Am 22. Juli 2026 setzte das Team von E/V Nautilus seine Erkundungen in den Tiefseegebieten des Marianenbeckens fort. Diesmal tauchte das ferngesteuerte Unterwasserfahrzeug Little Hercules in eine abyssale Ebene etwa 185 Seemeilen nordöstlich von Urakas Island, auch bekannt als Farallon de Pajaros, ab.
In einer Tiefe von über 5800 Metern sahen Forscher und Zuschauer der Live-Übertragung zum ersten Mal den Meeresboden in diesem Teil des Beckens. Und er erwies sich als alles andere als leer.
Meeresschnee – Nahrung, die vom Licht herabfällt
Die abyssale Ebene scheint eine stille Wüste zu sein.
Es gibt kein Sonnenlicht. Die Temperatur liegt nahe am Gefrierpunkt, und der Druck ist um ein Vielfaches höher als der atmosphärische Druck. Dennoch ist das Leben am Boden mit dem verbunden, was weit oben im Ozean geschieht.
Aus den beleuchteten Wasserschichten sinkt unaufhörlich Meeresschnee herab – winzige Partikel organischer Substanz: Fragmente von Algen, Überreste von Organismen und Ausscheidungen von Plankton.
Ihre Reise kann Wochen und Monate dauern.
Für viele Tiefseetiere wird dieser langsame organische Regen zur wichtigsten Nahrungsquelle.
Die Kameras zeigten eine gut genährte Seegurke – ein Holothuroide, das den organisch reichen Sedimenten seine Nahrung entnahm –, und eine langstielige Achtstrahlige Koralle namens Umbellula, auch bekannt als Seefeder. Indem sie ihre Polypen dem Strom entgegenstreckte, fing sie Nahrungsstoffe direkt aus dem Wasser auf.
In der Tiefe, die wir als fast leblos bezeichnen, ging ein gemächliches Festmahl weiter.
Ein „pfannkuchenartiger“ Seeigel
Eines der faszinierendsten Begegnungen war ein ungewöhnlicher Seeigel.
Sein Körper war so flach, dass das Team ihm sofort den inoffiziellen Spitznamen „Pfannkuchen-Seeigel“ gab.
Experten des Netzwerks Scientist Ashore, die den Tauchgang ferngesteuert verfolgten, vermuteten, dass das Tier zu einer noch unbeschriebenen Art gehören könnte.
Bisher ist dies nur eine vorläufige Hypothese.
Um eine neue Art offiziell anerkennen zu lassen, benötigen Wissenschaftler Exemplare, eine detaillierte morphologische Untersuchung und wahrscheinlich eine genetische Analyse.
Aber schon das Erscheinen eines solchen Kandidaten erinnert uns daran: Auf der Erde gibt es immer noch Lebensformen, die noch keinen Namen erhalten haben.
Eine Seeanemone, die nicht auf der Stelle bleiben wollte
Nicht weniger unerwartet war die Begegnung mit einer großen Tiefsee-Seeanemone.
Normalerweise gelten Seeanemonen als sessile Tiere, die sich mit ihrer Basis am Substrat festhalten. Dieses Exemplar rollte jedoch langsam über den Meeresboden.
Ein solches Verhalten wurde bereits bei einigen Tiefsee-Seeanemonen beobachtet: Sie sind in der Lage zu rollen, zu gleiten oder sich auf ihrer Basisscheibe quasi umzudrehen.
Wissenschaftler wissen jedoch noch nicht genau, welche Rolle die aktiven Bewegungen des Tieres und die Strömungen am Meeresboden spielen und warum Seeanemonen diese Fortbewegungsart wählen.
Manchmal beginnt eine Entdeckung nicht mit der Begegnung einer unbekannten Art.
Manchmal tut ein bereits bekanntes Wesen plötzlich etwas, das wir von ihm überhaupt nicht erwartet hätten – und zeigt uns, wie unvollständig unsere Vorstellungen von seinem Leben sind.
Diejenigen, die in der Dunkelheit nach Nahrung fischen
Während des Tauchgangs sahen die Forscher auch andere Bewohner der Abyssalzone.
Ein Seestern aus der Ordnung der Brisingida hob zahlreiche Arme dem Strom entgegen, um herabfallende organische Partikel zu fangen.
In der Nähe befand sich eine räuberische Schwamm mit ungewöhnlichen, fast „bonbonartigen“ Gewebestrukturen.
Und auf dem Sediment zogen sich geheimnisvolle spiralförmige Spuren.
Am Ende des Videos erschien auch ihr möglicher Erzeuger – der Wurm Enteropneusta, der im Erdreich atmet. Indem sie den organisch reichen Boden fressen, verarbeiten diese Tiere das Sediment und hinterlassen charakteristische Spuren.
Selbst eine Spur im Schlamm wird hier zu einer Erzählung über ein unsichtbares Leben.


