Studie: Gegenseitiges Putzen bei Katzen – immer eine Beziehung, aber nicht immer Liebe

Bearbeitet von: Katerina S.

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Foto: Lazy_Lightning, Attribution 2.0 Generic-Lizenz

Eine im Juli 2026 in der Fachzeitschrift Applied Animal Behaviour Science veröffentlichte Studie von Forschern der Universität Gent und der University of Lincoln räumt mit einem der verbreitetsten Mythen über Katzen auf. Wie sich herausstellte, dient das soziale Putzen – also wenn sich Katzen gegenseitig ablecken – keineswegs nur der Festigung sozialer Bindungen. Zuweilen ist es vielmehr ein Anzeichen für Stress, schwelende Konflikte oder den Versuch, Dominanz auszuüben.

Die Wissenschaftler werteten Videoaufnahmen aus 53 Haushalten mit insgesamt 106 Katzen aus und identifizierten dabei zwei völlig gegensätzliche Verhaltensmuster. Einerseits gibt es das freundschaftliche Putzen, bei dem sich die Tiere entspannt gegenseitig Nacken und Rücken lecken, ihre Körperhaltungen synchronisieren und aktiv körperliche Nähe suchen. Dies trägt tatsächlich zur Stärkung des sozialen Zusammenhalts bei. Doch es existiert noch eine zweite Variante: das Putzen in Situationen sozialer Anspannung.

In diesem zweiten Fall, so die Forscherin Morgane Van Belle, bietet sich ein völlig anderes Bild. Eine Katze nähert sich der anderen und beginnt mit dem Ablecken, allerdings nicht aus Zuneigung: Die Bewegungen wirken energischer, die Ohren des "Opfers" werden angelegt und der Kopf weggedreht, um dem Kontakt zu entgehen. Häufig endet eine solche Episode mit einem Fauchen oder sogar einem Biss.

Laut dem Fazit von Noema Gajdoš-Kmeťová, einer der Mitautorinnen der Studie, bevorzugen Katzen diese Form der verschleierten Kommunikation, um offene Kämpfe und schwere Verletzungen zu vermeiden. Das Lecken fungiert in diesem Kontext als subtiles Instrument – eine Art zu sagen "geh weg" oder die Hierarchie ohne direkten Konflikt klarzustellen.

Für Besitzer mehrerer Katzen bedeutet dies, dass sie die Körpersprache ihrer Haustiere genauer deuten müssen. Nicht jedes Ablecken ist ein freundschaftlicher Kuss. Wenn die geputzte Katze die Ohren anlegt, den Kopf abwendet oder verstärkt blinzelt, könnte es sich um eine Auseinandersetzung um einen warmen Platz, die Aufmerksamkeit des Besitzers oder schlicht um die Klärung der Rangordnung handeln. Der Unterschied zwischen affiliativem (freundschaftlichem) und agonistischem (konfliktorientiertem) Grooming lässt sich an der Synchronität der Körperhaltung ablesen: Wenn beide Katzen in ähnlicher Position sitzen oder liegen und die Nähe des anderen suchen, ist dies ein Zeichen echter Zuneigung; thront jedoch eine Katze in asymmetrischer Haltung über der anderen, deutet dies auf Spannungen hin.

Die Untersuchung der Universität Gent und der University of Lincoln belegt, dass die soziale Dynamik unter Katzen weitaus komplexer ist, als gemeinhin angenommen wird. Allogrooming umfasst ein ganzes Spektrum an Kommunikationsstrategien, von denen jede in der Katzengesellschaft ihre eigene Bedeutung besitzt.

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Quellen

  • Your Cat Is Being Nice? Think Again.

  • Decoding domestic cats : a video-based observational study on allogrooming in multicat households

  • Why do cats groom each other? Research found that it is not always friendly

  • Unravelling feline social dynamics - A video-based observational study on allogrooming in domestic cats

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  • Morgane VAN BELLE | PhD Student | Master of Veterinary Science | Ghent University

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