In den Weiten des Amazonasgebiets zeigen traditionelle Wildtiermanagementpraktiken, die von indigenen Völkern geprägt sind, eine unerwartete Wechselbeziehung: Sie gewährleisten nicht nur die Ernährungssicherheit der Gemeinschaften, sondern tragen auch zur Erhaltung des Waldes selbst bei.
Eine aktuelle Studie, veröffentlicht in der Zeitschrift Nature, basiert auf Daten von fast 450.000 erlegten Tieren aus 625 ländlichen Gebieten im gesamten Amazonasgebiet. Die Analyse zeigt, dass jährlich etwa 0,57 Millionen Tonnen Biomasse entnommen werden, wovon ein erheblicher Teil die lokale Bevölkerung ernährt. Gleichzeitig wirken kulturelle Jagdnormen – wie saisonale Beschränkungen, Verbote für bestimmte Arten und räumliche Zonierung – als natürliche Regulierungsmechanismen, die eine Überfischung der Bestände verhindern.
Gesunde und produktive Wälder unterstützen eine größere Vielfalt und Anzahl von Tieren, was sich direkt auf die Verfügbarkeit von Protein, Eisen und Vitaminen für ländliche Gemeinden auswirkt. In Gebieten mit starker Entwaldung sinkt die Jagdproduktivität um bis zu 67 Prozent, und die Fleischverfügbarkeit pro Kopf nimmt in der Nähe von Städten und in entwaldeten Zonen ab. Daher wird die Erhaltung der Waldbedeckung nicht nur zur Bedingung für die Biodiversität, sondern auch für die nachhaltige Ernährung von Millionen von Menschen.
Lokale Initiativen spielen hier eine Schlüsselrolle: Wenn Jagdvorschriften von den Gemeinden selbst unter Berücksichtigung ihrer Traditionen und der Ökologie entwickelt werden, erweisen sie sich als lebensfähiger und effektiver. Dies ist nicht einfach nur ein Verbot, sondern ein ganzes System, in dem kulturelle Tabus und praktisches Wissen zusammenwirken, um ein Gleichgewicht zwischen menschlichen Bedürfnissen und den Möglichkeiten der Natur aufrechtzuerhalten.
Die Studienergebnisse unterstreichen, dass die Waldzerstörung nicht nur seltene Arten bedroht, sondern auch traditionelle Ernährungssysteme, von denen indigene und ländliche Bewohner abhängig sind. Ein Management, das auf lokaler Erfahrung basiert, hilft, diese Risiken zu mindern und sowohl den Wald als auch die Lebensgrundlagen zu erhalten.
Letztendlich profitieren alle – Menschen und das Amazonas-Ökosystem – wenn lokale Gemeinschaften selbst die Regeln für die Interaktion mit der Wildnis festlegen.

