In der Schweiz entstehen aus Kürbissen großformatige Kunstkompositionen, in Deutschland werden Rennen auf riesigen Früchten veranstaltet, und bei Brüssel verwandelt sich ein ganzer Park in einen Märchenwald mit Füchsen, Eulen und Hirschen. Die Herbstfestivals verbinden Kreativität, Gastronomie, Handwerk und ungewöhnliche Wettbewerbe und bieten Reisenden die Möglichkeit, die vertraute Jahreszeit von einer unerwarteten Seite zu sehen.
Schweiz: Wenn die Ernte zur Kunst wird
Jeden Herbst werden die Farmen Juckerhof in Seegräben und Bächlihof in Jona zu Schauplätzen einer der bekanntesten Saisonausstellungen der Schweiz. Hier verwandeln sich Kürbisse verschiedener Formen, Größen und Farbtöne in großformatige Themenkompositionen, die man bei einem Spaziergang über die Farmgelände betrachten kann.
Das Thema des Jahres 2026 lautet „Gute Reise“. Unter den Skulpturen befinden sich ein Volkswagen Bulli, ein Reisekoffer und Szenen, die von Reisen zu Lande und zu Wasser inspiriert sind. Der Künstler Pit Ruge und sein Team schaffen Konstruktionen, die anschließend mit bunten Kürbissen gestaltet werden, wobei die Früchte nach Farbe und Form ausgewählt werden. Die natürliche Vielfalt wird Teil des künstlerischen Konzepts: Manche Kürbisse erinnern an Kleidungsstücke, andere formen die Oberflächen von Gegenständen und helfen, den Charakter der Figuren zu vermitteln.
Die Ausstellung bietet nicht nur visuelle Eindrücke. Gäste können saisonale Gerichte probieren, Workshops zum Kürbisschnitzen besuchen und an speziellen Abendveranstaltungen teilnehmen, wenn Laternen und beleuchtete Kompositionen das Erscheinungsbild der Ausstellung verändern.
An diesem Projekt ist besonders die Verbindung von Kreativität und Landleben interessant. Um die Werke kennenzulernen, braucht man keine Museumsäle oder besondere Vorkenntnisse: Es genügt, durch die herbstlichen Landschaften zu spazieren und zu beobachten, wie eine gewöhnliche Ernte zu wiedererkennbaren Bildern wird.
Die Ausstellung auf dem Juckerhof in Seegräben läuft bis zum 25 Oktober, auf dem Bächlihof in Jona bis zum 1 November 2026.
Deutschland: Rennen, bei denen ein Boot Hunderte Kilogramm wiegt
In Deutschland geht die Kürbissaison weit über die Ausstellungsflächen hinaus: In zwei Städten – Ludwigsburg und Mechernich – werden riesige Früchte zu Teilnehmern ungewöhnlicher Wasserwettbewerbe.
In Ludwigsburg, in den Gärten Blühendes Barock beim Residenzschloss, findet die jährliche Kürbisregatta statt. Im September 2026 traten rund 60 Teilnehmer im Rudern auf riesigen ausgehöhlten Kürbissen gegeneinander an, legten die Strecke zurück und versuchten, das Gleichgewicht zu halten. Hier reicht es nicht, einfach schnell zu rudern: Form und Stabilität jeder Frucht beeinflussen den Rennverlauf, und eine unglückliche Bewegung kann in einem unerwarteten Bad enden.
In Mechernich in der Region Eifel fand eine weitere Kürbisregatta statt, an der 44 Personen teilnahmen. Das Prinzip ist dasselbe: Statt gewöhnlicher Boote dienen riesige Kürbisse, die in Wasserfahrzeuge verwandelt wurden. Die Teilnehmer müssen gleichzeitig mit dem Paddel zurechtkommen, das Gleichgewicht halten und das Tempo nicht verlieren. Den Zuschauern bleibt es, das Rennen zu verfolgen und abzuwarten, wer als Erster das Ziel erreicht und wer die Wassertemperatur prüft.
Hinter diesem lustigen Bild steckt nicht wenig Vorbereitung. Zuerst muss eine Frucht passender Größe gezüchtet werden, dann gilt es, das Fruchtfleisch sorgfältig zu entfernen und den Rumpf des Bootes zu formen. Und obwohl solche Wettbewerbe eher wie Vergnügen als wie ernsthafter Sport wirken, erfordert der Sieg Koordination, Ausdauer und die Fähigkeit, mit einem höchst ungewöhnlichen Wasserfahrzeug umzugehen.
In Ludwigsburg beschränkt sich das Kürbisprogramm nicht auf die Regatta: Hier werden auch Wettbewerbe im Wiegen riesiger Früchte und im künstlerischen Schnitzen veranstaltet. So wird die Ernte zugleich zum Gegenstand des Wettbewerbs, zum Material für Kreativität und zum Anlass für ein Herbstfest.
