NASA startet Rettungsmission für sinkendes Swift-Teleskop

Bearbeitet von: Alex Khohlov

Am 3. Juli 2026 hat die NASA eine beispiellose Mission zur Rettung eines alternden Weltraumteleskops auf den Weg gebracht. Das Raumfahrzeug „LINK“ der Firma Katalyst Space Technologies soll das Neil-Gehrels-Swift-Observatorium abfangen, das sich bereits seit über 21 Jahren im Orbit befindet. Das Teleskop begann unaufhaltsam zu sinken, da eine erhöhte Sonnenaktivität die Erdatmosphäre „aufgebläht“ und damit den Luftwiderstand vergrößert hatte.

Der Start erfolgte von den Marshallinseln aus: Ein modifiziertes Northrop-Grumman-Stargazer-Flugzeug stieg auf etwa 12 Kilometer Höhe auf, bevor es die dreistufige Pegasus-XL-Rakete mit dem LINK-Satelliten an Bord absetzte. Dieser rund 400 Kilogramm schwere Roboter, der etwa die Größe eines Kühlschranks hat, ist mit drei Greifarmen, drei Ionenantrieben sowie einem Sensorsystem für präzise Nahmanöver ausgestattet.

Das Vorhaben ist weltweit ohne Beispiel: LINK muss eigenständig einen Satelliten aufspüren, mit seinen Manipulatoren greifen und um etwa 240 Kilometer anheben, obwohl dieser ursprünglich gar nicht für Wartungsarbeiten im All konzipiert wurde. Die gesamte Operation wird mehrere Monate in Anspruch nehmen. Sollte sie scheitern, könnte Swift bereits im Oktober 2026 in die Atmosphäre stürzen – die Wahrscheinlichkeit hierfür wird auf 90 % geschätzt.

Aufgrund des solaren Maximums von 2024 verlor das Swift-Observatorium schneller an Höhe als ursprünglich prognostiziert. Die beim Start im November 2004 rund 500 Millionen US-Dollar teure Anlage ist von ihrer ursprünglichen Umlaufbahn in 600 Kilometern Höhe bereits auf etwa 360 Kilometer abgesunken. Die Rettungsmission kostet 30 Millionen US-Dollar – eine Investition, die die Entwicklung eines neuen Teleskops erspart und den wissenschaftlichen Betrieb dieses einzigartigen Instruments verlängert.

Ein Erfolg würde eine neue Ära in der Raumfahrtindustrie einläuten: Die Rettung von Swift wäre der Beweis dafür, dass bestehende Satelliten im Orbit nicht nur länger betrieben, sondern auch repariert, modernisiert und nachgerüstet werden können. Dies würde die Wirtschaftlichkeit von Weltraummissionen grundlegend verändern und die Rettung weiterer wertvoller Observatorien, wie etwa des Hubble-Weltraumteleskops, ermöglichen.

Das Swift-Observatorium ist berühmt für die Erforschung von Gammablitzen – den gewaltigsten Explosionen im Universum. In den zweieinhalb Jahrzehnten seines Betriebs hat es rund 1.760 Gammablitze identifiziert und gilt nach wie vor als unverzichtbares wissenschaftliches Instrument. Sein größter Vorteil ist die Fähigkeit, sich extrem schnell auf plötzliche kosmische Ereignisse auszurichten und die Koordinaten innerhalb von Minuten an andere Teleskope weiterzuleiten. Das macht Swift zum „Ersthelfer“ der Astronomie bei der Untersuchung flüchtiger kosmischer Phänomene.

Die Katalyst-Mission unterstreicht die wachsende Bedeutung privater Unternehmen als Stütze staatlicher Raumfahrtprogramme. Die NASA bezahlt dabei nicht für die Neuentwicklung, sondern ausschließlich für das erzielte Ergebnis. Angesichts des enormen Zeitdrucks – der Vertrag wurde erst im September 2025 vergeben – hat das Katalyst-Team das LINK-Fahrzeug in weniger als neun Monaten gebaut, getestet und gestartet, was die Fähigkeit zur schnellen Reaktion auf kritische Situationen im Erdorbit demonstriert.

5 Ansichten

Quellen

  • Nasa launches mission to save falling space telescope

  • NASA launches rescue mission to save Swift space telescope from burning up in Earth's atmosphere | Space

  • Neil Gehrels Swift Observatory - Wikipedia

  • NASA aims to save a sinking space telescope with a rendezvous in orbit

  • Why NASA Is Launching a Mission to Save a Quarter-Billion Dollar Space Telescope

  • This space telescope is falling. A robotic spacecraft may save it

  • Robot Spacecraft Races to Rescue NASA's Swift Telescope - Technology Org

  • Swift reboost mission - Wikipedia

Haben Sie einen Fehler oder eine Ungenauigkeit festgestellt?Wir werden Ihre Kommentare so schnell wie möglich berücksichtigen.