Unter der Grabeskirche wurde eine Landschaft entdeckt, die der Beschreibung in den Evangelien entspricht

Autor: Tatyana Hurynovich

Italienische Archäologen haben unter den Fundamenten der Jerusalemer Grabeskirche einen Gebäudekomplex aus dem 1. Jahrhundert entdeckt, dessen Topografie und Beschaffenheit der Beschreibung des Ortes der Kreuzigung und Bestattung Jesu Christi im Neuen Testament entsprechen. Die Ausgrabungen wurden von der Archäologin Francesca Romana Stasolla geleitet.

Was genau unter der Kirche gefunden wurde

Unter dem Steinboden der Basilika aus dem 4. Jahrhundert legten die Wissenschaftler mehrere archäologische Schichten frei. In einer Tiefe, die der Zeit vor der Zerstörung Jerusalems durch die Römer im Jahr 70 n. Chr. entspricht, wurden folgende Funde dokumentiert:

  • Ein antiker Steinbruch, in dem in früherer Zeit weißer Jerusalemer Kalkstein abgebaut wurde. Nachdem der Steinabbau eingestellt worden war, wurden die verlassenen Steinbrüche mit fruchtbarer Erde verfüllt.
  • Spuren bewirtschafteter landwirtschaftlicher Flächen — Furchen, Reste von Bewässerungssystemen und Spuren von Wurzelsystemen.
  • Überreste eines Gartens: Es wurden Spuren von Olivenbäumen und Weinstöcken identifiziert. Eine vorläufige Datierung der organischen Überreste weist auf das 1. Jahrhundert n. Chr. hin – die Zeit, in die traditionell das irdische Leben Jesu eingeordnet wird.
  • Ein Felsengrab mit einer für die jüdische Bestattungstradition des 1. Jahrhunderts typischen Anlage. In der Nähe wurde ein rundes Steingebilde entdeckt – offenbar der Überrest eines Rollsteins, mit dem der Eingang zur Grabkammer verschlossen wurde.

Übereinstimmungen mit dem Text der Evangelien

Der Fund gibt Details wieder, die in verschiedenen Evangelien überliefert sind. Das Johannesevangelium weist ausdrücklich auf einen Garten hin: „An dem Ort, wo er gekreuzigt wurde, war ein Garten, und in dem Garten ein neues Grab, in das noch niemand gelegt worden war“ (Joh 19:41). Gerade die Überreste der Oliven- und Weinpflanzungen, die von der italienischen Expedition entdeckt wurden, liefern eine archäologische Bestätigung für diesen Text.

Die Evangelien nach Matthäus, Markus und Lukas beschreiben das Grab ihrerseits als in den Felsen gehauen und mit einem Stein verschlossen – was dem gefundenen Bauwerk mit seinem Rollstein entspricht. Francesca Romana Stasolla zufolge lagen die entdeckten Felder und der Garten genau in dem Gebiet, das im 1. Jahrhundert zwischen den Stadtmauern Jerusalems und dem Felsvorsprung von Golgota lag.

Die Einschätzung der Forscher

Die Leiterin der Arbeiten betont: Die archäologischen Funde liefern keinen wissenschaftlich unwiderlegbaren Beweis dafür, dass in genau diesem Grab tatsächlich Jesus Christus bestattet wurde. Eine solche Behauptung geht über die Möglichkeiten der Archäologie als Disziplin hinaus.

Zugleich zeigen die Ergebnisse der Ausgrabungen, dass der Ort, der von Christen fast zwei Jahrtausende lang verehrt wird, Merkmale besitzt, die sich durchgängig mit den Beschreibungen des Neuen Testaments decken. Die Landschaft des ersten Jahrhunderts – ein aufgelassener Steinbruch, der in einen Garten mit Oliven- und Weinanpflanzungen umgewandelt wurde, ein Felsengrab außerhalb der Stadtmauern – entspricht vollständig der von den Evangelisten beschriebenen Topografie.

Historischer Kontext

Die Grabeskirche wurde auf Befehl des Kaisers Konstantin des Großen im vierten Jahrhundert errichtet, nachdem die Pilgerin Kaiserin Helena diesen Ort als Stätte der Kreuzigung und Bestattung identifiziert hatte. Zuvor, im zweiten Jahrhundert, hatte Kaiser Hadrian über dem Felsvorsprung eine Plattform aufschütten und darauf einen heidnischen Venustempel errichten lassen – gerade diese Aufschüttung hat, wie die Ausgrabungen zeigten, die frühere Landschaft des ersten Jahrhunderts konserviert.

Dank der Tatsache, dass die römische Bebauung die früheren Schichten gleichsam „versiegelte“, gelang es den Archäologen, genau jenes Milieu freizulegen, in dem nach dem Zeugnis der Evangelien die Bestattung stattfand. Die italienische Expedition bestätigte: Unter den jahrhundertealten Schichten der byzantinischen, kreuzfahrerzeitlichen und osmanischen Umbauten blieb genau jener Landschaftstyp erhalten – ein Garten bei einem Felsengrab außerhalb der Stadtmauern –, der in den Evangelien beschrieben wird.

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Quellen

  • «Раскопки в Иерусалиме: настоящая гробница Иисуса?»

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