Es ergibt sich eine eigentümliche Triathlon-Variante zum Thema Kürbis: Eine Frucht beeindruckt durch ihre Größe, eine andere wird zur Skulptur, und eine dritte geht aufs Wasser. Und Wechselkleidung ist hier wohl nicht weniger wichtig als sportlicher Ehrgeiz.
Belgien: Ein Wald, der aus Kürbissen wächst
Im Park des Schlosses Groot-Bijgaarden unweit von Brüssel findet das Festival Pumpkimania statt. Im Jahr 2026 lautet sein Thema „Magie des Waldes“. Tausende bunte Kürbisse verwandeln sich in Figuren von Waldtieren: Darunter sind Füchse, Eulen und Hirsche. Die Kompositionen schaffen eine märchenhafte Atmosphäre, in der die Herbsternte zum Material für eine ganze fantastische Welt wird.
Eine der Hauptfiguren des Festivals ist ein riesiger Kürbis mit einem Gewicht von 772 Kilogramm, der beim traditionellen Wiegen im September präsentiert wurde. Seine Ausmaße zeigen anschaulich, wie weit die Leidenschaft für den Kürbisanbau gehen kann: Für Gärtner ist er das Ergebnis monatelanger Arbeit, für Besucher die Möglichkeit, eine Frucht zu sehen, die man sich in einer gewöhnlichen Küche kaum vorstellen kann.
Auf dem Gelände finden außerdem Workshops zum Kürbisschnitzen und gastronomische Veranstaltungen statt. Besucher können saisonale Produkte kennenlernen, Themenkompositionen betrachten und Zeit inmitten herbstlicher Dekorationen verbringen.
Das Festival dauert bis zum 1 November 2026. In den letzten Oktobertagen ergänzt der Park das Programm mit Veranstaltungen zu Halloween und verbindet herbstliche Dekorationen, Lichteffekte und thematische Unterhaltung.
Von der Ausstellung bis zur Küche: Der Kürbis hat mehr als eine Rolle
Diese Feste haben unterschiedliche Charaktere, doch ein Prinzip verbindet sie: Die Ernte wird zur Grundlage gemeinsamen Schaffens. In der Schweiz sind es vor allem künstlerische Kompositionen und saisonale Gastronomie. In Deutschland sind es Ausstellungen, sportliche Wettkämpfe und Rekorde. In Belgien sind es märchenhafte Kulissen, handwerkliche Aktivitäten und Familienfreizeit.
Der Kürbis bleibt dabei ein wichtiger Teil der lokalen Küche. Aus ihm werden Suppen, Backwaren, Gnocchi, Risotto und andere saisonale Gerichte zubereitet. Auf den Festen tauchen auch ungewöhnlichere Varianten auf – zum Beispiel Kürbis-Pommes und Süßigkeiten mit Kürbiskernen.
Doch hinter Gastronomie und Unterhaltung steht noch eine andere Seite der Herbstfeste. Solche Veranstaltungen helfen lokalen Höfen, nach dem Ende der Sommersaison Besucher anzuziehen, unterstützen die Erzeuger und schaffen einen Raum für Begegnungen zwischen Einheimischen und Gästen der Region. Das landwirtschaftliche Produkt wird Teil einer kulturellen Erfahrung, und ein Ausflug aufs Land wird zur Gelegenheit zu sehen, wie Erntetraditionen eine neue Fortsetzung finden.
Ein Herbst voller unerwarteter Entdeckungen
Kürbisfeste bieten verschiedene Möglichkeiten, einen Herbsttag zu verbringen: zwischen ungewöhnlichen Skulpturen spazieren, saisonale Gerichte probieren, lokale Traditionen kennenlernen oder Zuschauer eines Wettbewerbs werden, bei dem ein gewöhnliches Boot einem riesigen Fruchtkörper weicht.
Ein Kürbis wird zur Skulptur, ein anderer verwandelt sich in ein Boot, ein dritter geht auf die Waage, um einen weiteren Rekord aufzustellen. Und nach der Ausstellung kehren viele Früchte zu ihrer ursprünglichen Bestimmung zurück – sie werden Zutaten herbstlicher Gerichte oder eine Quelle von Samen für die nächste Ernte.
Für Reisende sind solche Feste eine Gelegenheit, eine weniger offensichtliche Seite Europas zu entdecken, abseits der gewohnten Stadtrouten und bekannten Sehenswürdigkeiten. Hier setzen sich die Eindrücke aus saisonalen Landschaften, lokaler Küche, kreativen Ideen und Traditionen zusammen, die jede Region auf ihre eigene Weise weiterentwickelt.
Und wenn ein Kürbis schon an Rennen teilnehmen, sich in eine Skulptur verwandeln und zur Heldin eines märchenhaften Gartens werden kann, dann kann ein herbstlicher Ausflug aufs Land durchaus interessanter sein, als es auf den ersten Blick scheint.
