Zentrum für therapeutische Genetik: von einzelnen Durchbrüchen zu einem reproduzierbaren System zur Behandlung seltener Krankheiten

Bearbeitet von: Elena HealthEnergy

In einer Welt, in der die Wissenschaft bereits in der Lage ist, Medikamente für eine spezifische Mutation eines einzelnen Kindes zu entwickeln, bleiben Millionen von Familien weiterhin ohne Hilfe. Genau diese Lücke zwischen Möglichkeit und Zugänglichkeit haben drei führende medizinische Zentren beschlossen zu schließen und am 21. Juli 2026 die Gründung des Zentrums für therapeutische Genetik bekannt zu geben – einer Organisation, die beabsichtigt, die Wunder der personalisierten Gentherapie zu einer Standardklinikpraxis zu machen.

Das Problem ist riesig und belastet das globale Gesundheitswesen. Schätzungen zufolge leiden 350 bis 400 Millionen Menschen weltweit an einer von etwa 8000 seltenen Krankheiten. Kinder sind unverhältnismäßig stark betroffen – fast die Hälfte der Patienten mit seltenen Krankheiten sind Kinder, viele von ihnen erreichen nicht ihren fünften Geburtstag. Die Krankheiten schreiten unaufhaltsam fort und sind lebensbedrohlich, doch für weniger als eine von zwanzig dieser Krankheiten existiert eine zugelassene Behandlung. Das traditionelle Modell der Arzneimittelentwicklung, das auf Millionen von Patienten ausgelegt ist und Hunderte von Millionen Dollar und jahrelange Investitionen erfordert, funktioniert hier einfach nicht: Auf jede ultra-seltene Krankheit mögen nur wenige Menschen weltweit entfallen.

Das Zentrum hat die weltweiten Pioniere der Gentherapie zusammengebracht, die bereits bewiesen haben: Individuelle Gentherapeutika sind real und retten Leben. Gründer sind David Liu (Broad Institute, Erfinder von Base Editing und Prime Editing), Timothy Yu (Boston Children's Hospital, Pionier personalisierter Gentherapien), Katja Lutz (The Jackson Laboratory, führend in der translationalen Wissenschaft und der Entwicklung von Modellen für seltene Krankheiten), Wendy Chung (Leiterin der Abteilung für Pädiatrie am Boston Children's Hospital und Spezialistin für die klinische Umsetzung der Genommedizin) und Zentrumsdirektor Winston Yan (erfahrener Organisator biotechnologischer Einrichtungen, der bereits eine Gentherapie zur Klinik gebracht hat). Dieses Team ist überzeugt: Es geht nicht darum, ob wir seltene Krankheiten behandeln können, sondern ob wir die Infrastruktur dafür aufbauen.

Der Schlüsselansatz ist eine plattformbasierte Strategie der offenen Zusammenarbeit. Design-Tools, Krankheitsmodelle, Produktionsprozesse, Sicherheitsdaten und klinische Protokolle, die für eine seltene Krankheit entwickelt wurden, werden offen an andere Teams weitergegeben. Dieser Austausch soll die Entwicklung der nächsten Behandlung beschleunigen, deren Kosten senken und die Zuverlässigkeit erhöhen. Das Zentrum arbeitet bereits an der Entwicklung von Gen-Editoren für seltene genetische Epilepsien bei Kindern, unterstützt durch eine ARPA-H-Förderung von bis zu 34,5 Millionen US-Dollar im Rahmen des THRIVE-Programms (Therapeutic Hômē-based Rarest disease treatments to Implement and validate Viro-therapeutic Efficacy). Diese Förderung konzentriert sich auf zwei besonders schwere Krankheiten: die alternierende Hemiplegie des Kindesalters und das Dravet-Syndrom.

Die Erfolgsgeschichte begann bereits vor der Gründung des Zentrums. Im Jahr 2018 entwickelte das Team von Timothy Yu ein individuelles Antisense-Medikament für ein Kind mit einer fortschreitenden neurodegenerativen Erkrankung – das erste Medikament der Geschichte, das für einen bestimmten Patienten und seine spezifische Mutation hergestellt wurde. Später halfen die Base-Editing-Technologien von David Liu bei der Behandlung eines Säuglings mit einer schweren Stoffwechselstörung. Ganz kürzlich rettete eine personalisierte Gentherapie, die auf den Technologien von Liu basiert, das Leben eines Patienten mit einer seltenen Blutkrankheit. Nun sollen diese Methoden und neuen Ansätze in enger Zusammenarbeit mit den Regulierungsbehörden – FDA, HHS und CMS – über angemessene Regeln für personalisierte Medikamente, die eine grundlegend neue Zulogik erfordern, skaliert werden.

Die Projektteilnehmer betonen das Wichtigste: Die Wissenschaft ermöglicht bereits die Behandlung vieler seltener Krankheiten, es geht ausschließlich um Infrastruktur und Skalierung. Das Zentrum nimmt noch keine Patienten auf und befindet sich in der Aufbauphase, beabsichtigt aber, alle erzielten Ergebnisse offen zu teilen und aktiv neue Partner aus Wissenschaft, Industrie, Patientenorganisationen und Regulierungsbehörden einzuladen. Das Hauptziel ist die Schaffung eines Systems, in dem jede neue Behandlung die Entwicklung der nächsten beschleunigt und nicht die Ausnahme für wenige bleibt.

Wenn die Infrastruktur die Wiederholung komplexer medizinischer Verfahren ermöglicht, hört personalisierte Gentherapie auf, ein Wunder zu sein und wird zu einer zugänglichen Hilfe – genau das wollen die drei Institute in den kommenden Jahren aufbauen.

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Quellen

  • Broad Institute, Boston Children’s Hospital, and Jackson Laboratory Launch Center for Therapeutic Genetics

  • Broad Institute, Boston Children's Hospital, and The Jackson Laboratory launch the Center for Therapeutic Genetics

  • Broad-led consortium receives ARPA-H award to advance gene editing for rare pediatric epilepsy

  • The Jackson Laboratory, with the Broad Institute and Partners, Selected for ARPA-H THRIVE Award

  • Custom genetic treatments: Seeking a path forward - Boston Children's Answers

  • David Liu Wins 2025 Breakthrough Prize for Base Editing and Prime Editing

  • Base Editing and Prime Editing: Precise Chemistry on the Genome without Double-Strand DNA Breaks

  • Wendy Chung | Boston Children's Hospital

  • Broad Institute launches Center for Therapeutic Genetics for rare diseases

  • New Center for Therapeutic Genetics to Develop Rare Disease Genetic Medicines

  • Q&A: David Liu's bold vision to make on-demand treatments routine for life-threatening rare genetic diseases

  • Boston Children's and Broad Institute partner on new center for rare disease treatment

  • David R. Liu | Broad Institute

  • Individualized medicine got real

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