Berührungen als uralter Schlüssel zur Harmonie bei Menschenaffen

Autor: Svitlana Velhush

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In der Welt der großen Menschenaffen, wo jederzeit ein Kampf um Nahrung ausbrechen kann, ist eine einfache Berührung manchmal stärker als Worte. Eine neue Studie hat gezeigt, dass Gesten wie Umarmungen oder leichte Berührungen Bonobos und Schimpansen dabei helfen, Spannungen vor der gemeinsamen Fütterung abzubauen und den Frieden in der Gruppe zu wahren.

Eine neue Studie deutet darauf hin, dass beruhigendes soziales Berühren bei Affen uralte Ursprünge hat.

Wissenschaftler der Universität Durham analysierten das Verhalten von fünf halbwilden Bonobo- und Schimpansengruppen in afrikanischen Reservaten. Bevor sie Nahrung in einen begrenzten Bereich gaben, der die natürliche Konkurrenz an Obstbäumen simulierte, erfassten die Forscher alle Fälle beruhigender Kontakte. Anschließend beobachteten sie, wie viel Zeit die Individuen mit dem gemeinsamen Fressen verbrachten und wie oft Konflikte auftraten.

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Die Ergebnisse waren überzeugend: Individuen, die vor der Fütterung häufiger Berührungen austauschten, aßen anschließend länger nebeneinander. Bei Bonobos war der Effekt besonders bei Weibchen ausgeprägt, bei Schimpansen hingegen bei Männchen, was die Besonderheiten ihrer sozialen Strukturen widerspiegelt. Die stärksten Ergebnisse wurden dabei in toleranteren Gruppen beobachtet, in denen bereits feste Allianzen bestanden.

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Besonders interessant erscheinen „riskante“ Kontaktformen bei Schimpansen – zum Beispiel, wenn ein Männchen einem anderen die Finger in den Mund legt. Solche Gesten traten häufiger in ruhigeren Gruppen auf und dienen offenbar als Vertrauenssignal: „Ich bin verletzlich, aber ich vertraue darauf, dass du mir nicht schaden wirst.“ Ähnliche Verhaltensweisen finden sich bei beiden Arten, was auf gemeinsame Wurzeln hindeutet, die mindestens sechs Millionen Jahre zurückreichen – bis zum gemeinsamen Vorfahren mit dem Menschen.

Diese Entdeckung wirft ein Licht darauf, wie in der Natur die Mechanismen zur Aufrechterhaltung sozialer Bindungen evolutionär entstanden sind. Wo Aggression eine Gruppe zerstören könnte, wirkt die Berührung als flexibles Instrument, das Stress reduziert und Allianzen stärkt. Analogien zum menschlichen Verhalten drängen sich auf: Wir umarmen uns in Momenten der Anspannung immer noch, und vielleicht ist dies nicht nur eine kulturelle Gewohnheit, sondern ein uraltes Erbe.

Die Studie wurde in den Schutzgebieten Lola ya Bonobo in der Demokratischen Republik Kongo und Chimfunshi in Sambia unter Beteiligung eines internationalen Wissenschaftlerteams durchgeführt. Die Autoren planen, ihre Arbeit fortzusetzen und zu untersuchen, wie genau Berührungen den Spiegel von Stresshormonen beeinflussen und ob sie dazu beitragen, Konflikte in anderen Situationen zu verhindern.

Das Verständnis dieser alten Mechanismen hilft, die Komplexität sozialer Bindungen in der Natur besser wertzuschätzen, und erinnert daran, dass der Schutz der Lebensräume großer Menschenaffen auch den Schutz lebendiger Beispiele dafür bedeutet, wie die Evolution uns lehrte, miteinander auszukommen.

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