Einundzwanzig Jahre umkreist Swift die Erde, fängt Gammablitze und Röntgensignale ferner Supernovae ein, und jetzt, da sich die Umlaufbahn bereits absenkt, sind zwei der drei Teleskope wieder eingeschaltet und sammeln Daten. Dies ist keine triumphale Rückkehr, sondern eher ein hartnäckiger Versuch, die letzten Wochen aus einem Gerät herauszuholen, das nicht für ein ewiges Leben ausgelegt war und keine eigenen Triebwerke zur Höhenkorrektur besitzt.
Im Februar und April wurden die Instrumente abgeschaltet, um den Luftwiderstand zu verringern und die Zeit bis zur kritischen Höhe von 300 Kilometern zu verlängern. Das kommerzielle Raumfahrzeug LINK von Katalyst Space sollte das Observatorium einfangen und anheben, aber Probleme mit der Ausrichtung des Satelliten zwangen die NASA und den Partner, von dem Abschleppmanöver abzusehen. Stattdessen wird LINK nun nur ein Rendezvous und eine Demonstration der Technologien durchführen – ein nützliches, aber bei weitem nicht vollständiges Ergebnis für die Satellitenwartungsindustrie.
Die Wiederaufnahme des ultravioletten und optischen sowie des Röntgenteleskops am 26. August zeigte, dass man auch bei unvermeidlichem Abstieg aus der Umlaufbahn weiter Wissenschaft betreiben kann. Das dritte Instrument – das Burst Alert Telescope – soll in den kommenden Wochen wieder in Betrieb genommen werden. Jedes neue Bild, wie die Aufnahme des Supernova-Überrests Tycho, wird nicht nur zu Daten, sondern zu einer Erinnerung daran, wie wertvoll selbst kurze zusätzliche Beobachtungen für die Koordination mit bodengestützten und anderen Weltraumobservatorien sind.
Die Geschichte von Swift veranschaulicht das typische Dilemma der modernen Raumfahrt: Alte Raumfahrzeuge ohne Antrieb sind auf den Luftwiderstand angewiesen, und Versuche einer kommerziellen Rettung bergen Risiken, die in der einjährigen Entwicklungszeit nur schwer vollständig abzuschätzen sind. Die Sonnenaktivität hat den Abstieg beschleunigt, und ohne Eingreifen wäre die Mission früher beendet gewesen. Der Vertrag mit Katalyst über 30 Millionen Dollar ermöglichte es, das Konzept schnell zu testen, auch wenn die Hauptidee nicht aufging.
Für zukünftige Wartungsmissionen im Orbit bietet diese Erfahrung praktische Lektionen: wie man Servicefahrzeuge schnell entwickelt und startet, welche Sensoren und Rendezvous-Algorithmen unter realen Bedingungen funktionieren und wie wichtig es ist, die Flexibilität der Pläne zu bewahren. Die NASA hat bereits erklärt, dass sie das Beste aus dem Rendezvous-Versuch herausholen wird, um das Wissen in den nächsten Projekten anzuwenden.
Swift wird voraussichtlich Ende des Jahres 2026 aus der Umlaufbahn stürzen, und der größte Teil des Raumfahrzeugs wird in der Atmosphäre verglühen. Bis dahin wird das Team die Beobachtungen fortsetzen, solange es Höhe und Energie zulassen. Solche Episoden zeigen, dass selbst ein Teilerfolg einer kommerziellen Partnerschaft den wissenschaftlichen Ertrag verlängern und die Entwicklung von Technologien beschleunigen kann, die es eines Tages ermöglichen werden, Satelliten ohne Risiko für die gesamte Mission zu reparieren und zu bewegen.

