Laut einem am 14. Juli 2026 von Euronews veröffentlichten Bericht stehen Bürger aus Nicht-EU-Staaten vor erheblichen Herausforderungen bei der Suche nach einer stabilen und langfristigen Beschäftigung in der EU. Daten von Eurostat aus dem letzten Jahrzehnt belegen, dass der Anteil der Beschäftigten mit befristeten Arbeitsverträgen oder in Teilzeit unter den 20- bis 64-jährigen Drittstaatsangehörigen im Vergleich zu Einheimischen und Bürgern anderer EU-Länder weiterhin am höchsten ist.
Strukturelle Barrieren als Hauptursache
Experten führen diesen Trend auf ein komplexes Geflecht von Hindernissen zurück, denen Migranten auf dem Arbeitsmarkt begegnen. Joanna Hofman, Direktorin für Forschung und Bewertung in den Bereichen Beschäftigung, Sozialschutz und Kompetenzen beim Forschungsinstitut Ipsos, weist darauf hin, dass Drittstaatsangehörige häufig mit folgenden Faktoren konfrontiert sind:
- Sprachbarrieren;
- Verfahren zur Nichtanerkennung ausländischer Qualifikationen und Diplome;
- einem Mangel an beruflichen Netzwerken und hilfreichen Kontakten;
- direkter oder indirekter Diskriminierung bei der Einstellung;
- Einschränkungen aufgrund ihres Migrations- oder Visastatus.
Infolgedessen sehen sich Neueinsteiger auf dem Arbeitsmarkt häufig gezwungen, unsichere Beschäftigungsverhältnisse zu akzeptieren. Zwar entscheiden sich einige Migranten bewusst für saisonale oder kurzfristige Tätigkeiten – etwa aus persönlichen Gründen oder wegen einer geplanten Rückkehr in das Heimatland –, doch betonen Experten, dass vor allem strukturelle Hürden diesen statistischen Graben erklären.
Geschlechterkluft und sektorspezifische Besonderheiten
Der Bericht hebt ein deutliches geschlechtsspezifisches Ungleichgewicht hervor: Unabhängig von der Staatsangehörigkeit arbeiten Frauen häufiger in Teilzeit oder mit befristeten Verträgen als Männer. Besonders ausgeprägt ist dieser Unterschied in Italien, Spanien und Portugal.
Die Ursachen für dieses Phänomen sind sowohl sozialer als auch ökonomischer Natur. Frauen vereinbaren nach wie vor häufiger Erwerbsarbeit mit unbezahlter Sorgearbeit für Kinder oder Angehörige, was sie zur Wahl flexiblerer Arbeitsmodelle zwingt. Zudem sind sie überproportional in Branchen wie dem Gesundheitswesen, der Pflege, dem Bildungswesen und der Gastronomie vertreten, in denen befristete Anstellungen eine gängige Praxis darstellen.
Regionale Unterschiede in den EU-Staaten
Die Eurostat-Daten verdeutlichen erhebliche Disparitäten zwischen den einzelnen Mitgliedstaaten:
- Befristete Beschäftigung: Zwischen 2015 und 2025 wurden die höchsten Quoten an Drittstaatsangehörigen mit Zeitverträgen in Zypern, den Niederlanden und Polen verzeichnet (über 40 %).
- Teilzeitbeschäftigung: Im Jahr 2025 arbeiteten rund 22 % der Drittstaatsangehörigen in Teilzeit (gegenüber 17 % der Einheimischen und 20 % der EU-Bürger, die in einem anderen Mitgliedstaat tätig sind). Die größte Kluft bei diesen Werten zwischen den verschiedenen Gruppen wurde in den Niederlanden beobachtet, gefolgt von Finnland und Frankreich.
Selbstständigkeit: Zugang zu Ressourcen und administrative Hürden
Auch die Quote der Selbstständigkeit weist eine klare Hierarchie auf. Im Jahr 2025 war dieser Anteil bei den einheimischen EU-Bürgern am höchsten (13,5 %), gefolgt von EU-Bürgern in anderen Mitgliedstaaten (10,9 %) und Drittstaatsangehörigen (10,1 %).
Experten führen dies darauf zurück, dass Einheimische über bessere Kenntnisse der Rechts-, Steuer- und Regulierungssysteme verfügen und einen leichteren Zugang zu Finanzmitteln sowie beruflichen Kontakten haben. Drittstaatsangehörige sind zudem häufig mit zusätzlichen rechtlichen oder visumspezifischen Hürden konfrontiert, die den Weg in die Selbstständigkeit erschweren. Spitzenwerte bei der Selbstständigkeit von Einheimischen wurden in Griechenland und Italien gemessen, während Kroatien und Portugal bei EU-Ausländern führend waren. Dabei liegt der Anteil selbstständiger Männer in allen untersuchten Gruppen beständig über dem der Frauen.
Positive Dynamik der Integration
Trotz der bestehenden Unterschiede verzeichnet der Bericht eine ermutigende Tendenz: Der Anteil der Drittstaatsangehörigen in befristeter oder Teilzeitbeschäftigung ist in den letzten Jahren stetig gesunken und erreichte 2025 den niedrigsten Stand innerhalb eines Jahrzehnts. Dies könnte auf eine allmähliche, wenn auch langsame Verbesserung der Integrationsprozesse sowie eine erfolgreiche Anpassung der Migrations- und Arbeitsmarktpolitik in der EU hindeuten.
Fazit
Die Integration von Migranten in den EU-Arbeitsmarkt bleibt ein komplexer und vielschichtiger Prozess. Um die Kluft in der Beschäftigungsqualität zwischen Einheimischen und Drittstaatsangehörigen zu schließen, bedarf es nicht nur Zeit, sondern auch einer gezielten Politik auf staatlicher Ebene: Dazu zählen die Vereinfachung der Anerkennung von Qualifikationen, die Bekämpfung von Diskriminierung bei der Einstellung sowie die Gewährleistung eines gleichberechtigten Zugangs zu Finanz- und Informationsressourcen für Firmengründungen.




