Wenn man an einen idealen Urlaubsort denkt, um dem winterlichen Frost zu entfliehen, kommen einem sofort die Kanarischen Inseln in den Sinn. Im Atlantischen Ozean gelegen, nur hundert Kilometer von der Küste Afrikas entfernt, aber politisch zu Spanien gehörend, stellen sie eine einzigartige Welt dar. Dies ist nicht nur ein Strandresort, sondern ein Archipel mit einer atemberaubenden Vielfalt an Landschaften: von mondartigen Vulkanwüsten über smaragdgrüne Lorbeerwälder bis hin zu majestätischen Berggipfeln.

Sieben Perlen des Atlantiks

Der Kanarische Archipel besteht aus sieben Hauptinseln, und jede von ihnen hat ihren eigenen, unverwechselbaren Charakter.

1. Teneriffa – Insel der Kontraste

Die größte und beliebteste Insel des Archipels. Ihre Visitenkarte ist der Vulkan Teide, der höchste Punkt Spaniens. Teneriffa überrascht durch seine Vielfalt: Der grüne und feuchte Norden mit üppiger Vegetation steht im scharfen Kontrast zum trockenen und sonnigen Süden, wo sich die wichtigsten Resorts befinden. Hier findet auch einer der lebhaftesten Karnevals der Welt statt.

2. Gran Canaria – Ein Kontinent im Miniaturformat

Diese Insel wird oft als „Kontinent im Miniaturformat“ bezeichnet, da sie auf kleiner Fläche eine unglaubliche landschaftliche Vielfalt bietet. Der Süden Gran Canarias ist berühmt für die riesigen Sanddünen von Maspalomas, die an die Sahara erinnern, während das Zentrum der Insel aus tiefen Schluchten, Kiefernwäldern und felsigen Bergen besteht.

