Überbewusstsein ohne Daten: Eine philosophische Konzeption stellt die Informationsgrundlage von Bewusstseinstheorien in Frage

Bearbeitet von: Alex Khohlov

Überbewusstsein ohne Daten: Eine philosophische Konzeption stellt die Informationsgrundlage von Bewusstseinstheorien in Frage-1

Im August 2026 erschien auf dem philosophischen Archiv PhilArchive eine Arbeit, die eine grundlegende Annahme der modernen Neurowissenschaften in Frage stellt: Der Autor führt das Konzept des „Überbewusstseins“ ein – ein Zustand des Bewusstseins, der vollständig unabhängig von Informationsverarbeitung und Rechenprozessen ist. Nach Ansicht des Autors existiert und funktioniert ein solcher Zustand ohne Eingangssignale, interne Repräsentationen oder jegliche Interaktion mit Daten. Wenn dies zutrifft, müssen alle dominanten Bewusstseinstheorien überdacht werden.

Drei Haupttheorien geraten unter Beschuss.

Integrierte Informationstheorie von Giulio Tononi (vorgeschlagen 2004) verbindet Bewusstsein mit der Größe Φ – einem mathematischen Maß für kausale Integration innerhalb eines Systems.

Global Workspace Theory, begründet von Bernard Baars im Jahr 1988 und weiterentwickelt von Stanislas Dehaene, betrachtet Bewusstsein als Ergebnis der Rundfunkübertragung von Informationen in den globalen Arbeitsbereich des Gehirns.

Predictive Processing von Karl Friston (formalisiert in den frühen 2000er Jahren durch das Prinzip der freien Energie) basiert auf der Annahme, dass das Gehirn kontinuierlich Vorhersagefehler minimiert und dabei ständig ein Weltmodell aktualisiert. Alle drei Ansätze gehen von einem gemeinsamen Mechanismus aus: Bewusstsein ist untrennbar mit Informationsaustausch verbunden. Wenn ein Überbewusstsein ohne Daten existiert, dann sind diese Theorien nicht falsch, sondern nur unvollständig.

Die Methodik der Arbeit bleibt rein philosophisch: Der Autor führt keine Experimente durch, sondern analysiert die logischen Grundlagen bestehender Theorien. Die Hauptfrage lautet: Kann eines der bekannten Modelle einen Bewusstseinszustand beschreiben, der vollständig von eingehenden Informationen, von Erinnerungen und von internen Vorstellungen abgeschnitten ist? Die Antwort scheint negativ. Dies wirft jedoch sofort ein zweites Problem auf: Wie könnte ein solcher Zustand überhaupt empirisch entdeckt und bestätigt werden, wenn er per Definition keine Spuren in der physischen Welt hinterlässt?

Stellen Sie sich einen Raum vor, in dem alle Fenster und Türen fest verschlossen sind, keine Bildschirme, keine Sensoren, keine Erinnerungen vorhanden sind. Im herkömmlichen Sinne kann dort keine Erfahrung entstehen – Bewusstsein erfordert einen Input. Doch das Konzept des Überbewusstseins behauptet das Gegenteil: Gerade in einer solchen vollständigen Isolation von Informationen entsteht wahres, unverzerrtes Bewusstsein. Nicht als Nebenprodukt von Berechnungen, sondern als ursprüngliche Bedingung, die logisch jeder Datenverarbeitung und jedem physikalischen Prozess vorausgeht.

Die Arbeit erhebt keinen Anspruch auf empirische Beweise und bleibt bewusst im Rahmen der logischen Analyse. Ihre Bedeutung liegt jedoch darin, dass sie eine blinde Stelle aufzeigt: Fast alle modernen Bewusstseinstheorien gehen stillschweigend davon aus, dass Bewusstsein ohne Informationsaustausch unmöglich ist. Was, wenn diese Annahme falsch ist? Wenn sie falsch ist, könnten Versuche, künstliches Bewusstsein durch Nachahmung von Algorithmen zu schaffen, prinzipiell in die falsche Richtung gehen. Ebenso könnten klinische Kriterien zur Bewertung des Bewusstseins bei nichtsprechenden Patienten oder Patienten in Zuständen minimalen Bewusstseins unhaltbar sein – denn sie stützen sich auf die Erfassung von Reaktionen auf Informationen und nicht auf das Bewusstsein als solches.

Somit fügt das neue Konzept nicht einfach ein Wort zum philosophischen Lexikon hinzu. Es weist auf eine logische Grenze aller informationszentrierten Ansätze hin und zwingt zur erneuten Hinterfragung: Verstehen wir wirklich, was Bewusstsein ist?

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Quellen

  • Architect of Dimensions: Super-Consciousness, the Tapaha Axiom ...

  • Integrated Information Theory: From Consciousness to Its Physical Substrate

  • Global workspace theory

  • Understanding Karl Friston's Predictive Processing

  • Integrated Information Theory of Consciousness | Internet Encyclopedia of Philosophy

  • Baars's and Dehaene's Global Workspace Theory

  • The Predictive Brain and the 'Hard Problem' of Consciousness

  • Ascribing Consciousness to Artificial Intelligence

  • An Intriguing and Controversial Theory of Consciousness: IIT

  • Predictive Processing: A Theory of Consciousness

  • PhilArchive: The Philosophy E-Print Archive

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