Auf Bodmin Moor in Cornwall haben 21 Weißstörche zum ersten Mal seit vielen Jahrhunderten die Freiheit betreten. Die meisten dieser Vögel sind dieses Jahr in den Volieren des Cornwall Stork Project geschlüpft. Nach kurzem Zögern erhoben sie sich in die Lüfte, und die Beobachter sahen, wie anmutig sie über die Heidelandschaft schwebten.
Das Projekt startete 2021 auf der Farm Hamatethy, wo ökologische Landwirtschaft mit Rewilding kombiniert wird. Gründer Ian Swidersky und sein Team züchteten fünf Paare ausgewachsener Vögel und ließen anschließend deren Nachkommen frei. Störche haben, ähnlich wie Schwalben, einen starken Heimkehrerinstinkt: Im Herbst werden sie nach Süden, nach Spanien oder Marokko, ziehen und voraussichtlich in einigen Jahren genau hierher zurückkehren, um zu nisten.
Historisch galten Weißstörche in England nicht als Brutvögel – der einzige Brutnachweis stammt aus dem Jahr 1416 in Schottland. Natural England betont, dass die Auswilderungen keine Priorität haben. Klimaverschiebungen verändern jedoch die Verbreitungsgebiete: Bienenfresser, Sichler und andere Arten dringen bereits nach Norden vor. Swidersky bemerkt, dass Bodmin Moor mit seinen gesunden Böden, Regenwürmern und Insekten für Störche geeignet ist, sofern feuchte Gebiete erhalten bleiben und intensive Landwirtschaft vermieden wird.
Das Projektmodell wurde von einem erfolgreichen Programm auf dem Knepp Estate in Sussex übernommen, wo sich seit 2016 bereits eine Wildpopulation etabliert hat. Die kornischen Störche werden möglicherweise zusammen mit den Störchen aus Sussex migrieren. Laut Swidersky liegt der Hauptwert der Störche nicht nur in ihrer ökologischen Rolle, sondern auch in ihrer Fähigkeit, die Aufmerksamkeit der Menschen auf die Natur zu lenken: Ihre Beobachtung führt zu Gesprächen über Bodengesundheit, die Rolle des ökologischen Landbaus und den Erhalt von Feuchtgebieten.
Die Freilassung verlief emotional: Swidersky verbarg seine Tränen des Stolzes nicht, und die Zuschauer verfolgten jeden Flügelschlag. Selbst eine kleine Auseinandersetzung mit einer Krähe hinderte die Vögel nicht daran, sich einzuleben. Wenn alles gut geht, werden in einigen Jahren neue Nester auf den Dächern und Bäumen Cornwalls erscheinen – ein Zeichen dafür, dass die Landschaft wieder lebenswert wird.
Solche Projekte zeigen, wie gezielte Bemühungen zur Wiederherstellung von Lebensräumen und zur Aufklärung Arten auch nach langer Abwesenheit in ihre angestammten Gebiete zurückbringen können.

