Färöer-Inseln: Wilde Schönheit und Geheimnisse einer verlorenen Welt im Atlantik

Autor: Svitlana Velhush

Färöer-Inseln: Wilde Schönheit und Geheimnisse einer verlorenen Welt im Atlantik-1

Zwischen Norwegen und Island, in den rauen Gewässern des Nordatlantiks, liegt ein Archipel, der wie aus den Seiten eines Fantasy-Romans wirkt. Die Färöer-Inseln (oder „Schafsinseln“, wie ihr Name aus dem Altnordischen Føroyar übersetzt wird) sind ein Land der steilen Basaltfelsen, tosenden Wasserfälle, smaragdgrünen Hügel und Menschen, deren Kultur tief in der Wikingerzeit verwurzelt ist.

Es gibt hier keine lauten Metropolen und Strandresorts, aber es gibt etwas, das dem modernen Menschen so sehr fehlt: unberührte Natur, Stille und das Gefühl, am Rande der Welt zu sein.

Geografie und Klima: Wo Wind und Wasser herrschen

Der Färöer-Archipel besteht aus 18 Hauptinseln vulkanischen Ursprungs. Die Gesamtfläche des Landes ist gering – etwa 1400 Quadratkilometer, und die Bevölkerung beträgt etwas mehr als 54.000 Menschen. Interessanterweise gibt es hier doppelt so viele Schafe wie Menschen.

Die Inseln sind eine Autonomie im Königreich Dänemark, gehören aber nicht zur Europäischen Union. Sie haben ihre eigene Flagge, ihre eigene Sprache und ihre eigene Regierung.

Das Klima auf den Färöern ist subarktisch und maritim. Das Wetter ändert sich buchstäblich alle fünf Minuten. Einheimische Witze lauten: „Wenn Ihnen das Wetter nicht gefällt, warten Sie fünf Minuten.“ Hier regnet es oft, starke Winde wehen, und Nebel kann die Inseln vollständig vor der Außenwelt verbergen. Doch gerade dieses launische Klima schafft die dramatischen Landschaften, für die die Färöer von Fotografen und Filmemachern so geliebt werden.

Natur: Smaragd und Basalt

Die Färöer-Inseln sind waldlos (Bäume wachsen hier nur in speziell geschützten Baumschulen), aber mit einem dichten, weichen grünen Teppich bedeckt. Dieser Teppich besteht aus Moos und Gräsern, die auf einer dünnen Bodenschicht über Basaltfelsen wachsen.

* Felsen und Fjorde: Die Küstenlinie ist von tiefen Fjorden zerklüftet, und das Land wird von steilen Klippen gekrönt, die sich Hunderte von Metern in den Ozean erstrecken.

Färöer-Inseln: Wilde Schönheit und Geheimnisse einer verlorenen Welt im Atlantik-9

* Wasserfälle: Nach Regenfällen stürzen Hunderte von temporären und permanenten Wasserfällen die Berge hinab, von denen einige (wie der berühmte Múlafossur) direkt ins Meer fallen.

* Fauna: Die Inseln sind ein Paradies für Ornithologen. Im Sommer nisten hier Zehntausende von Seevögeln, darunter die berühmten Papageientaucher (puffins). In den Gewässern rund um den Archipel leben Wale, Delfine und Robben.

Kultur und Traditionen: Das Erbe der Wikinger

Das färöische Volk bewahrt seine Identität sorgfältig. Färöisch ist neben Dänisch Amtssprache. Es ist dem Altnordischen so ähnlich, dass die Färöer die originalen Wikingersagas fast ohne Übersetzung lesen können.

Färöer-Inseln: Wilde Schönheit und Geheimnisse einer verlorenen Welt im Atlantik-13

* Kettentanz (Faroese dance): Das wichtigste Kultursymbol. Dies ist nicht nur ein Tanz, sondern eine Methode zur Bewahrung des mündlichen Epos. Menschen fassen sich an den Händen, bilden einen Kreis und singen, während sie im Takt stampfen, alte Balladen, die Stunden dauern können.

* Tórshavn: Die Hauptstadt des Archipels ist eine der kleinsten und gemütlichsten Städte der Welt. Ihr historisches Viertel Tinganes gilt als Sitz eines der ältesten Parlamente der Welt (existiert seit dem 9. Jahrhundert). Häuser mit Ziegel- und Rasendächern, enge Gassen und ausgezeichnete Cafés schaffen eine Atmosphäre nordischer „Hygge“.

Färöer-Inseln: Wilde Schönheit und Geheimnisse einer verlorenen Welt im Atlantik-15

* Grindadráp: Eine umstrittene und alte Tradition der Keulung von Grindwalen. Für die Färöer ist dies eine Frage des historischen Überlebens und der Kultur, eine Möglichkeit, in dem rauen Klima kostenloses Fleisch zu erhalten. Für internationale Tierschützer ist es Barbarei. Dieses Thema bleibt eine der dringendsten Fragen im Dialog der Färöer mit der Weltgemeinschaft.

