Die Schweiz: Das Land, das das perfekte Leben erfand

Autor: Svitlana Velhush

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Es gibt Länder des Chaos, in denen das Leben brodelt, lärmt, improvisiert und über die Ufer tritt. Und dann gibt es die Schweiz. Ein Land, das aussieht, als hätte es ein pedantisches Genie auf eine Leinwand gemalt und ein besonders präziser Geist es anschließend ausgeschnitten und mitten in Europa platziert. Man könnte sie als ein „beinahe perfektes“ Land bezeichnen. Und dieses Wörtchen „beinahe“ ist dabei am wichtigsten. Denn hinter den glänzenden Fassaden der Alpenchalets und den makellosen Rasenflächen verbirgt sich eine Nation, die Überleben, Sicherheit und Ordnung zum absoluten Dogma erhoben hat.

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Природа, которую охраняют как зеницу ока

Die Schweizer Alpen sind weit mehr als nur Berge. Sie sind nationales Kulturgut und eine uneinnehmbare Festung zugleich. Die Luft hier ist so rein, dass man sie am liebsten auf Vorrat einatmen möchte, und das Wasser kann direkt aus den Straßenbrunnen getrunken werden – es schmeckt besser als jedes Premium-Mineralwasser.

Die hiesigen Dörfer, gewaltigen Staudämme, Brücken und Tunnel fügen sich mit chirurgischer Präzision in die Landschaft ein. Hier gibt es keine zufälligen Details. Jeder Stein, jede Fichte und jede Kuhglocke befindet sich genau an ihrem Platz. Die Natur wirkt hier nicht „wild“, sondern so gepflegt wie der Garten eines Milliardärs.

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Зарплаты, от которых кружится голова (и пустеет кошелёк)

Die Schweiz ist das Land der astronomischen Einkommen. Die Gehälter gehören hier beständig zur absoluten Weltspitze. Selbst Kassierer im Supermarkt, Reinigungskräfte oder Kellner verdienen Summen, von denen europäische Büromanager oft nur träumen können.

Doch es gibt einen Haken, an dem die Begeisterung der Touristen oft zerschellt. Die Schweiz ist eines der teuersten Pflaster auf diesem Planeten. Eine Tasse Kaffee, ein einfaches Mittagessen oder die Miete zwingen Gäste dazu, hektisch ihr Budget nachzurechnen. Eine klassische „kostenlose“ staatliche Gesundheitsversorgung gibt es hier nicht: Jeder Einwohner ist verpflichtet, eine private Krankenversicherung abzuschließen, die alles andere als günstig ist. Die Schweizer verdienen zwar viel, geben aber ebenso viel aus, um jenen „idealen“ Lebensstandard zu wahren, den man aus den Fenstern der Panoramazüge bewundern kann.

Самая нейтральная страна (с бункером в каждом доме)

Die Schweiz ist berühmt für ihre legendäre Neutralität. Seit dem Jahr 1815 war sie in keinen größeren Krieg mehr verwickelt. Doch man sollte Schweizer Neutralität nicht mit naivem Pazifismus verwechseln. Dieses Land ist ein einziger, gigantischer und getarnter Bunker.

Gesetzlich ist vorgeschrieben, dass in der Schweiz so viele Plätze in Luftschutzbunkern bereitstehen müssen, wie das Land Einwohner hat – es gibt also ein Versteck für absolut jeden. Jeder Mann ist wehrpflichtig und nimmt sein Sturmgewehr nach dem Dienst mit nach Hause (allerdings ohne Munition, die in den Arsenalen lagert). Während des Kalten Krieges war die Furcht vor einer Invasion so groß, dass die Schweizer die wichtigsten Brücken, Tunnel und Pässe der Alpen verminten, um das Land im Ernstfall komplett von der Außenwelt abzuschneiden.

Ihre Sicherheit basiert nicht auf dem Vertrauen in die Nachbarn, sondern auf einer totalen, beinahe paranoiden Bereitschaft für das Schlimmste. Genau deshalb gilt die Schweiz zu Recht als eines der sichersten Länder der Welt.

Поезда, которые точнее швейцарских часов

Der öffentliche Verkehr in der Schweiz ist eine ganz eigene Kunstform und der Stolz der Nation. Die hiesigen Züge verkehren mit einer so manischen Pünktlichkeit, dass man nach ihnen nicht nur die Uhr, sondern den eigenen Puls stellen könnte. Eine Verspätung von zwei Minuten gilt hier bereits als nationale Schande.

Tunnel wurden durch unbezwingbare Felsen getrieben, während die berühmten Panorama-Expresszüge über Viadukte über bodenlosen Schluchten kriechen, sodass Touristen durch riesige Fenster das „ruhigste Land der Welt“ bestaunen können.

Прямая демократия: Народ решает всё

Die Schweizer überlassen den Politikern nicht das Recht, über ihre Köpfe hinweg zu entscheiden. Mehrmals im Jahr finden hier bundesweite Volksabstimmungen statt. Die Bürger stimmen über alles Mögliche ab: von Steuererhöhungen und dem Bau neuer Windräder bis hin zum Verbot von Minaretten oder der Einführung eines bedingungslosen Grundeinkommens (das sie übrigens selbst ablehnten, getreu dem Motto, dass „kostenloser Käse nur in der Mausefalle“ existiert). Es ist eine Nation mündiger und verantwortungsbewusster Menschen, denen bewusst ist: Ein ideales Land wird nicht von oben verordnet, sondern bei jeder Abstimmung Stein für Stein aufgebaut.

Fondue, Schokolade und strenge Regeln

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Natürlich darf man die kulinarischen Symbole nicht vergessen: das cremige Käsefondue, Raclette und Schokolade, die auf der Zunge zergeht. Doch selbst hinter dieser Fassade des gastronomischen Hedonismus verbergen sich strikte Regeln.

In der Schweiz darf man sonntags keinen Lärm machen – es ist der heilige Tag der Ruhe. In manchen Häusern gilt bis heute die ungeschriebene (und manchmal im Mietvertrag festgehaltene) Regel, nach 22 Uhr nicht mehr die Toilettenspülung zu betätigen, um die Nachbarn nicht zu stören. Die Mülltrennung wurde hier zum Kult erhoben, und wer eine Dose im falschen Beutel entsorgt, riskiert ein empfindliches Bußgeld. Die Nachbarn sind hier wachsam. Und das gilt als völlig normal.

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Почему она лишь «почти» идеальна?

Weil ein Ideal eine erstarrte Form ist. In der Schweiz bleibt wenig Raum für Spontaneität, für Verrücktheiten oder jenes Chaos, das das Leben oft erst richtig lebendig und unvorhersehbar macht.

Die Schweiz ist ein Meisterwerk des gesellschaftlichen Konsenses. Es ist ein Land, in dem die Menschen freiwillig zugestimmt haben, ihre unmittelbaren Freiheiten zugunsten des Gemeinwohls, der Stille, der Sicherheit und der unglaublichen Schönheit um sie herum einzuschränken. Und wenn man am Ufer des Genfersees steht oder auf den verschneiten Gipfel des Matterhorns blickt, begreift man: Ja, dieses Land verlangt Disziplin und Respekt vor den Regeln. Aber im Gegenzug schenkt es einem etwas, das in der heutigen Welt selten geworden ist – absolute, unerschütterliche Gelassenheit.

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