Vor dem Hintergrund wachsender geopolitischer Risiken zeigen die Zentralbanken der Schwellenländer Mitte August 2026 einen widersprüchlichen Ansatz in der Geldpolitik: Einige beenden ihre Lockerungszyklen, andere signalisieren eine Pause. Diese Entscheidungen spiegeln ein komplexes Gleichgewicht zwischen internen Inflationszielen und externen Schocks wider, allen voran dem Konflikt im Nahen Osten.
Brasilien: Vorsichtige Lockerung. Die Zentralbank von Brasilien senkte am 5 August den Leitzins Selic um 25 Basispunkte auf 14%. Dies ist die vierte Senkung in Folge, doch der Verwaltungsrat zieht die Zügel sichtlich weiter an. Die Erklärung fiel deutlich zurückhaltender aus als in den Vormonaten: Die Regulierungsbehörde bewertete die Inflationsrisiken als aufwärtsgerichtet und betonte, dass sie Abweichungen der Inflationserwartungen von den Zielwerten „genau beobachten“ werde. Ökonomen werten diese Rhetorik als Signal für ein mögliches Ende des Lockerungszyklus, trotz der günstigen Daten zu den Verbraucherpreisen im Juli.
Mexiko: Abwarten vor dem Hintergrund der Besserung. Die Banco de México beließ den Zinssatz auf ihrer Sitzung am 6 August wie von den Märkten erwartet bei 6,50%. Die Bank revidierte jedoch ihre Inflationsprognose und erwartet nun das Erreichen des Zielwerts von 3% erst im vierten Quartal 2027 – ein halbes Jahr später als zuvor angenommen. Trotz des wieder aufgenommenen Desinflationsprozesses wies der Rat auf die anhaltenden Aufwärtsrisiken für die Preise hin, die auf die Unsicherheit an den globalen Energiemärkten und die Unklarheit über die künftige Politik der Federal Reserve zurückzuführen sind.
Indonesien: Pause nach dem Anstieg. Die Bank Indonesia beendete am 18-19 August für einige Marktteilnehmer überraschend den Erhöhungszyklus und beließ den Zinssatz bei 5,75%. Eine solche Pause wurde durch die Verbesserung der Situation der Rupiah ermöglicht: Der Druck auf die Währung hat nachgelassen, was der Zentralbank Spielraum verschafft hat. Gleichzeitig bleibt die Inflation unter Kontrolle – im Juli lag sie bei 2,88% im Jahresvergleich, innerhalb des Zielbereichs von 2,5±1%. Dennoch bleiben geopolitische Risiken und die Volatilität der Energiepreise im Fokus der Regulierungsbehörde.
Unterschiedliche Signale in der übrigen Region. Die Zentralbank von Kolumbien hielt den Zinssatz stabil und verwies auf die Risiken durch die Eskalation des Konflikts im Nahen Osten und das El-Niño-Phänomen, die den Inflationsdruck verstärken könnten. Chile beließ den Zinssatz zum fünften Mal in Folge unverändert und zeigte angesichts der wachsenden geopolitischen Spannungen ebenfalls deutliche Zurückhaltung. Auch Jamaika und Uruguay behielten ihre Zinssätze bei und verwiesen auf eine Kombination externer Risiken – den Konflikt im Nahen Osten und extreme Wetterereignisse – als Faktoren, die das Potenzial für Inflationsdruck erhöhen.
Das Gesamtbild verdeutlicht die Strategie der Zentralbanken in den Schwellenländern: Die Mehrheit bevorzugt eine abwartende Haltung und schiebt grundlegende Entscheidungen auf, bis die Konturen des globalen Wirtschaftszyklus klarer werden. Die Lockerung in Brasilien ist vorsichtiger als im Sommer angenommen, und die Pausen in anderen Ländern spiegeln reale Sorgen hinsichtlich der Exportpreise, der Währungsstabilität und der Volatilität der globalen Finanzbedingungen wider. Der Konflikt im Nahen Osten und seine Auswirkungen auf die Energiemärkte sind zu einem klaren Faktor der Geldpolitik in der Region geworden.

