Zermatt: Ein Schweizer Ort ohne Autos, in dem Elektrofahrzeuge regieren

Autor: Tatyana Hurynovich

In den Schweizer Alpen, am Fuße des berühmten Matterhorns, liegt der einzigartige Ferienort Zermatt – einer der wenigen Orte weltweit, an denen privater Autoverkehr nahezu vollständig untersagt ist. In der Walliser Gemeinde leben etwa 6.000 Menschen, und keiner von ihnen besitzt ein Auto für den persönlichen Gebrauch.

Wie der herkömmliche Verkehr verboten wurde

Die Geschichte der Beschränkungen reicht bis zum Beginn des 20. Jahrhunderts zurück. Ab 1931 war in Zermatt nur noch der Kutschenverkehr zugelassen, der auch heute noch eine Rolle spielt. Im Jahr 1961 wurden Fahrzeuge mit Verbrennungsmotor nach einer Befragung der Einwohner schließlich komplett verboten.

In den Jahren 1972 und 1986 fanden Volksabstimmungen über die Aufhebung des Verbots von Privatfahrzeugen statt, doch die Bürger stimmten in beiden Fällen dagegen. Bis zum heutigen Tag dürfen Einheimische kein eigenes Auto besitzen – weder einen herkömmlichen Wagen noch ein Elektrofahrzeug für die private Nutzung.

Die einzige Ausnahme gilt für das medizinische Notfallpersonal, das in dringenden Fällen Fahrzeuge mit Verbrennungsmotor einsetzen darf.

Elektromobilität: Wie der Verkehr organisiert ist

Innerhalb des Ortes kann man sich nur wie folgt fortbewegen:

  • Elektrischer Nahverkehr (Elektrobusse)
  • Elektrotaxis (rund 150 Fahrzeuge)
  • Pferdekutschen (auch wenn deren Bestand allmählich reduziert wird)

Sämtliche Busse und Taxis, die im Dorf verkehren, sind batteriebetriebene Elektrofahrzeuge. Aktuell gibt es in Zermatt etwa 500 Elektroautos, die sich im Besitz der Gemeinde oder lokaler Unternehmen wie Taxis, Lieferdiensten und Hotels befinden. Elektroautos dürfen nur von Hotels, Betrieben und privaten Transportunternehmen gehalten werden – für eine entsprechende Bewilligung müssen triftige Gründe vorliegen.

Besonderheiten der lokalen Elektrofahrzeuge

Die Zermatter Elektroautos werden vom Unternehmen STIMBO produziert und weisen einige einzigartige Merkmale auf: Die Höchstgeschwindigkeit liegt bei 20 km/h, die Kosten belaufen sich auf 70.000 bis 80.000 Euro, und die Betriebsbewilligung wird für drei Jahre erteilt. Die Gestaltung erinnert an schlichte „Kisten auf Rädern“ mit Schiebefenstern, wie sie bei Kleintransportern üblich sind.

Die Anfänge der Produktion

Die Herstellung von Elektrofahrzeugen in Zermatt wurde in den 1980er Jahren von Bruno Imboden initiiert – einem Unternehmer aus der ansässigen Familie Imboden, die bereits seit langer Zeit Transportdienstleistungen im Ort anbot. Bis in die 1980er Jahre setzte das Familienunternehmen Taxi Imboden ausschließlich auf Pferdedroschken.

Als Bruno Imboden den lokalen Behörden in den 1980er Jahren die ersten Elektroautos präsentierte, schlug er vor, diese direkt vor Ort in Zermatt zu fertigen, statt sie aus dem Ausland zu beziehen. Diese Entscheidung war von strategischer Bedeutung: Eine lokale Fertigung ermöglichte eine bessere Qualitätskontrolle und die optimale Anpassung der Fahrzeuge an die speziellen Anforderungen des Kurortes.

Das Portfolio von STIMBO

Der Familienbetrieb fertigt in Handarbeit Elektrofahrzeuge mit Aluminiumkarosserie:

  • Kleine Taxibusse (das Hauptprodukt)
  • Tankwagen für die Warenbelieferung
  • Rettungswagen
  • Polizeifahrzeuge
  • Lastwagen für Gewerbebetriebe

Bruno Imboden schuf ein einzigartiges Modell, durch das Zermatt bei der Produktion seiner Elektroflotte völlig autark wurde – von der Zeit der Kutschen bis hin zu den eigenen Elektroautos.

Anreise nach Zermatt

Die Fahrt nach Zermatt mit dem Auto ist unmöglich – man muss es in einer benachbarten Kleinstadt auf einem Parkplatz abstellen. Der Zugang zum Ort ist ausschließlich mit dem Zug durch einen Tunnel möglich. Die Hotels nehmen ihre Gäste am Bahnhof in Empfang und bringen sie mit hoteleigenen Elektrofahrzeugen in ihre Unterkünfte.

Warum dies für die Umwelt wichtig ist

Zermatt wird oft als „Welt ohne Autos“ bezeichnet – das Verkehrsverbot dient dem Erhalt der sauberen Umwelt. Infolgedessen gibt es im Ort so gut wie keinen Motorenlärm, die Luft bleibt rein und alpin, und die Touristen können die Stille sowie den Blick auf das Matterhorn genießen.

Mehr als 500 Elektrofahrzeuge von kommunalen und privaten Anbietern prägen das Transportwesen des Kurorts und haben Pferdekutschen in der Logistik mittlerweile fast vollständig verdrängt.

Interessante Fakten

  • Zermatt war faktisch schon immer autofrei – laut Zeitzeugen hat man hier nie gewöhnliche Autos gesehen.
  • Früher dienten hauptsächlich Maultiere als Transportmittel.
  • Im Ort ist nicht nur der Besitz, sondern auch das Mieten von Elektrofahrzeugen untersagt.
  • Sämtliche Hotels, Restaurants und Anwohner sind darauf angewiesen, Fahrzeuge der Marke STIMBO zu erwerben, da das lokale Geschäft von wenigen Familien kontrolliert wird.
  • Zermatt zählt zu den bekanntesten Skigebieten der Schweiz und zieht Touristen aus der ganzen Welt an.

Zermatt zeigt auf, wie ein modernes Tourismuszentrum ohne privaten Autoverkehr realisiert werden kann, indem für sämtliche logistischen Bedürfnisse auf Elektromobilität gesetzt wird. Dies ist ein Paradebeispiel dafür, wie ökologische Prinzipien selbst unter den Bedingungen einer hoch entwickelten Infrastruktur in der Praxis umgesetzt werden können.

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