Eine Umfrage unter 443 Designern aus 43 Ländern zeigte: Künstliche Intelligenz wird in der Phase der Ideengenerierung aktiv genutzt, doch in der finalen Phase deutlich zurückgedrängt. In der Phase Discover – 72 % der Befragten, in Deliver – nur 41 %. Das Paradox ist offensichtlich: Je näher am realen Produkt, desto geringer das Vertrauen in den Algorithmus.
Der Grund ist einfach und ökonomisch. In frühen Phasen kostet ein Fehler nichts – eine misslungene Idee lässt sich leicht verwerfen oder überarbeiten. Je weiter man dem „Double Diamond“ des Design Council folgt, desto teurer wird ein Fehlgriff: Er kann bereits zu den Nutzern gelangen. Deshalb vertrauen Designer dem KI gern das Ausloten von Varianten an, behalten sich aber das Recht auf das abschließende Urteil vor.
Interessant ist, dass selbst spezialisierte Werkzeuge gegen das gewöhnliche ChatGPT verlieren. In der Phase Define entfielen auf es 52 % aller Nennungen. Designer bevorzugen den universellen Chat statt hochspezialisierter „Gadgets“, die Forscher meist gerade für die späten Phasen entwickeln.
Skeptiker bremsen nicht der Komfort, sondern der Nutzen: 40 % derjenigen, die KI nicht nutzen, halten sie für nicht effektiv genug. Zugleich setzen 80 % der Befragten sie bereits in mindestens einer Phase ein. Die Kluft zwischen Enthusiasten und Skeptikern bleibt bestehen, doch die Daten wurden in den Jahren 2025–2026 erhoben – in einer Epoche, in der die heutigen Modelle bereits veraltet erscheinen.
Ein ähnliches Bild bestätigt auch das Experiment von Figma: KI verkürzt die Arbeitszeit von Produktmanagern um 35 %, die von Designern jedoch nur um 17 %. Die Maschine hilft am besten denen, die weniger Erfahrung haben, ersetzt aber nicht das Expertenurteil bei komplexen Entscheidungen.
Somit bleibt KI vorerst ein „Start“-Werkzeug. Sie vervielfacht die Zahl der Varianten, übernimmt aber keine Verantwortung für das Endergebnis. In den kommenden Jahren wird sich alles erst dann ändern, wenn Algorithmen lernen, das Design nicht nur zu generieren, sondern es zuverlässig bis zur Fertigstellung zu bringen.


