Die Empfehlungen zur Katzenhaltung, die Sarah Ellis von der University of Lincoln zusammen mit Kollegen der American Association of Feline Practitioners und der International Society of Feline Medicine entwickelt und 2013 im Journal of Feline Medicine and Surgery veröffentlicht hat, sind bis heute relevant. Die Entwickler schlugen einen wissenschaftlich fundierten Ansatz zur Anreicherung der Lebensumgebung von Tieren vor, der Stress deutlich reduziert und das emotionale Wohlbefinden verbessert. Die Studie fasste Beweise für den Einfluss von Umgebung, sensorischen Reizen, Spielzeug, sozialen Kontakten und Fütterungsmethoden auf das Verhalten und die Gesundheit von Tieren zusammen, insbesondere für diejenigen, die auf engem Raum leben.
Viele Besitzer halten Katzen für anspruchslose Haustiere. Ohne Berücksichtigung ihrer natürlichen Bedürfnisse – nach Raumkontrolle, Jagd und Rückzug – treten jedoch Verhaltens- und Gesundheitsprobleme auf. Einfache, aber bewusste Veränderungen im Zuhause helfen, viele Schwierigkeiten zu verhindern, von Stress bis hin zu destruktivem Verhalten.
Physische Umgebung: vertikale Strukturen – Regale, Kratzbäume und versteckte Rückzugsorte. Sie ermöglichen es Katzen, den Grad des Kontakts mit Menschen und anderen Tieren zu regulieren, indem sie das Geschehen von einem sicheren Ort aus beobachten. Solche Rückzugsorte reduzieren das Stressniveau, indem sie dem Tier die Möglichkeit geben, sich zu verstecken und gleichzeitig das Territorium zu kontrollieren – ein natürliches Verhalten für eine Art, die es vorzieht, mehrere „Rückzugswege“ zu haben.
Sensorische Anreicherung: Zugang zu Fenstern, Videos von Vögeln und Nagetieren sowie verschiedene Gerüche – Katzenminze, Lavendel und synthetische Pheromone wie Feliway. Diese Reize aktivieren natürliche Reaktionen und helfen Katzen, mit der Enge einer Wohnung umzugehen. Spielzeug, das die Bewegungen von Beute imitiert – Gummibänder an Schnüren oder Angeln –, fördert die Jagdfähigkeiten, erfordert aber eine regelmäßige Rotation, damit das Interesse nicht erlischt und das Tier interessiert bleibt.
Soziale Umgebung: Katzen vertragen sich besser mit Artgenossen, insbesondere wenn sie verwandt sind und in einem frühen Alter sozialisiert wurden. Die Interaktion mit Menschen ist ebenfalls nützlich, besonders für Katzen, die von Kindheit an an Menschen gewöhnt sind, aber die Qualität und Dauer des Kontakts sind wichtig – nicht alle Katzen mögen Berührungen und Streicheleinheiten gleichermaßen.
Fütterungsmethoden: der Übergang von normalen Näpfen zu Futterspielzeugen, dem Verteilen von Futter an verschiedenen Stellen oder häufigeren Mahlzeiten stimuliert das Erkundungsverhalten, reduziert Langeweile und hilft bei der Bekämpfung von Übergewicht.
Die Autoren der Empfehlungen betonen die Notwendigkeit, die individuellen Merkmale jeder Katze zu berücksichtigen. Aktive und leicht frustrierte Tiere benötigen intensive Spiele und visuelle Stimulation, während ängstliche und scheue Tiere zusätzliche Rückzugsorte, erhöhte Plätze und synthetische Pheromone benötigen. Wichtige Beobachtung: Passives Verhalten bedeutet nicht immer Komfort. Manchmal verbergen Schweigsamkeit und geringe Aktivität versteckten Stress, der sich später in Verhaltens- oder Gesundheitsproblemen äußern kann.
Diese Empfehlungen sind besonders relevant für Stadtkatzen mit begrenztem Zugang nach draußen. Besitzer, die solche Strategien anwenden, berichten von ruhigem Verhalten ihrer Haustiere und weniger Gesundheitsproblemen. Die Studie bestätigt, dass die Berücksichtigung der natürlichen Bedürfnisse von Katzen ein gewöhnliches Zuhause in eine Umgebung verwandelt, die ihr emotionales Gleichgewicht und Wohlbefinden langfristig unterstützt.



