„Digger“ (Digger, 2026): Tom Cruise gegen den Gletscher, oder wie man über das Ende der Welt lacht

Autor: Svitlana Velhush

Offizieller finaler Trailer zu DIGGER (2026) mit Tom Cruise

„Digger“ — eine neue schwarze Komödie und ein Drama von Alejandro González Iñárritu mit Tom Cruise in der Hauptrolle. In den internationalen Verleih kam der Film ab 30 September 2026, in den USA ab 2 Oktober.

Die Laufzeit beträgt etwa 2 Stunden 9 Minuten, und gleich vorweg: Genau wegen der Laufzeit haben wir die Bewertung am Ende etwas gesenkt.

Im Zentrum der Geschichte steht Digger Rockwell, ein exzentrischer texanischer Milliardär und Ölmagnat, den man als beinahe mächtigsten Menschen der Welt bezeichnet.

Sein Unternehmen wird zur Ursache einer gewaltigen Umweltkatastrophe in Grönland. Und nun muss Digger allen beweisen — und, wie es scheint, vor allem sich selbst —, dass er kein Zerstörer der Welt ist, sondern ein Mensch, der diese Welt zu retten vermag.

In die Sache schaltet sich der US-Präsident ein, verkörpert von John Goodman, dazu Wissenschaftler, Militärs, Berater, Ölleute — und es beginnt der völlig wahnsinnige Versuch eines Menschen, die Natur seinem Plan gefügig zu machen.

Tom Cruise, den man zunächst kaum wiedererkennt

Eine eigene Geschichte ist die Verwandlung von Cruise (gaya.one — 1; gaya.one — 2; gaya.one —3; gaya.one —4)

Den 64-jährigen Schauspieler hat man hier praktisch auseinandergenommen und neu zusammengesetzt. Komplizierte plastische Masken, Aufsätze, veränderte Gesichtszüge, lichtes graues Haar, Leibesfülle und ein dick aufgetragener Südstaatenakzent.

Infolgedessen ist vor uns zeitweise überhaupt nicht Tom Cruise zu sehen.

Und genau hier werden wir uns wohl von vielen Kritikern unterscheiden.

Uns hat Cruise sehr gefallen.

Ja, sein Digger ist maßlos.

Laut.

Selbstsicher.

Exzentrisch bis zum Gehtnichtmehr.

Manchmal möchte man ihn wirklich buchstäblich „umbringen“. 😄

Und ein paar Minuten später möchte man ihn aus irgendeinem Grund schon unterstützen.

Gerade dieser Wechsel in der Haltung zur Figur erschien uns als eines der interessantesten Dinge im Film.

Die erste Armee der Welt versucht, … einen Gletscher zu besiegen

Wenn man den Anfang des Films ganz kurz ohne ernsthafte Spoiler nacherzählt, ergibt das ungefähr Folgendes:

Die erste Armee der Welt versucht, gegen die Natur zu kämpfen. Das heißt gegen einen Gletscher.

Und allein diese Idee erklärt vortrefflich das Ausmaß des Absurden, das sich da abspielt.

Die Militärbesprechungen hier verwandeln sich mitunter beinahe in eine Farce. Menschen, die gewohnt sind, Geld, Armeen, Unternehmen und Informationen zu lenken, sehen sich plötzlich einem Gegner gegenüber, dem völlig gleichgültig ist, wer hier Präsident, Milliardär oder General ist.

Die Natur nimmt an Verhandlungen nicht teil.

Und genau hier sind viele Dialoge wirklich lustig.

Und besonders gut funktionieren dabei jene Momente, in denen die Figuren allzu sehr an vertraute Typen aus der heutigen Politik erinnern: die Art zu sprechen, der Wunsch, die Informationsagenda zu kontrollieren, die Gewissheit, dass sich jedes Problem mit einer lauten Erklärung oder einer schönen Geschichte lösen lässt.

Doch „Digger“ ist ganz und gar nicht der Film, der er zunächst zu sein scheint

Und hier beginnt das eigentlich Interessante.

In den ersten vierzig Minuten könnte man meinen, vor uns liege einfach eine sehr teure, sehr laute und sehr schwarze politisch-ökologische Satire.

Und dann beginnt der Film sich zu verändern.

Und gegen Mitte wird klar, dass Iñárritu sich nicht mehr nur für das Klima, die Ölkonzerne und die Macht interessiert.

Er beginnt, ganz andere Fragen zu stellen.

Wer sind wir innerhalb unserer eigenen Rollen?

Wo endet der Mensch, und wo beginnt das Bild, das er vor anderen spielt?

Kann man ein Leben lang die Geschichte über sich selbst lenken – und eines Tages begreifen, dass man selbst nicht mehr weiß, wer man ist?

DIGGER | Offizieller finaler Trailer

Kann man mit Kunst die Wirklichkeit verändern?

Und überhaupt: Wenn wir alle ständig irgendwelche Rollen spielen – den Geschäftsmann, den Präsidenten, den Elternteil, den Retter, den Bösewicht, den Schauspieler –, wer bleibt dann übrig, wenn die Kulissen abgebaut werden?

Hier bekommt der Film jenen schöpferischen Untertext, der uns besonders gefallen hat.

In gewisser Weise schwingt darin etwas mit, das mit unserer gestrigen Analyse von „Tony“, wo ebenfalls die zentrale Frage lautete:

„Wer bin ich?“

Und interessant ist, dass diese Frage in „Digger“ zunächst überhaupt nicht sichtbar ist.

Sie taucht allmählich auf.

