In Sachsen-Anhalt haben Archäologen ein weiteres Kapitel aus dem Leben Ottos des Großen aufgedeckt: Neben den Fundamenten seiner Königspfalz in Helfta bei Lutherstadt Eisleben wurde ein steinernes Gebäude aus dem 10. Jahrhundert entdeckt, von dessen Existenz man bislang nichts wusste.
Die Ausgrabungen leitet das Landesamt für Denkmalpflege und Archäologie Sachsen-Anhalt unter der Führung von Professor Felix Biermann. Das neue, etwa neun mal fünf Meter große Gebäude schließt an den Hauptpalast an und verfügt über einen Keller mit einer gut erkennbaren Treppe. Den Funden zufolge stammt es aus dem 10. Jahrhundert – aus der Regierungszeit Ottos I. (912–973) und seines Sohnes Otto II.
Welche Funktion das Gebäude hatte, ist noch nicht geklärt. Nach Ansicht der Forschenden könnte es den Vertrauten des Königs als Unterkunft oder als Residenz des Burggrafen gedient haben, der die Pfalz in Abwesenheit des Monarchen verwaltete. Dieser Fund ergänzt das Bild eines monumentalen steinernen Komplexes, den Otto der Große zu einem wichtigen Zentrum der königlichen Macht machte.
Bereits zuvor, in den Jahren 2020–2023, hatte man hier Überreste der von Otto vor 969 gegründeten Kirche der heiligen Radegundis, den dazugehörigen Friedhof und die Fundamente des Palastes selbst entdeckt. Das neue Gebäude zählt zu den frühesten bekannten weltlichen Steinbauten der Region und bestätigt, dass Helfta nicht nur ein vorübergehender Aufenthaltsort, sondern eine vollwertige Königspfalz mit ausgebauter Infrastruktur war.
Die laufenden Arbeiten, an denen rund zwanzig Freiwillige mitwirken, dauern bis zum 24. Oktober 2026. Sie sind Teil eines Projekts zum Aufbau touristischer Infrastruktur, das vom Land Sachsen-Anhalt gefördert wird. Jeder neu entdeckte Stein hilft zu verstehen, wie die Herrschaft im frühmittelalterlichen Europa organisiert war und wie das Alltagsleben im Palast die politischen Ambitionen des Kaisers widerspiegelte.
Die Entdeckung zeigt, dass selbst gut erforschte historische Persönlichkeiten immer wieder Überraschungen bereithalten, wenn Archäologen mit modernen Methoden an alte Fundstätten zurückkehren.
