Ein Film wie eine warme Umarmung: „Außergewöhnlich kluge Geschöpfe“ verbindet leisen Humor mit Herzlichkeit und stiller Lebensweisheit.
Wer sich nach einem Kinoabend sehnt, der das Gemüt aufhellt und vielleicht ein paar Tränen der Rührung hervorruft, dürfte hier fündig werden.
Die Geschichte lädt dazu ein, innezuhalten und sich auf ihre Figuren einzulassen – und sie später wiederzusehen, wenn der Alltag mehr Zärtlichkeit vertragen kann.
Im Mittelpunkt steht die verwitwete ältere Tova Sullivan, gespielt von Sally Field. Sie arbeitet nachts als Reinigungskraft in einem Aquarium an der Küste.
Ihr Alltag ist von Stille, Routine und Einsamkeit geprägt. Einen ungewöhnlichen Gesprächspartner findet sie in Marcell, einem riesigen Pazifischen Oktopus.
Tova spricht mit ihm und vertraut ihm ihre Gedanken an. Sie ahnt nicht, dass Marcell nicht nur zuhört, sondern jedes Wort versteht.
Bewegung kommt in ihr Leben, als Cameron, gespielt von Lewis Pullman, in der Kleinstadt auftaucht. Der junge Musiker sucht nach Antworten über seine Vergangenheit.
Zugleich versucht Cameron, einen alten Lieferwagen wieder flottzumachen. Schließlich nimmt er einen Nebenjob in demselben Aquarium an, in dem Tova arbeitet.
So verknüpfen sich die Wege einer Frau, eines jungen Mannes und eines weisen Oktopus. Daraus entsteht eine Geschichte über Nähe, Heilung und unerwartete Freundschaft.
Regisseurin Olivia Newman schafft eine Atmosphäre, in die man gern zurückkehrt. Die Bilder strahlen eine besondere Wärme aus, ohne sich aufzudrängen.
Das sanfte Licht der Küstenstadt, die behaglichen Räume des Aquariums und die Pausen zwischen den Gesprächen tragen wesentlich zur Wirkung bei.
Hinter der scheinbar schlichten Handlung stehen gewichtige Fragen: Wie lässt sich ein Verlust bewältigen? Und woher nimmt man den Mut, sich der Welt wieder zu öffnen?
Der Film erzählt außerdem davon, wie wichtig es ist, jemanden zu verstehen, der nicht die eigene Sprache spricht. Dabei belehrt er nicht, sondern erinnert behutsam daran, dass wir alle Verständnis brauchen.
Auch die Gefühle der Figuren kommen ohne große Gesten aus. Ihre Blicke, kleinen Handlungen und die spürbare Chemie zwischen ihnen entfalten eine stille Kraft.
Marcell wird zum eigentlichen Herzstück des Films. Seine Beobachtungsgabe, die Berührungen seiner Fangarme und seine wortlose Unterstützung gehören zu den Momenten, die zu Herzen gehen.
Bei aller Rührung bleibt Platz für Leichtigkeit. Die Dialoge sind von einem warmen, unaufdringlichen Humor getragen.
Eine Szene beim Rendezvous bringt den Ton auf den Punkt: „Ich möchte dich meinem Kind vorstellen.“
Die Antwort lautet: „Aber er hat einen Schnurrbart! Wie soll er da ein Kind sein?“
Der kleine Wortwechsel ist komisch und liebevoll zugleich – und fühlt sich angenehm vertraut und gemütlich an.
„Außergewöhnlich kluge Geschöpfe“ setzt nicht auf Spektakel. Stattdessen fordert der Film dazu auf, langsamer zu werden, genauer hinzuhören und die Gefühle wirken zu lassen.
Gerade darin liegt seine besondere Magie. Die anderthalb Stunden vergehen wie im Flug, und nach dem Schluss möchte man vielleicht seine Lieben umarmen.
Oder man bleibt noch einen Moment still sitzen und bewahrt die Wärme, die der Film hinterlässt.
Sally Field gestaltet Tova mit einer zurückgenommenen, aber eindringlichen Präsenz. Ihre Figur schreit ihren Schmerz nicht heraus, sondern lebt mit ihm – und genau das wirkt wahrhaftig.
Lewis Pullman vermittelt überzeugend die Unsicherheit und Hoffnung eines jungen Mannes, der seinen Platz im Leben sucht.
Alfred Molina und Colm Meaney bereichern die Geschichte in Nebenrollen um zusätzliche Tiefe und Farbe.
Und natürlich ist auch Marcell dabei: ein stiller, aber ausdrucksstarker Held, dessen Darstellung besonderen Applaus verdient.
Die Bewertungen unterstreichen die positive Resonanz: 7.8 auf IMDb und 8.0 von Gaya.one. Sie würdigen nicht allein die filmische Qualität, sondern auch die Emotionen, die das Werk weckt.
Man könnte sich vorstellen, dass Disney diesen Film in seiner weisesten und herzlichsten Ära gedreht hätte.
Besonders geeignet ist er für alle, die genug vom Lärm haben und sich ein ruhiges, gehaltvolles Kinoerlebnis wünschen.
Auch wer Geschichten über menschliche Beziehungen liebt, in denen Gefühle wichtiger sind als äußere Ereignisse, dürfte auf seine Kosten kommen.
Wer daran glaubt, dass Freundlichkeit Stärke und keine Schwäche ist, findet hier ebenso einen passenden Film wie Menschen, die einfach jeden einzelnen Moment genießen möchten.
„Außergewöhnlich kluge Geschöpfe“ ist ein Kinoabend zum Wohlfühlen. Er verändert nicht die Welt, aber vielleicht seine Zuschauer: Sie gehen ein wenig sanfter, aufmerksamer und glücklicher hinaus.
Nach dem Abspann bleibt das Gefühl, einen Abend mit guten Freunden verbracht zu haben – bei einer Tasse Tee, warmem Licht und Gesprächen über das Wesentliche.
Sehen Sie sich den Film an, genießen Sie ihn und lassen Sie Ihr Herz ein Stück weit aufgehen.
Im Kern geht es darum, die Menschen und Wesen wahrzunehmen, die längst in unserer Nähe sind. Die Begegnung von Tova, dem jungen, orientierungslosen Cameron und dem lebenserfahrenen Marcell setzt Ereignisse in Gang, die schließlich allen dreien Heilung ermöglichen.
Der Film legt nahe, dass es für den nächsten Schritt manchmal genügt, sich der Welt wieder zu öffnen.
Damit ist „Außergewöhnlich kluge Geschöpfe“ ein seltenes Beispiel für therapeutisches Kino: ein Film mit lang anhaltendem, angenehmem Nachklang, der den Glauben an aufrichtige zwischenmenschliche Beziehungen stärkt.


