Dreißig erfahrene Meditationspraktiker, jeder mit mindestens zwei Jahren regelmäßiger Praxis, absolvierten an einem Tag zwei Tests: eine dreißigminütige Sitzung mit Atemmeditation allein und eine ebensolche Sitzung in der Gruppe mit allen Teilnehmern. In jedem Moment, in dem die Aufmerksamkeit von den Empfindungen des Atems abwich, drückte der Teilnehmer einen Knopf an einem Gerät – das Gerät registrierte dieses Ereignis mit Millisekundengenauigkeit und erstellte so ein detailliertes Porträt des Gedankenwanderns auf einer Zeitskala.
Die Statistik war überraschend: Unter beiden Bedingungen registrierten die Teilnehmer ungefähr die gleiche Anzahl von Ablenkungen. Ihre zeitliche Verteilung unterschied sich jedoch grundlegend. In der Sitzung allein häuften sich die Ablenkungswellen allmählich, ohne deutliche Sprünge – wie ein Rauschen, das über eine halbe Stunde gleichmäßig ist.
In der Gruppensitzung war das Bild anders: Die Ablenkungen wurden allmählich häufiger und erreichten am Ende der Sitzung ihren Höhepunkt. Doch wo man Müdigkeit und Gereiztheit erwartet hätte, entdeckten die Forscher ein Paradox: Nach der Gruppenmeditation berichteten die Teilnehmer über eine signifikante Verringerung von Angst und eine weniger ausgeprägte geistige Trägheit, bewertet mit der POMS-Skala – ein Indikator für Wohlbefinden, trotz des wachsenden "Rauschens" im Kopf.
Die Studie wurde am 28. August 2026 im Journal Frontiers in Psychology veröffentlicht. Die Autoren – Alessio Matiz, Sara Sorella, Giuseppe Pagnoni, Franco Fabbro und Cristiano Crescentini – entwickelten das Projekt im Rahmen des MOM-Programms (Mindfulness-Oriented Meditation), das sich auf die Messung und das Verständnis gerichteter Aufmerksamkeit konzentriert. Alle Teilnehmer waren Experten und keine Anfänger in der Meditationspraxis, und die Studie verwendete ein strenges Design: innerhalb des Subjekts (jeder Teilnehmer durchlief beide Bedingungen), gekreuzt (die Reihenfolge der Sitzungen variierte), mit Kontrolle akustischer Störungen und ohne jegliche Anweisungen während der Praxis selbst. Dabei betonen die Autoren ehrlich die Einschränkungen: Die Stichprobe von dreißig Personen ist ziemlich klein, jedes Szenario wurde nur einmal getestet, und es wurden nur Verhaltensmessungen ohne Aufzeichnung der Gehirnaktivität verwendet.
Diese Ergebnisse stellen die klassische Vorstellung von Meditation als einem rein individuellen Prozess in Frage, bei dem die Gesellschaft angeblich nur ablenkt und daran hindert, einen tiefen Zustand zu erreichen.
Gemäß der Theorie des globalen Arbeitsraums kann die Anwesenheit anderer Menschen das allgemeine Erregungs- und Wachheitsniveau erhöhen und unwillkürliche Gedanken deutlicher machen – nicht weil sie häufiger auftreten, sondern weil der Geist im sozialen Kontext empfindlicher für ihr Auftreten ist. Das ähnelt dem Einschalten des Lichts in einem dunklen Raum: Die Gegenstände waren schon immer da, aber jetzt sieht man sie.
Eine alternative Sichtweise, die sich auf die Theorie der prädiktiven Verarbeitung von Informationen stützt, bietet einen subtileren Mechanismus: Die Anwesenheit anderer Menschen verändert die Genauigkeit innerer Vorhersagen über Signale des eigenen Körpers (Interozeption). Allein kann sich der Geist hauptsächlich auf ein internes Modell körperlicher Empfindungen verlassen; in der Gruppe verschiebt sich dieses Modell in Richtung Berücksichtigung externer Signale – Atemgeräusche der Mitmenschen, Bewegungen, gemeinsamer Rhythmus. Das Gleichgewicht zwischen interner und externer Information geht in einen anderen Zustand über, und das kann sowohl ablenken als auch paradoxerweise die Erfahrung ordnen.
Eine bildliche Analogie hilft, das Wesentliche zu erfassen: Stellen Sie sich ein Orchester vor, in dem jeder Musiker nicht nur seine eigene Stimme hört, sondern auch den Gesamtklang. Selbst bei gleicher Anzahl von Fehlern ändert sich ihre zeitliche Verteilung, weil der kollektive Rhythmus eine andere Skala von Aufmerksamkeit und Wahrnehmung vorgibt. So auch hier: Die Gruppe verringert nicht die Wellen unwillkürlicher Gedanken, sondern strukturiert ihre zeitliche Dynamik um und schafft gleichzeitig einen günstigen Hintergrund für emotionale Erholung.
Die Einschränkungen der Studie sind für eine ehrliche Interpretation wichtig. Es wurden keine neuronalen Korrelate gemessen – Gehirnaktivität; es wurden keine Anfänger mit erfahrenen Praktizierenden unter denselben Bedingungen verglichen; es wurden keine langfristigen Effekte regelmäßiger Praxis in verschiedenen Formaten oder der Einfluss der Gruppengröße verfolgt. Die Studie erfasste einen mikroskopischen Ausschnitt: wie der soziale Kontext die Dynamik spontaner Gedanken während einer fokussierten Atemübung umgestaltet.
Wenn sich diese Unterschiede bei Wiederholungen mit größeren Stichproben als stabil erweisen, müssen klinische und pädagogische Meditationsprogramme überdacht werden. Sie sollten nicht nur die Atemtechnik und die Ausrichtung der Aufmerksamkeit berücksichtigen, sondern auch die Durchführungsform – allein oder in der Gruppe – insbesondere für Menschen, die mit der Motivation zur eigenständigen Praxis kämpfen.


