Anatomie gegen Instinkt: Warum nicht alle Hunde schwimmen können

Autor: Svitlana Velhush

Anatomie gegen Instinkt: Warum nicht alle Hunde schwimmen können-1

Die Vorstellung, dass jeder Hund von Geburt an ein exzellenter Schwimmer sei, gehört zu den gefährlichsten Irrtümern in der Tierhaltung. Die sommerliche Statistik der Tierkliniken füllt sich regelmäßig mit Opfern dieses weit verbreiteten Mythos. Tatsächlich hängt die Fähigkeit, sich über Wasser zu halten, maßgeblich von der Anatomie, der Fellstruktur und der Genetik der jeweiligen Rasse ab.

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Die Natur hat wahre Meisterschwimmer hervorgebracht. Neufundländer, Labradore, Portugiesische Wasserhunde und Spaniels verfügen über Schwimmhäute zwischen den Zehen sowie eine dichte, wasserabweisende Unterwolle. Ihr Körperbau ist optimal ausbalanciert, während das Lungenvolumen für den nötigen Auftrieb sorgt. Für diese Rassen stellt das Schwimmen ein hervorragendes Herz-Kreislauf-Training dar, das die Gelenke ohne axialen Druck stärkt.

Es existiert jedoch eine erhebliche Risikogruppe. Können Bulldoggen, Möpse oder Pekingesen wirklich schwimmen? Brachyzephale Rassen – also Hunde mit flacher Schnauze – sind physisch kaum in der Lage, während des Schwimmens effektiv zu atmen. Um die Nase über Wasser zu halten, müssen sie den Kopf unnatürlich weit nach oben recken, was dazu führt, dass ihr massiger Körper wie ein schweres Beil sofort absinkt. Kurzbeinige Hunde mit massivem Knochenbau, wie Dackel oder Corgis, ermüden aufgrund ihres hohen Schwerpunkts und der geringen Paddel-Amplitude ebenfalls sehr schnell.

Besonders wichtig ist hierbei: Hunde ohne Unterwolle, wie Yorkshire Terrier oder Malteser, kühlen selbst in warmem Wasser augenblicklich aus. Bei Rassen mit langen, offenen Ohren wie dem Basset Hound besteht zudem ein hohes Risiko für schwere Ohrentzündungen durch stehende Feuchtigkeit in den Gehörgängen.

Besitzer anatomisch ungeeigneter Rassen sollten rechtzeitig von der Idee Abstand nehmen, ihr Tier gegen dessen Willen zum Schwimmer zu machen. Der Einsatz spezieller Hundeschwimmwesten löst dieses Problem und ermöglicht es dem Tier, sich bei Hitze gefahrlos abzukühlen, ohne zu ertrinken. Die physischen Grenzen des eigenen Tieres zu verstehen, ist keine Einschränkung seiner Freiheit, sondern ein Ausdruck grundlegender Verantwortung, die Leben rettet und Notbesuche beim Tierarzt erspart. Können wir die Eigenheiten unserer Tiere akzeptieren, ohne ihnen menschliche Ideale vom perfekten Sommerurlaub aufzuzwingen? Die Antwort auf diese Frage definiert das Niveau unserer Kultur im Umgang mit Heimtieren.

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