Was verbindet traditionelle asiatische Kultur mit modernen Öko-Trends? Die Antwort liegt in den Wäldern Nordostindiens verborgen, wo Wissenschaftler die Nutzung einer der am schnellsten wachsenden Ressourcen der Erde neu interpretiert haben. Ende Mai 2026 verkündete das College für Lebensmitteltechnologie (COFTI) in Imphal den Abschluss eines groß angelegten Forschungsprojekts: die Entwicklung eines marktfähigen Verfahrens zur Produktion von Premium-Bambuswein.

Bislang galt Bambus primär als Baumaterial, Textilrohstoff oder gelegentlich als exotische Zutat in der asiatischen Küche. Können wir ihn jedoch auch als Basis für die Weinkarte eines Restaurants betrachten? Biotechnologen haben bewiesen, dass dies nicht nur machbar, sondern auch wirtschaftlich lukrativ ist. Im Rahmen des staatlich geförderten Projekts wurden die fertigen Technologiepakete nun offiziell an den Rat für die Entwicklung von Rohr- und Bambusprodukten (NECBDC) übergeben.
Die zentrale Innovation liegt in der kontrollierten Fermentation. Den Forschern gelang es, neben dem Saft frischer Sprossen auch trockenes Bambuspulver zu verarbeiten und so die harten Pflanzenfasern in ein stabiles, an Antioxidantien reiches Premium-Getränk zu verwandeln.
Doch warum braucht ein ohnehin von Traubenweinen gesättigter Markt ein solches Produkt? Die Gründe liegen in der Ökologie und der regionalen Wirtschaftskraft. Bambusplantagen benötigen weder die intensive Pflege noch den hohen Pestizideinsatz oder das spezifische Klima, das für Weinberge unerlässlich ist. Da die Pflanze nach dem Schnitt von selbst nachwächst, stellt sie eine ideale regenerative Ressource dar. Diese neue Technologie bietet lokalen Landwirten und Start-ups eine schlüsselfertige Lösung, um ein Produkt mit hoher Wertschöpfung buchstäblich aus dem zu erzeugen, was unter ihren Füßen wächst.
Das fertige Getränk bewahrt die wertvollen wasserlöslichen B-Vitamine und Aminosäuren, die für junge Bambussprossen typisch sind. Damit haben die Forscher nicht nur eine Alkoholalternative geschaffen, sondern den Grundstein für das neue Segment des „nachhaltigen Weinbaus“ (sustainable wine) gelegt. Dies verspricht langfristig eine Reduzierung des CO2-Fußabdrucks in der Lebensmittelindustrie und schafft neue Arbeitsplätze in ländlichen Regionen. Nach Abschluss der Laborphase steht die Technologie nun für die gewerbliche Nutzung bereit.




