Eine internationale Forschergruppe unter der Leitung der Europäischen Weltraumorganisation hat eine Studie in der Fachzeitschrift Scientific Data veröffentlicht. Den Daten von 27 Satelliten und 45 unabhängigen wissenschaftlichen Arbeiten zufolge haben die Eisschilde Grönlands und der Antarktis seit 1979 etwa 12,5 Billionen Tonnen Eis verloren.
Diese Menge reicht aus, um den kontinentalen Teil der USA mit einer Eisschicht von etwa 1,5 Metern Dicke zu bedecken. Das geschmolzene Eis verwandelte sich in fast 3 Billiarden Gallonen Wasser und ließ den globalen Meeresspiegel um etwa 3,1 Zentimeter steigen.
Die Studie umfasst für die Antarktis den Zeitraum ab 1979 und für Grönland ab 1972. Früher stützten sich die Forscher nur auf europäische Satellitendaten aus den 1990er Jahren, doch die Hinzunahme der Daten der NASA ermöglichte es, die Aufzeichnung zu verlängern.
Die Eisverluste beschleunigen sich mit jedem Jahrzehnt, besonders deutlich in den 2010er Jahren. In Grönland stiegen die jährlichen Verluste von etwa 60 Milliarden Tonnen in den 1980er Jahren auf 264 Milliarden Tonnen in den 2010er Jahren.
Etwa 83–84% der Verluste hängen nicht mit der Erwärmung der Luft zusammen, sondern mit wärmeren Ozeanwassermassen, die das Eis von unten und von den Seiten her unterhöhlen. Dies beschleunigt das Abfließen der Gletscher in den Ozean.
Die Hauptautorin der Studie, Ines Otosaka von der Universität Northumbria, stellt einen klaren Zusammenhang mit dem Klimawandel fest. Der Mitautor Eric Rignot von der University of California in Irvine betont: Die Eisschilde schmelzen schnell, der Meeresspiegel steigt und verstärkt die Anfälligkeit der Küstenregionen.
Alle 0,85 Zentimeter Meeresspiegelanstieg setzen jährlich weitere 2–3 Millionen Menschen dem Risiko einer Überschwemmung aus. Wie wird sich die weitere Beschleunigung des Schmelzens auf Millionen Bewohner der tiefliegenden Küsten auswirken?
In den Jahren 2020–2023 war eine vorübergehende Verlangsamung zu beobachten, doch die Forscher bringen diese mit kurzfristigen Wetterfaktoren und nicht mit dem langfristigen Trend in Verbindung. Die Studie zeigt, dass die Dynamik der Gletscher auf die Erwärmung des Ozeans reagiert und der Trend zu zunehmenden Verlusten anhält.
