Ingenieure der Natur: Wie Biber das Flutproblem in West-London kostenlos gelöst haben

Autor: Tatyana Hurynovich

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Bis vor kurzem mussten Londoner, die im Umfeld der U-Bahn-Station Greenford in West-London leben und arbeiten, förmlich durch Hochwasser zu ihrem Arbeitsplatz waten. Nach heftigen Regenfällen stand die Schalterhalle der Station regelmäßig unter Wasser, während die Anwohner auf den ständigen Einsatz von Sandsäcken angewiesen waren. Der lokalen Verwaltung drohten enorme Kosten für die Bewältigung dieses Problems, bis Hilfe von jenen kam, die solche Aufgaben besser beherrschen als jeder Ingenieur – den Bibern.

Die Rückkehr der „Ingenieure der Natur“

Vier Jahrhunderte nachdem Biber auf dem Gebiet Englands vollständig ausgerottet worden waren, kam es im Jahr 2023 zu ihrer triumphalen Wiederansiedlung. Der Schauplatz dafür war Paradise Fields – ein 10 Hektar großes Areal im Londoner Stadtteil Ealing, auf dem sich früher ein Golfplatz befand. So nahm das „Ealing Beaver Project“ seinen Anfang.

Um zu verdeutlichen, wie diese „Architekten der Natur“ die Klimaresilienz Londons stärken können, erhielten Naturschützer die Genehmigung, fünf Tiere an einem Bach auszusetzen, der durch dieses Gebiet fließt. Das Projekt ist das Ergebnis einer Zusammenarbeit zwischen der Ealing Wildlife Group, der Naturschutzorganisation Citizen Zoo, dem Wohltätigkeitsfonds Friends of Horsenden und dem Ealing Council, unterstützt durch den Beaver Trust und das Büro des Londoner Bürgermeisters.

Fehlerkorrektur und neue Landschaften

Die Tiere machten sich sofort an die Arbeit und gestalteten die Landschaft rund um Greenford grundlegend um. Sie errichteten eine Reihe von Dämmen, wodurch praktisch über Nacht ein neuer See entstand. Bemerkenswerterweise rissen die Biber sogar einen alten, zuvor von Freiwilligen errichteten Damm ab und bauten an seiner Stelle ihre eigene, wesentlich effizientere Konstruktion. Es ist zudem hervorzuheben, dass die Tiere auch Zeit für die Fortpflanzung fanden – bereits innerhalb eines Jahres nach ihrem Umzug stellte sich Nachwuchs ein.

Die Bauten der Biber halfen nicht nur dabei, die Überschwemmungen durch das Zurückhalten von Wasser und das Verlangsamen des Abflusses zu bewältigen, sondern sie steigerten auch die lokale Artenvielfalt massiv. Ganz nebenbei sparten sie dem Stadtrat erhebliche Summen ein, die sonst für teure bautechnische Schutzmaßnahmen hätten aufgewendet werden müssen.

Ökologischer Aufschwung

„In den vergangenen elf Monaten konnten wir vier neue Arten verzeichnen. Eine davon ist der Stichling, der nun in unmittelbarer Nachbarschaft zu Libellen und Prachtlibellen heimisch ist. Wir haben zudem den Birkenzeisig gesichtet – einen Vogel, der hier normalerweise nur während des Zugs Rast macht“, berichtet Mustafa, ein Teilnehmer des Projekts.

„Die Vielfalt der Arten ist schlichtweg beeindruckend. In diesem Monat haben wir mindestens 14 verschiedene Schmetterlingsarten gezählt. Auch Kaulquappen, Süßwasser-Garnelen und Kröten haben sich hier angesiedelt. Nichts davon wäre ohne die Biber geschehen“, fügt er hinzu.

Eine Lektion für die Städte der Zukunft

Die Geschichte von Paradise Fields dient als leuchtendes Beispiel dafür, dass Renaturierung und naturbasierte Lösungen nicht nur ökologisch, sondern auch wirtschaftlich effizient sein können. Biber, die einst ausgerottet wurden, schützen nun die westlichen Stadtteile Londons kostenlos und effektiv vor den Naturgewalten und schaffen gleichzeitig blühende Oasen der Wildnis mitten in der Metropole.

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Quellen

  • ‘Step aside, humans’: how beavers solved a flooding problem in west London

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