In den Helan-Bergen, wo sich Steppen und Wüsten der Inneren Mongolei treffen, haben Wissenschaftler die zweite umfassende wissenschaftliche Expedition abgeschlossen und der Welt sechs bisher unbekannte Arten lebender Organismen vorgestellt. Die Anfang September 2026 veröffentlichten Ergebnisse waren das Resultat dreijähriger Arbeit, die im Jahr 2023 begann und mit Feldforschungen im Jahr 2025 endete.
Unter den Neuheiten befinden sich zwei Arten von Gefäßpflanzen: der kurzstielige Lauch (Allium brevipedicellatum) mit ungewöhnlich kurzen Blütenstielen und der Helan-Astragal (Astragalus helanshanensis), ein kompakter Vertreter der Hülsenfrüchtler, der an raue Bedingungen angepasst ist. Drei Flechtenarten – die rosa-orange Fruchtflechte (Gyalolechia farinosa), die blasige orangefarbene Flechte (Gyalolechia pustulata) und die Shanan-Kleinporige (Porpidinia shananensis) – erweiterten die Liste der Kryptogamen, und eine Insektenart, die breite Karschie (Karschia latuis), fügte der Fauna der Gliederfüßer Vielfalt hinzu.
Die Expedition, die von der Verwaltung des Schutzgebiets gemeinsam mit acht wissenschaftlichen Einrichtungen organisiert wurde, kombinierte traditionelle Methoden der Probenahme mit modernen Technologien: molekularer Sequenzierung und einem Netzwerk von Infrarotkameras. Insgesamt gelang es, 4598 Organismenarten zu erfassen und die Daten zu allen wichtigen Gruppen – von Pilzen und Flechten bis zu Wirbeltieren – zu aktualisieren.
Die Helan-Berge spielen eine Schlüsselrolle als natürliche Barriere, die das Vordringen der Wüsten Tengger und Ulan Buh aufhält, und als Zentrum der Biodiversität, wo sich die Floren mehrerer Regionen kreuzen. Gerade die geografische Isolation und die Vielfalt der Mikroklimate haben zur Bildung endemischer Formen beigetragen, die nun eine wissenschaftliche Beschreibung erhalten haben.
Neben den sechs neuen Arten brachte die Expedition 568 neue Funde für verschiedene Ebenen hervor – 20 für China und 243 für die Innere Mongolei. Diese Daten werden die Grundlage für die Aktualisierung der Managementpläne des Schutzgebiets und die Schaffung eines Nationalparks bilden und helfen, die Wirksamkeit langjähriger Maßnahmen zum Schutz und zur Wiederherstellung von Ökosystemen genauer zu bewerten.
Systematische Untersuchungen trockener Bergregionen ermöglichen es nicht nur, neue Arten zu entdecken, sondern auch Strategien zu deren langfristigem Schutz zu stärken.

