Unternehmen verzichten nicht aus Modegründen auf synthetische Farbstoffe, sondern unter dem Druck von Verbrauchern und Regulierungsbehörden. Laut einer Umfrage von Consumer Reports vom März 2026 machen sich 72 % der erwachsenen Amerikaner zumindest ein wenig Sorgen über die Auswirkungen künstlicher Farbstoffe auf die Gesundheit. Studien bringen sie mit Allergien und Hyperaktivität bei Kindern in Verbindung. PepsiCo brachte als erstes die komplett farblose Linie Simply NKD heraus – Cheetos und Doritos ohne Farbstoffe und künstliche Aromen. Im ersten Monat erreichten die Verkäufe 3 Millionen Dollar.
Matt Ingemi, Strategiedirektor bei Jel Sert, erklärt die Entscheidung: Natürliche Farbstoffe aus Algen und Pflanzen sind teuer, instabil und verlieren schnell ihre Farbe im Regal. Einfacher ist es, den Farbton ganz wegzulassen und die bunten Bilder auf der Verpackung zu lassen. „Wir machen das spaßig“, sagt er. Bereits jetzt stehen die farblosen Otter Pops auf Apfelsaftbasis neben den gewohnten bunten.
Die Käufer gewöhnen sich daran. Parker Alford aus Florida kaufte die neuen Frizzies für ihre drei Söhne: Die Kinder wunderten sich zunächst über „nur Eis“, aber der Geschmack überzeugte. Marketingprofessor Yu Ma von der McGill University merkt an: In einer Zeit der Gesundheitsbewusstheit kann eine blasse Farbe „Reinheit“ und Natürlichkeit signalisieren, nicht einen Fehler. Bei vertrauten Produkten wie Chips funktioniert das, wenn die Marke sich als „besser für dich“ positioniert.
Die Regulierungsbehörden erhöhen den Druck. Die FDA verfolgt die Zusagen der Unternehmen, synthetische Farbstoffe bis Ende 2027 zu entfernen. Auch bei Schulfrühstücken und -mittagessen werden Anforderungen gestellt. Emma Allen-Verco von der University of Guelph, die das Darmmikrobiom erforscht, bestätigt: Azofarbstoffe können im Darm zu giftigen Substanzen abgebaut werden. Sie hält den Verzicht auf Farbstoffe für den richtigen Schritt und fordert, weiter zu gehen – auch andere künstliche Zusatzstoffe zu entfernen.
Wenn die Farbe aufhört, Teil des Geschmacks zu sein, wird das Essen ehrlicher – und das verändert unsere Einstellung zu dem, was wir jeden Tag in den Mund nehmen.

