Wimbledon 2026 neigt sich dem letzten Tag zu. Am Morgen des 12. Juli steht die Siegerin bei den Damen bereits fest, während die große Entscheidung im Herrenturnier heute auf dem Centre Court fällt. Die diesjährige Auflage bleibt durch sensationelle Niederlagen der Favoriten, den historischen Lauf eines britischen Tennisprofis und den triumphalen Erfolg der tschechischen Damenschule in Erinnerung.
Linda Nosková – die neue Königin von Wimbledon
Zur großen Heldin des Turniers avancierte die 21-jährige Tschechin Linda Nosková. Im Damenfinale setzte sie sich gegen ihre Landsfrau Karolína Muchová durch:
6:2, 5:7, 6:3
Fast hätte sich das Match für Nosková zu einem schmerzhaften Drama entwickelt. Nachdem sie den ersten Satz gewonnen hatte, führte sie im zweiten bereits mit 5:2 und erarbeitete sich fünf Matchbälle, konnte jedoch keinen davon verwandeln. Muchová gelang ein beeindruckendes Comeback, mit dem sie die Partie in den entscheidenden Satz zwang.
Während der Pause erblickte Nosková am Ausgang zum Centre Court die Siegertrophäe und fand nach eigener Aussage dadurch die nötige Konzentration für den Kampf zurück. Im dritten Durchgang erlangte sie die Spielkontrolle zurück und beendete das Match mit ihrem insgesamt sechsten Matchball. Für die Tschechin ist es der erste Grand-Slam-Titel ihrer Karriere.
Das Finale markierte das erste Mal in der Geschichte der Grand-Slam-Turniere, dass zwei tschechische Spielerinnen ein Einzel-Endspiel bestritten. Zudem ist Nosková nach Markéta Vondroušová und Barbora Krejčíková bereits die dritte tschechische Wimbledon-Siegerin innerhalb der letzten vier Jahre.
Besonders emotional verlief die Siegerehrung. Nosková widmete ihren Erfolg ihrer Mutter, die im Jahr 2024 verstorben war. Die Siegertrophäe wurde ihr von Catherine, der Princess of Wales, überreicht.
Favoritensterben im Damen-Tableau
Der Sieg von Nosková war der Schlusspunkt eines der unvorhersehbarsten Damenturniere der letzten Jahre. Die Titelverteidigerin Iga Świątek scheiterte frühzeitig, und auch die Weltranglistenerste Aryna Sabalenka musste sich bereits im Achtelfinale Naomi Osaka geschlagen geben.

Für Osaka bedeutete dieses Resultat ihr bestes Abschneiden in Wimbledon: Zum ersten Mal erreichte sie das Viertelfinale, unterlag dort jedoch Muchová. Neben Świątek und Sabalenka verpasste auch die an Nummer zwei gesetzte Jelena Rybakina den Sprung in die entscheidende Turnierphase.
So mündete das Damenfeld, das ursprünglich von zahlreichen etablierten Champions dominiert schien, letztlich in einem rein tschechischen Finale.
Heute: Jannik Sinner – Alexander Zverev
Das Highlight des Finaltages ist das Endspiel der Herren zwischen dem amtierenden Champion Jannik Sinner und Alexander Zverev.
Der Spielbeginn ist für frühestens 16:00 Uhr Londoner Zeit angesetzt, was etwa 18:00 Uhr Kiewer Zeit entspricht. (Wimbledon)
Sinner stoppt Djokovic
Im Halbfinale setzte sich der Italiener souverän gegen den siebenfachen Wimbledon-Sieger Novak Djokovic durch:
6:4, 6:4, 6:4
Sinner schlug 16 Asse, leistete sich keinen einzigen Doppelfehler und ließ seinem Gegner nicht einen Breakball zu. Für den 39-jährigen Djokovic bedeutete diese Niederlage, dass sein Traum vom rekordträchtigen 25. Grand-Slam-Titel erneut aufgeschoben ist.
Nach dem Spiel räumte der Serbe ein, dass er sich langsamer als gewöhnlich bewegt habe. Möglicherweise machten sich die Folgen des kräftezehrenden Fünf-Satz-Viertelfinals gegen Félix Auger-Aliassime bemerkbar. Dennoch betonte Djokovic, dass er hoffe, auch im nächsten Jahr wieder nach Wimbledon zurückzukehren.
Zverev beendet das britische Märchen
Im zweiten Halbfinale stoppte Alexander Zverev den Lauf des britischen Überraschungsmannes Arthur Fery:
7:6, 6:2, 6:4
Fery, der per Wildcard ins Hauptfeld gerückt war, schaffte es als erst zweiter Wildcard-Starter in der Geschichte von Wimbledon bis ins Halbfinale der Herrenkonkurrenz. Auf seinem Weg dorthin bezwang er unter anderem Grigor Dimitrow sowie Flavio Cobolli und avancierte zum absoluten Publikumsliebling. (Wimbledon)
Für Zverev ist das heutige Match sein erstes Finale in Wimbledon. Zuvor war der Deutsche an der Church Road nie über das Viertelfinale hinausgekommen. Nach seinem ersten Grand-Slam-Triumph bei den French Open steht er nun in seinem zweiten Major-Finale in Folge.
Wer geht als Favorit ins Rennen?
Die meisten Vorzeichen sprechen für Sinner. Der Italiener ist der Titelverteidiger, zeigte im Halbfinale eine makellose Leistung und konnte die letzten neun Duelle gegen Zverev für sich entscheiden. Seit seinem mühsamen Auftaktmatch hat er zudem keinen einzigen Satz mehr abgegeben.
Dennoch geht Zverev wohl mit dem größten Selbstvertrauen seiner bisherigen Karriere in dieses Finale. Der Sieg in Paris hat den jahrelangen Druck von ihm genommen, der mit dem fehlenden Grand-Slam-Titel verbunden war. Sein kraftvoller Aufschlag ist auf Rasen besonders gefährlich, weshalb viel davon abhängen wird, ob der Deutsche den Rhythmus in den langen Ballwechseln mit Sinner halten kann.
Zu den schmerzlichsten Verlusten des Turniers zählte das Fehlen von Carlos Alcaraz. Der zweifache Wimbledon-Champion musste die Teilnahme aufgrund einer im Frühjahr erlittenen Handgelenksverletzung absagen.
Weitere Titelträger
In der Herren-Doppelkonkurrenz siegten der Finne Harri Heliövaara und der Brite Henry Patten. Im Finale bezwangen sie Marcelo Arévalo und Mate Pavić:
7:6, 7:6
Für Patten ist dies bereits der zweite Titel in Wimbledon. Damit ist er der erste Brite der Open Era, dem es gelang, das Doppelturnier der Herren zweimal zu gewinnen. (Wikipedia)
Somit hat Wimbledon 2026 bereits vor dem letzten Ballwechsel eine neue Championesse, ein historisches tschechisches Finale und einen unerwarteten britischen Helden hervorgebracht. Es bleibt nur noch die eine große Frage: Wird Sinner seinen Titel erfolgreich verteidigen oder krönt Zverev seinen besten Monat der Karriere mit dem zweiten Grand-Slam-Sieg in Folge?




