Das derzeitige El Niño entfaltet sich mit beispielloser Wucht. Den Prognosen der Wetterdienste zufolge könnte es von November bis Januar das stärkste Ereignis in der Geschichte der Aufzeichnungen werden. Die Wahrscheinlichkeit, dass es sich um ein Super-El-Niño handelt – ein Ereignis mit einem Höhepunkt von mehr als 2 Grad Celsius über der Norm – liegt bei über 90%.
Die Meeresoberflächen in Schlüsselregionen des Pazifiks brechen bereits Rekorde bei den Temperaturanomalien. Sie übertreffen die Werte der Episoden der Jahre 1997, 2015 und 2023. Bei der derzeitigen Geschwindigkeit könnte die Abweichung von der Norm im Pazifik 3,6 Grad Celsius oder sogar mehr erreichen – ein Ausmaß ohne Beispiel.
Die globalen Luft- und Meeresoberflächentemperaturen aktualisieren historische Höchstwerte. Am 22 August 2026 erreichte die durchschnittliche Meeresoberflächentemperatur der Weltmeere außerhalb der Polarzonen mit 21,1 Grad Celsius einen Rekordwert und übertraf damit den bisherigen Rekord vom März 2024 um ein Hundertstel Grad. Bemerkenswert ist, dass dies im August geschah – einem Monat, in dem Klimatologen normalerweise einen Temperaturrückgang erwarten. Die Forscher stellen fest, dass „eine solche Verschiebung auf grundlegende Veränderungen im Verhalten des globalen Ozeans hinweist“.
Das Phänomen gewinnt an Stärke vor dem Hintergrund der langfristigen Erwärmung durch den anthropogenen Einfluss auf das Klima. El Niño verstärkt die thermische Belastung des Klimasystems, das bereits durch Treibhausgasemissionen erwärmt wird. Wissenschaftler verzeichnen einen in der Geschichte seltenen Fall – drei starke El Niños in weniger als 11 Jahren (die Jahre 2015, 2023 und 2026). Dies bestätigt den wachsenden Verdacht, dass der anthropogene Klimawandel sowohl die Häufigkeit als auch die Intensität dieser Ereignisse verstärken könnte.
Die Folgen werden bereits von internationalen Organisationen berechnet. Nach Schätzungen des Welternährungsprogramms der Vereinten Nationen könnte El Niño der Jahre 2026–2027 bis Ende 2027 zusätzlich 49 Millionen Menschen in akute Ernährungsunsicherheit treiben. Dies würde die Zahl der Menschen, die in 45 gefährdeten Ländern mit einer Ernährungskrise konfrontiert sind, von 225 Millionen auf 274 Millionen erhöhen – eine Zunahme um 22%. Besonders stark betroffen wären Mittelamerika und Südafrika, wo die Zahl der Hungernden um 83% bzw. 75% steigen könnte.
Der Höhepunkt des Ereignisses wird zwischen November und Januar erwartet, wobei der größte Einfluss auf die globalen Temperaturen in der Regel im Jahr 2027 liegt. Eine der größten Unsicherheiten ist die endgültige Intensität des Ereignisses, aber die aktuellen Modelle stimmen mit einer für solche Prognosen seltenen Sicherheit darin überein, dass es sich um eines der stärksten jemals aufgezeichneten El Niños handeln wird.
