Icarus: Satelliten, die Tierpanik erfassen

Bearbeitet von: Svitlana Velhush

In den afrikanischen Savannen sind Tiere nicht mehr nur Opfer: Sie werden zu lebenden Meldern, deren plötzliche Bewegungen und Aktivitätsschübe das neue Satellitensystem Icarus erfasst. Kürzlich gestartet, ermöglicht es, das Verhalten von Tausenden von Tieren aus dem Weltraum zu verfolgen und hilft möglicherweise, Wilderei in Echtzeit zu bekämpfen.

Der Kern des Projekts sind winzige Sensoren, die an Ohren oder Hälsen von Tieren befestigt werden. Diese Markierungen erfassen GPS-Koordinaten, Herzfrequenz, Körpertemperatur und sogar Luftdruck. Die Daten werden an Icarus-Satelliten übertragen und bilden eine Art "Internet der Tiere". Nach den Plänen der Forscher des Max-Planck-Instituts für Verhaltensbiologie sollen bis zum Jahr 2030 etwa hunderttausend Individuen weltweit mit Markierungen ausgestattet werden.

Besonders vielversprechend erscheint die Nutzung von "Panikmustern". Im Okambara-Reservat in Namibia simulierten Wissenschaftler das Auftauchen von Wilderern: Tiere – Zebras, Antilopen, Gnus – flohen abrupt und hinterließen charakteristische Spuren auf Karten. Algorithmen lernen, solche Ausschläge zu erkennen und von normalem Verhalten zu unterscheiden. Giraffen, die an Ort und Stelle bleiben und ihre Köpfe in Richtung der Bedrohung drehen, können die Richtung anzeigen, aus der Menschen kamen.

Im Kruger-Nationalpark in Südafrika hat das System bereits Dutzende Wildhunde aus Wildererschlingen befreit. Wenn die Markierungen eine Anomalie registrieren – zum Beispiel die gleichzeitige Unbeweglichkeit zweier Ohrsensoren –, wird ein Alarm ausgelöst. Ranger erhalten die Chance, einzugreifen, bevor das Tier stirbt. Ähnliche Ansätze werden zum Schutz von Nashörnern getestet, deren Population in der Region weiterhin unter ständigem Druck steht.

Die Technologie überwindet frühere Einschränkungen: Alte Halsbänder wogen Dutzende Kilogramm und waren nur für große Huftiere geeignet. Moderne Sensoren in Reiskorngröße arbeiten mit Superkondensatoren und übertragen komprimierte Daten auch aus schwer zugänglichen Gebieten. Das vollständige globale Netzwerk befindet sich jedoch noch im Aufbau, und die Echtzeitgenauigkeit hängt von der Dichte der Bodenempfänger ab.

So verwandelt Icarus die Wildnis in ein verteiltes Frühwarnsystem, bei dem das Verhalten einiger Arten hilft, andere zu schützen. Dies ist nicht nur Überwachung, sondern eine neue Möglichkeit, Zusammenhänge im Ökosystem zu erkennen und rechtzeitig auf Bedrohungen zu reagieren.

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Quellen

  • The Icarus Satellite system can revolutionize wildlife surveillance by enabling wildlife movement and behavior to be monitored from space.

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