Falsche Spur: Wie Latex- und Nitrilhandschuhe die Laborforschung zur Hauptquelle von Mikroplastik machten

Autor: Katerina S.

Falsche Spur: Wie Latex- und Nitrilhandschuhe die Laborforschung zur Hauptquelle von Mikroplastik machten-1

Wir sind an beunruhigende Schlagzeilen gewöhnt, dass Mikroplastik überall gefunden wird, in jedem System des menschlichen Körpers – im Blut, in den Lungen, im Gehirn und sogar in der Plazenta. Das Ausmaß des Problems scheint total zu sein. Eine neuere Studie der University of Michigan hat diesem Bild jedoch eine wichtige, ironische Nuance hinzugefügt: Ein erheblicher Teil dieser beunruhigenden Funde könnte auf Verunreinigungen der Proben... durch die Wissenschaftler selbst zurückzuführen sein.

Eine Gruppe von Chemikern unter der Leitung von Madeline Clough und Anne McNeil entdeckte, dass die handelsüblichen Nitril- und Latex-Handschuhe, die Forscher tragen, gerade um Proben vor Verunreinigung zu schützen, selbst eine Quelle mikroskopischer Partikel sind.

Bei der Herstellung von Handschuhen werden Stearate verwendet – Salze der Stearinsäure, die als Trennmittel dienen und es ermöglichen, das fertige Produkt leicht von den Formen zu lösen. Wenn ein Wissenschaftler mit Handschuhen eine Reagenzglas, einen Filter oder ein Objektträger berührt, hinterlässt er eine unsichtbare Spur dieser Salze auf der Oberfläche.

Bei der Verwendung von Standard-Infrarot- und Raman-Spektroskopie sind die Stearatpartikel praktisch nicht von echtem Mikroplastik, wie z. B. Polyethylen, zu unterscheiden. Das Experiment zeigte, dass einfache trockene Berührung des Handschuhs mit der Probe im Durchschnitt bis zu 2000 falsch-positive „Mikroplastikpartikel“ pro Quadratmillimeter erzeugen kann.

Bedeutet das, dass es kein Mikroplastik gibt? Natürlich eilten die Autoren der Studie als erste, ihre Kollegen zu verteidigen, die jahrelang das Problem skaliert hatten. „Das bedeutet nicht, dass es keine Mikroplastikverschmutzung gibt – betont Professor Anne McNeil. – Wir können seine Mengen aufgrund dieses Fehlers überschätzen, aber es sollte trotzdem nicht da sein. Es ist immer noch sehr viel, und das ist das Problem.“

Die Entdeckung betrifft in erster Linie systematische Fehler in quantitativen Bewertungen, insbesondere bei Proben von atmosphärischer Luft, Wasser und Boden, wo die Partikelkonzentration ohnehin gering ist. Was menschliche Gewebe betrifft, so müssen die Protokolle für die Entnahme und Analyse von Biomaterialien nun überarbeitet werden, um die „Handschuhspur“ auszuschließen. Dies, so die Wissenschaftler, macht die bisherigen Daten nicht zunichte, sondern zwingt nur dazu, sie mit neuen Algorithmen zu überprüfen, die die Wissenschaftler bereits zur Unterscheidung von Stearaten und echten Polymeren entwickelt haben.

Diese Geschichte erinnert an einen anderen Fall. Im letzten Jahrzehnt des letzten Jahrhunderts registrierten Astronomen im Parkes-Observatorium (Australien) jahrelang mysteriöse kurze Funksignale, die als „Peritonen“ bezeichnet wurden und deren Eigenschaften außerirdischen Impulsen oder Spuren von Neutronensternkollisionen entsprachen. Die Auflösung erwies sich als äußerst banal: Das Signal kam von einer Mikrowelle im Aufenthaltsraum des Personals, die vor Ende des Aufheizzyklus geöffnet wurde, was zu einem kurzzeitigen Strahlungsausbruch auf der Frequenz führte. Das Forschungsinstrument war in Ordnung. Die Wissenschaftler hatten einfach den Haushaltsfaktor in einem hochpräzisen System nicht berücksichtigt, und die Ursache lag dort, wo sie sie nicht erwartet hatten.

Die grundlegende Tatsache bleibt unerschütterlich: Die Menschheit hat es tatsächlich geschafft, ihre synthetischen Spuren überall zu hinterlassen. Nur wissen wir jetzt, dass manchmal nicht nur die globale Industrie, sondern auch der Forscher selbst, der die Folgen untersucht, mit einem Handschuh die Spuren hinterlässt.

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Quellen

  • Nitrile and latex gloves may cause overestimation

  • Avoiding and reducing microplastic false positives from dry

  • Peryton (astronomy)

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