrika machen chinesische Modelle mehr als 80 Prozent der Elektroautoverkäufe aus. Einige Länder, darunter Kambodscha und Kenia, haben vorübergehend die Zölle gesenkt, während Laos den Import von benzinbetriebenen Fahrzeugen bis Ende des Jahres 2026 sogar vollständig verboten hat.
Was wird mit den Verkaufszahlen geschehen, wenn der Konflikt abklingt und die Ölpreise auf ihr früheres Niveau zurückkehren? Kurzfristig könnte sich das Wachstum verlangsamen, aber langfristig werden Elektroautos laut Analysten aufgrund sinkender Batteriekosten weiterhin die Nase vorn haben.