Wirtschaft und modernes Leben

Historisch gesehen stützte sich die Wirtschaft der Inseln auf Fischerei und Schafzucht. Heute machen Fisch und Meeresfrüchte etwa 90% des Exports aus. Die Färöer sind jedoch kein rückständiges Dorf, sondern eine hochentwickelte Gesellschaft mit einem sehr hohen Lebensstandard.

Die Färöer sind berühmt für ihren Ingenieursgeist, der es ihnen ermöglicht, die raue Geografie zu überwinden. Die Inseln sind durch Unterseetunnel miteinander verbunden. Der beeindruckendste ist der Eysturoyartunnilin, unter dessen Wasser sich ein Kreisverkehr befindet, der den Wechsel zwischen den Tunneln zu verschiedenen Inseln ermöglicht. Dies macht das Autofahren unglaublich bequem.

Top 5 Orte, die man besuchen muss

1. Das Dorf Gásadalur und der Wasserfall Múlafossur. Bis 2002 war dieser Ort nur über einen Pfad oder mit dem Hubschrauber erreichbar. Heute ist das Dorf durch einen Tunnel verbunden. Der Anblick des Wasserfalls, der von einer grünen Klippe direkt ins Meer fällt, vor der Kulisse der Insel Mykines, ist die Visitenkarte der Färöer.

Färöer-Inseln: Wilde Schönheit und Geheimnisse einer verlorenen Welt im Atlantik-21

2. Die Insel Mykines. Die westlichste Insel. Im Sommer verwandelt sie sich in eine riesige Papageientaucherkolonie. Man kann sie mit der Fähre (das Wetter spielt oft nicht mit) oder mit dem Hubschrauber erreichen.

3. Der See Sørvágsvatn. Eine berühmte optische Täuschung. Aufgrund der hohen Klippe hinter dem See scheint es, als würde der See über dem Ozean schweben. Tatsächlich liegt der See 30 Meter über dem Meeresspiegel, aber aus einem bestimmten Blickwinkel sieht er aus wie ein „See über dem Meer“.

4. Der Berg Slættaratindur. Der höchste Punkt des Archipels (880 Meter). Auf den Gipfel führt eine ausgezeichnete Treppe, und bei klarem Wetter bietet sich von dort ein Panorama über alle 18 Inseln.

5. Die Insel Streymoy und das Dorf Saksun. Ein gemütliches Dorf mit Rasendächern, das an der Küste einer Lagune liegt, die bei Ebbe zu einer Schlammebene wird und bei Flut mit Meerwasser gefüllt ist.

Tipps für Reisende

* Anreise: Direkte Flüge aus den meisten Ländern gibt es nicht. Am bequemsten ist es, über Kopenhagen zu fliegen (Fluggesellschaft Atlantic Airways) oder mit der Fähre Smyril Line aus Dänemark oder Island anzureisen.

* Beste Reisezeit: Die beste Zeit ist von Mai bis September. Im Juni und Juli herrscht hier Polartag (fast 24 Stunden Licht), und die Papageientaucher nisten bis Ende August. Der Winter ist nur für Liebhaber von stürmischer, düsterer und atmosphärischer Ästhetik geeignet.

* Kleidung: Vergessen Sie Regenschirme (sie werden Ihnen vom Wind aus der Hand gerissen). Sie benötigen hochwertige Hosen und Jacken aus Membranmaterial, Wanderschuhe und das Prinzip der Zwiebelschichten.

* Öko-Etikette: Das färöische Moos wächst jahrzehntelang und erholt sich nur sehr langsam. Die lokalen Behörden und Einwohner bitten Touristen dringend, nur auf den ausgewiesenen Wegen zu gehen. Betreten Sie das Moos außerhalb der Wege nicht – das schadet dem Ökosystem erheblich.

Die Färöer-Inseln sind ein Ort, der keine Eile duldet. Man reist hier nicht für luxuriösen Service oder Nachtclubs hin. Man reist hierher, um zu hören, wie der Ozean gegen die Basaltfelsen schlägt, wie die Vögel im Hochland schreien und wie der Wind durch das smaragdgrüne Gras weht. Dies ist eine Reise an den Rand der Welt, die für immer eine Spur in der Seele hinterlässt und dazu anregt, die Zerbrechlichkeit und Größe unseres Planeten neu zu betrachten.

17 Ansichten

Lesen Sie mehr Artikel zu diesem Thema:

Haben Sie einen Fehler oder eine Ungenauigkeit festgestellt?Wir werden Ihre Kommentare so schnell wie möglich berücksichtigen.