Als ob der Film den Zuschauer zunächst absichtlich auf die äußere Hülle blicken lässt — Geld, Macht, Schminke, laute Reden, die Katastrophe —, um dann eine Kulisse nach der anderen abzubauen.

Wir werden nicht näher darauf eingehen, denn genau hier kann man einen der wichtigsten Effekte des Films leicht verderben.

Die Kritiken — eine beinahe perfekte Spaltung

Und auch das ist interessant.

Die Kritiken zu „Digger“ sind sehr uneindeutig ausgefallen.

Die einen Kritiker nennen den Film chaotisch, zu laut, selbstgefällig und überladen.

Andere halten ihn für kühn, visuell einfallsreich und weit interessanter als das übliche große Hollywood-Kino.

Auch die Zuschauer sind gespalten.

Auf CinemaScore erhielt der Film C+, was zu den niedrigsten Werten in Cruise’ Karriere der letzten Jahre wurde.

Doch genau hier standen wir denjenigen näher, denen der Film gefallen hat.

Vielleicht liegt das Problem in den Erwartungen.

Wenn man zu „Digger“ kommt, um einen neuen Tom Cruise im gewohnten Sinne zu sehen — einen charismatischen Helden, der die Welt elegant rettet —, kann man stark überrascht werden.

Denn hier steht uns ein ganz anderer Cruise gegenüber.

Und unserer Meinung nach schauspielerisch ist er großartig.

Der Film selbst offenbart sich einfach nicht sofort.

Man muss den Film ein wenig abwarten

Die ersten Episoden sind bewusst überzeichnet.

Jemand schreit.

Jemand hält unglaubliche Reden.

Jemand versucht, die Natur zu befehligen.

Schwarzer Humor ist wirklich reichlich vorhanden, und stellenweise ist er so schwarz, dass es selbst uns schon ein klein wenig zu viel war.

Doch etwa zur Mitte des Films geschieht eine interessante Sache:

Der Film beginnt endlich, sich zu einem Ganzen zusammenzufügen.

Man versteht, wozu einige Seltsamkeiten gut waren.

Warum die Figuren so übertrieben wirken.

Warum manche Szenen fast theatralisch sind.

Und wozu der Regisseur so aktiv mit der Form spielt.

Und uns hat gerade die Form sehr gefallen

Manche Kamera- und Regieentscheidungen sind hier wirklich großartig.

Besonders die Momente, in denen der Raum plötzlich anders wahrgenommen wird, sich die Kulissen verändern, die gewohnte Grenze zwischen Realität und Vorstellung durchbrochen wird.

Das ist nicht bloß ein visueller Trick.

Die Form wird allmählich Teil des Sinns.

Und hier darf man natürlich den Kameramann nicht unerwähnt lassen Emmanuel Lubezki — dreifacher Oscar-Preisträger, der „Gravity“, „Birdman“ und „The Revenant“ gedreht hat.

Der visuelle Teil ist eine der stärksten Seiten des Films.

Und die Besetzung ist hier riesig

Neben Tom Cruise und John Goodman spielen im Film:

Riz Ahmed — Ganesh;

Sandra Hüller — Emma;

Jesse Plemons — Kenny;

Michael Stuhlbarg — der Vizepräsident;

Emma D’Arcy — Lina;

Burn Gorman — Verteidigungsminister Amos;

Robert John Burke — General Fitzgerald;

Sophie Wilde — Hannah;

sowie Pip Torrens, Corey Johnson, Danny Kirrane und andere.

Sophie Wilde kennen viele aus „Büro für magische Dienste“, „Zwei, drei, Dämon, komm!“ und der Serie „Der Junge verschlingt das Universum“, und Jesse Plemons ist uns seit jeher lieb und teuer, schon seit „Breaking Bad“ und „Fargo“.

Lohnt es sich, das anzusehen?

Ja, wenn Sie diesen Humor mögen, wenn Sie über Politiker lachen möchten und wenn Sie darauf gefasst sind, dass der Film zunächst chaotisch wirkt.

Der Film ist eigenartig. Und deshalb ist unsere Bewertung durchaus gut. Nicht nur eigenartig, sondern stellenweise genial. Und Cruise ist doch genial.

Ein großer Pluspunkt ist, dass der Film einen verborgenen kreativen Subtext über den Sinn des Lebens, unsere Rollen und die Frage „Wer bin ich“ hat. Etwa zur Mitte des Films ist man wirklich von der Philosophie und der Sicht auf die heutige Welt durchdrungen.

Geben Sie dem Film eine Chance.

Bewertung: 7.5/10

(Wir haben die Bewertung wegen der langgezogenen Laufzeit, die sich stellenweise bemerkbar macht, ein wenig herabgesetzt).

Das ist ein kuriöser, spezieller und stellenweise geradezu genialer Film. Wenn Sie unkonventionellen Humor mögen, über Politiker lachen möchten und bereit sind, die Herausforderung der Drehbuchautoren anzunehmen — „Digger“ ist für Sie gemacht.

Und noch etwas: Manche Bilder mögen zunächst schockieren, doch schon am nächsten Tag werden Sie nach ihrem Sinn suchen — und der erste Eindruck beginnt zu verblassen.

Tom Cruise beweist, dass er nicht nur ein Action-Superstar ist, sondern ein tiefgründiger, vielseitiger Schauspieler, der eine äußerst komplexe Satire tragen kann. Schauen Sie hin, saugen Sie es auf und suchen Sie die verborgenen Bedeutungen — sie sind es wert! 🎬🍿

115 Ansichten

Quellen

  • Digger

Kommentare

Haben Sie einen Fehler oder eine Ungenauigkeit festgestellt?Wir werden Ihre Kommentare so schnell wie möglich berücksichtigen.