In den dichten Wäldern der Westghats, wo jedes Blatt die Geheimnisse der Evolution birgt, haben Wissenschaftler erneut daran erinnert: Selbst die unscheinbarsten Lebewesen können unsere Vorstellungen vom Reichtum der Natur neu schreiben.
Forscher des Regionalzentrums der Zoological Survey of India in Kozhikode für die Westghats und des Malabar Christian College haben drei neue Hundertfüßerarten der Gattung Rhysida beschrieben. Die Arten Rhysida quadrispinosa, Rhysida coorgensis und Rhysida neyyarensis wurden in den Wäldern von Kerala und Karnataka gefunden. Ihre Veröffentlichung im International Journal of Tropical Insect Science 12 Oktober 2026 erhöhte die Zahl der in Indien bekannten Arten dieser Gattung auf 23.
Jede neue Art zeichnet sich durch besondere Merkmale aus. Rhysida quadrispinosa erhielt ihren Namen wegen vier Dornen an den Hinterbeinen, Rhysida coorgensis nach der Region Kodagu in Karnataka und Rhysida neyyarensis nach dem Naturschutzgebiet Neyyar in Kerala. Die Wissenschaftler stützten sich auf eine detaillierte morphologische Analyse: die Form der Dornen, die Anzahl der Fühlerglieder und die Besonderheiten des Beinbaus.
Die Westghats sind eines der weltweiten Zentren der Biodiversität und ein UNESCO-Welterbe. Hier, in der Schicht aus Laubstreu und Boden, erfüllen Hundertfüßer die Rolle natürlicher Regulatoren: Sie jagen kleine Wirbellose und fördern den Nährstoffkreislauf. Ihre Anwesenheit zeugt von der Gesundheit des Waldökosystems.
Die Entdeckung gelang nicht auf Expeditionen, sondern bei der Untersuchung von Museumssammlungen. Das zeigt, wie viel noch selbst in bereits gesammelten Exemplaren verborgen ist und wie wichtig es ist, nicht nur die Wälder selbst, sondern auch wissenschaftliche Archive zu bewahren.
Jede solche Entdeckung stärkt die Erkenntnis: Der Schutz der Westghats ist keine abstrakte Aufgabe, sondern eine konkrete Möglichkeit, die lebendigen Verbindungen zu erhalten, von denen die Stabilität des gesamten Ökosystems der Region abhängt.