3. Lanzarote – Marsianische Landschaften

Die östlichste und eine der ältesten Inseln. Lanzarote sieht aus wie ein anderer Planet: erstarrte Lavaströme, Vulkankrater des Nationalparks Timanfaya und weiß getünchte Architektur, die nach den Gesetzen des großen lokalen Künstlers und Architekten César Manrique geschaffen wurde. Hier ist es verboten, Gebäude höher als ein Palmenbaum zu bauen, um die ursprüngliche Schönheit zu erhalten.
4. Fuerteventura – Ein Paradies für Surfer
Die windigste und trockenste Insel mit endlosen Stränden aus weißem Sand und türkisfarbenem Wasser. Dies ist Mekka für Windsurfer und Kitesurfer aus aller Welt. Fuerteventura ist ideal für diejenigen, die Einsamkeit, Weite und Einheit mit dem Ozean suchen.
5. La Palma – „Die schöne Insel“
Die grünste und feuchteste Insel des Archipels. La Palma bietet tiefe Schluchten, Bananenplantagen und dichte Wälder. Hier befindet sich eines der besten Observatorien der Welt, und der Himmel gilt als einer der saubersten für astronomische Beobachtungen. Kürzlich erwachte die Insel nach dem Vulkanausbruch des Tajogaite im Jahr 2021 zu weltweiter Bekanntheit.
6. La Gomera – Die Insel des Pfiffs
Eine kleine, gebirgige und sehr grüne Insel, bedeckt von alten Lorbeerwäldern (der Nationalpark Garajonay ist UNESCO-Weltkulturerbe). Die Hauptattraktion ist Silbo Gomero, eine einzigartige Pfeifsprache, die die Einheimischen zur Kommunikation über tiefe Schluchten nutzen.
7. El Hierro – Das Ende der Welt
Die kleinste und am weitesten entfernte Insel, die lange Zeit als das Ende der bekannten Welt galt (von hier aus wurde der Nullmeridian gezählt). El Hierro ist ein Reservat unberührter Natur, ein idealer Ort zum Tauchen und für Ökotourismus. Die Einheimischen versuchten sogar, die Insel vollständig energieunabhängig zu machen.
Klima: Wo der Frühling das ganze Jahr über blüht
Die Kanaren werden als „Inseln des ewigen Frühlings“ bezeichnet. Dank des warmen Kanarenstroms und der Passatwinde sinkt die Temperatur hier im Winter selten unter 18°C und steigt im Sommer selten über 28°C.
Das Klima auf den Inseln ist jedoch mikroklimatisch. Sie können sich in einer Situation wiederfinden, in der an der Nordküste leichter Regen fällt und alles in Grün ertrinkt, während nur 30 Kilometer weiter südlich die Sonne hell scheint und Trockenheit herrscht. Der Ozean ist hier kühler als im Mittelmeer (etwa 19-22°C), aber erfrischt an heißen Tagen wunderbar.
Kulinarische Schätze
Die kanarische Küche ist eine Symbiose aus spanischen Traditionen, lateinamerikanischen Einflüssen und Rezepten der Ureinwohner (Guanchen).
Papas arrugadas con mojo („runzlige Kartoffeln mit Mojo-Sauce“) – das wichtigste Nationalgericht. Kleine Kartoffeln werden mit Schale in stark gesalzenem Wasser gekocht und mit roter (scharfer) oder grüner (Kräuter-) Mojo-Sauce serviert.
Gofio – Mehl aus geröstetem Getreide, das schon die Guanchen zu ihren Speisen hinzufügten. Heute wird es in Suppen, Desserts verwendet und sogar zu Eis verarbeitet.
Majorero-Käse – ein berühmter Ziegenkäse von der Insel Fuerteventura, der oft mit Paprika oder Öl überzogen ist.
Malvasia-Wein – ein süßer vulkanischer Wein, der einst in Europa hoch geschätzt wurde und sogar von Shakespeare erwähnt wurde. Die Trauben wachsen hier in einzigartigen Lavamulden.
Was tun auf den Kanaren?
1. Wandern: Das Wegenetz (z.B. Camino Natural) ist hier hervorragend ausgebaut. Der Aufstieg zum Teide, Wanderungen durch die Schluchten von Gran Canaria oder die Pfade von La Palma werden unvergessliche Eindrücke hinterlassen.
2. Wal- und Delfinbeobachtung: In der Meerenge zwischen Teneriffa und La Gomera leben das ganze Jahr über Populationen von Pottwalen, Grindwalen und Delfinen.
3. Astrotourismus: Die Kanarischen Inseln haben den Status eines „Sternenfreundlichen Reiseziels“ (Starlight). Hier werden Führungen zu Teleskopen angeboten und man lernt einfach, den Nachthimmel zu lesen.
4. Wassersport: Vom ruhigen Schnorcheln in den Buchten von La Palma bis zum Bezwingen gigantischer Wellen auf Fuerteventura.
Praktische Informationen
Visum: Die Kanarischen Inseln gehören zu Spanien, daher ist für die Einreise ein Schengen-Visum erforderlich.
Anreise: Direkte Flüge gibt es aus vielen großen Städten Europas und Russlands (saisonal). Zwischen den Inseln gibt es einen gut ausgebauten Fährverkehr (Unternehmen Fred. Olsen und Naviera Armas) und lokale Fluggesellschaften (*Binter Canarias*, Canaryfly).
Transport: Auf den Inseln selbst ist es am besten, ein Auto zu mieten, um Bewegungsfreiheit zu haben und abgelegene Strände und Aussichtspunkte zu erreichen. Öffentliche Verkehrsmittel (Busse guaguas) verkehren gut, aber nur auf den Hauptrouten.
Beste Reisezeit: Die Kanaren sind zu jeder Jahreszeit wunderschön. Für einen Badeurlaub eignen sich am besten die Sommer- und frühen Herbstmonate (wenn sich der Ozean maximal erwärmt hat). Für Wandern und Ausflüge sind Frühling und Herbst ideal.
Die Kanarischen Inseln sind ein Ort, der die Klischees eines gewöhnlichen Strandurlaubs bricht. Hier kann man morgens Kaffee mit Blick auf den Regenwald trinken, tagsüber an schwarzen Vulkanstränden spazieren und abends unter den Sternen der Milchstraße zu Abend essen. Dies ist ein Archipel, der ein Gefühl von Freiheit, natürlicher Kraft und endlosem Frühling vermittelt, und zu dem man immer wieder zurückkehren möchte.




