Insekten sind nicht nur Nahrung: verborgene Rollen im Leben der Wirbeltiere

Bearbeitet von: Svitlana Velhush

In einer Welt, in der Insekten oft auf die Rolle der Nahrung für Vögel und Fledermäuse reduziert werden, zeigt eine neue Studie: Ihr Beitrag zu den Ökosystemen ist weit tiefer und vielfältiger. Die in Nature Reviews Biodiversity veröffentlichte Arbeit unter der Leitung von Elayza Graimes von der Binghamton University enthüllt Dutzende wenig offensichtliche Verbindungen zwischen Insekten und Wirbeltieren – von Reptilien bis zu Säugetieren.

Schimpansen beispielsweise legen Insekten auf offene Wunden und nutzen sie als natürliches Antiseptikum. Mehr als zweihundert Vogelarten greifen zu „Ameisenbädern“, um Parasiten loszuwerden und ihr Gefieder in Ordnung zu halten. Andere Vögel bauen ihre Nester in der Nähe von Wespen und setzen auf Schutz vor Raubtieren. Solche Beispiele zeigen, dass Insekten nicht bloß Beute sind, sondern aktive Teilnehmer gegenseitiger Hilfe.

Hygiene und Unterschlupf sind eine weitere wichtige Funktion. Mistkäfer beseitigen die Exkremente von Tieren und verringern so das Risiko der Ausbreitung von Parasiten. Motten in Vogelnestern fressen Kot und Federn und halten so für Sauberkeit. Termiten- und Ameisenhügel dienen als stabile Zufluchtsorte: Weißkehl-Rundohrfledermäuse graben darin Hohlräume zum Übernachten, und Vögel und Reptilien legen ihre Eier in einem kontrollierten Mikroklima ab. Ähnliche Beziehungen gab es bereits in der Kreidezeit – Käfer ernährten sich von Federn in Dinosauriernestern.

Besonders deutlich zeigen sich die gegenseitig vorteilhaften Verbindungen bei Faultieren. Die Motten, die in ihrem Fell leben, reichern es mit Stickstoff an und fördern das Wachstum von Algen – der Hauptnährstoffquelle für den Wirt. Im Gegenzug steigen die Faultiere einmal im Monat auf den Boden hinab, um Kot zu hinterlassen, in dem die Motten ihre Eier ablegen. Solche Zyklen zeigen, wie eng die Leben verschiedener Arten miteinander verwoben sind.

Die Forscher betonen: Bei veränderter Landnutzung und unvermeidlichen Störungen der Insektengemeinschaften sind die Folgen für Wirbeltiere wegen des Mangels an Daten über nicht-nahrungsbezogene Wechselwirkungen schwer vorherzusagen. Dennoch wird der Schutz der Insekten zum Schlüssel für die Bewahrung der gesamten Biodiversität – vom Kohlenstoffkreislauf bis zur Wiederherstellung der Wälder.

Das Verständnis dieser Zusammenhänge hilft zu erkennen: Indem wir Insekten schützen, unterstützen wir ganze Gemeinschaften von Wirbeltieren, von denen die Stabilität der Ökosysteme abhängt.

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Quellen

  • Insects play critical role in ecosystems beyond just providing food, new research shows

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