Tadej Pogačar steht auf der Bühne am Casino in Monaco und spricht über die Vuelta a España 2026 als das schwierigste Rennen seiner Karriere. Dabei erfolgt der Start buchstäblich vor seinem Wohnzimmerfenster. Das Paradoxe daran ist, dass der beste Radrennfahrer der Gegenwart, der gerade erst seine fünfte Tour de France gewonnen hat, sich nun auf das einzige „große“ Rennen vorbereitet, das ihm in seiner Sammlung noch fehlt, und es als „extrem schwer“ bezeichnet.
Die Vuelta startet am 22. August und dauert bis zum 13. September. Pogačar ist seit Juli nicht mehr angetreten, als er erneut die Tour de France dominierte. Nun geht er in seiner Heimatstadt an den Start, in der er bereits seit einigen Jahren lebt. „Ich bin sehr gespannt darauf, in Spanien anzutreten“, sagte er bei der Teampräsentation. Doch er fügte sogleich hinzu: Drei Wochen Hitze, steile Anstiege und starke Konkurrenten werden das Rennen extrem hart machen.
Für Pogačar ist die Vuelta nicht einfach nur ein weiteres Rennen. Sie ist die letzte große Lücke in seiner Erfolgsbilanz. Er hat bereits den Giro und die Tour gewonnen, doch die spanische Rundfahrt konnte er bisher noch nicht für sich entscheiden. Ein Sieg hier würde nicht nur einen weiteren Titel bedeuten, sondern die Vervollständigung der Sammlung aller drei Grand Tours. Dabei sorgt der Start in Monaco für zusätzlichen psychologischen Druck: Die heimische Umgebung hilft nicht immer, wenn man drei Wochen lang maximale Konzentration aufrechterhalten muss.
Auch die Konkurrenz schläft nicht. Richard Carapaz von EF Education-EasyPost deutete einen möglichen Kampf um die Gesamtwertung an, schloss aber auch einen Fokus auf Etappensiege nicht aus. Mads Pedersen und Wout van Aert erklärten offen ihren Wunsch, um Etappensiege zu kämpfen. Enric Mas von Movistar sowie die Spanier Pello Bilbao und Jesús Herrada, für die dies die letzte Vuelta ist, sorgen für nationales Flair und zusätzliche Motivation. In einem solchen Umfeld wird selbst Pogačar an seine Grenzen gehen müssen.
Stellen Sie sich vor: Ein Sportler, der es gewohnt ist, fast alles zu gewinnen, muss nun drei Wochen lang in Folge beweisen, dass er mit Hitze, Bergen und taktischen Fallen umgehen kann, während er buchstäblich vor der eigenen Haustür startet. Es ist, als würde ein Weltklasse-Schachspieler die entscheidende Partie in seiner eigenen Küche spielen – jeder kennt seine Gewohnheiten, jeder wartet auf einen Fehler. Psychologisch kann ein solcher Start sowohl beflügeln als auch ablenken.
Ein Sieg von Pogačar bei der Vuelta 2026 würde, sollte er eintreten, nicht nur seine physische Überlegenheit zeigen, sondern auch seine Fähigkeit, die Motivation nach den bereits erreichten Erfolgen aufrechtzuerhalten. Für den Radsport wäre dies ein Signal: Selbst der dominierendste Athlet sucht immer noch nach neuen Herausforderungen, anstatt sich mit dem bereits Erreichten zufriedenzugeben.
