Google in Großbritannien gezwungen, Verlegern „Opt-out“-Button für KI zu gewähren: Was das für die Suche bedeutet

Autor: lee author

Google in Großbritannien gezwungen, Verlegern „Opt-out“-Button für KI zu gewähren: Was das für die Suche bedeutet-1
Großbritannien zwang Google dazu, den Verlegern eine Wahl zu geben. Und das könnte die Ökonomie des gesamten Webs verändern.

Am Morgen des 3. Juni 2026 setzte die britische Wettbewerbs- und Marktaufsichtsbehörde (CMA) eine Forderung durch, für die Verleger fast ein Jahr lang gekämpft hatten: Google wurde verpflichtet, ihnen die volle Kontrolle darüber zu geben, wie ihre Artikel in KI-generierten Suchantworten verwendet werden. Die Aufsichtsbehörde bezeichnete diesen Schritt als „Weltpremiere“ – und gemessen an der Geschwindigkeit, mit der sich die Nachricht in der Branche verbreitete, war dies keine Übertreibung.

Der Kern der Entscheidung lässt sich in einem Satz zusammenfassen. Nachrichtenseiten, Magazine und Informationsportale können Google nun untersagen, ihre Inhalte in den sogenannten „AI Overviews“ und im „AI Mode“ zu nutzen – während sie gleichzeitig in den regulären Suchergebnissen verbleiben. Zuvor hatten sie schlichtweg keine Wahl zwischen diesen beiden Optionen.

Warum das bisherige Modell die Verleger in die Enge trieb

Das bisherige Dilemma war unerbittlich. Damit Google eine Website überhaupt registrieren konnte, musste der Such-Crawler zugelassen werden. Derselbe Bot griff jedoch auch die Inhalte für generative Funktionen ab. Ein Verzicht auf KI-Zusammenfassungen war nur möglich, indem man die Indexierung komplett sperrte, was praktisch einem Verschwinden aus der Google-Suche gleichkam. Die Guardian Media Group erklärte in ihrer Stellungnahme gegenüber der Behörde unmissverständlich: Dokumenten aus dem US-Kartellverfahren zufolge habe Google die Option „Suche ohne KI“ zwar geprüft, sie jedoch nicht aus technischen, sondern aus rein kommerziellen Gründen verworfen.

Daraus resultierte die Beschwerde der Medienhäuser, die die CMA schließlich als berechtigt anerkannte: Die KI-Übersicht liefert dem Nutzer die Antwort direkt auf der Ergebnisseite, wodurch der Klick auf die Quellseite ausbleibt und der Verleger Reichweite, Werbeeinnahmen sowie Verhandlungsmacht verliert – obwohl es gerade seine Texte sind, die die Zusammenfassung überhaupt erst nützlich machen.

Was Google nun konkret tun muss

Rechtlich stützt sich die Entscheidung auf den „Digital Markets, Competition and Consumers Act“ aus dem Jahr 2024. Bereits im September 2025 hatte die CMA Google im Suchmaschinensegment einen „strategischen Marktstatus“ zugewiesen, was der Behörde die Befugnis gab, gezielte Auflagen zu erlassen. Die aktuellen Regeln bilden nun die erste dieser Maßnahmen.

Google ist ab sofort verpflichtet, eine klare Quellenangabe mit „deutlichen Links“ innerhalb der KI-Antworten zu gewährleisten. Verleger erhalten das Recht, der Nutzung ihrer Inhalte zu widersprechen – und zwar nicht nur für die Zusammenfassungen selbst, sondern auch für das Nachtrainieren (Fine-Tuning) von Modellen; diese Option wurde nach öffentlichen Konsultationen ergänzt, um alle Szenarien abzudecken. Im ersten Jahr wird das Unternehmen zudem alle sechs Monate Berichte über die Einhaltung der Vorgaben veröffentlichen, die durch konkrete Kennzahlen untermauert werden müssen. Für die vollständige Umsetzung sind neun Monate vorgesehen, doch die CMA geht davon aus, dass den Verlegern die wichtigsten Werkzeuge deutlich vor Ablauf dieser Frist zur Verfügung stehen werden.

Ein entscheidendes Detail verhindert, dass das gesamte Vorhaben zur Farce wird: Google hat zugesagt, den Verzicht auf KI-Funktionen nicht als Ranking-Signal für die herkömmliche Suche zu verwenden. Die Verleger befürchteten genau diese versteckte Bestrafung – nach dem Motto: Wer die KI ablehnt, rutscht in der Trefferliste nach unten. Während der Anhörungen räumte ein Teilnehmer fast wortwörtlich ein, dass die Medien ohne eine felsenfeste Garantie in diesem Punkt die neuen Kontrollmöglichkeiten niemals anrühren würden.

Warum dies weit über Großbritannien hinaus von Bedeutung ist

Die Tragweite dieser Entwicklung verdeutlichen Zahlen, die für alle, die von Suchmaschinentraffic leben, besorgniserregend sind.

Ein Preprint vom Mai, für den Forscher über 40 Tage hinweg etwa 55.000 Trend-Anfragen bei Google analysierten, zeigte, dass in 13,7 % der Fälle eine KI-Zusammenfassung erschien. Sobald eine Suchanfrage jedoch als Frage formuliert wurde, schoss dieser Anteil auf 64,7 % hoch. Das bedeutet: Genau jene Anfragen, für deren ausführliche Beantwortung Nutzer früher Webseiten besuchten, werden nun meist durch ein fertiges Exzerpt direkt in der Suche abgefangen. Dieselbe Studie ergab zudem, dass 11 % der Behauptungen in den KI-Zusammenfassungen nicht durch die zitierten Quellen belegt waren – meist, weil wesentliche Einschränkungen einfach weggelassen wurden.

Wie stark dies den Traffic beeinträchtigt, verdeutlicht das Beispiel Wikipedia, wobei hier zwei Kennzahlen unterschieden werden müssen. Die Wikimedia Foundation selbst berichtete im Herbst 2025 von einem Rückgang der menschlichen Seitenaufrufe um etwa 8 % innerhalb eines Jahres und brachte dies vorsichtig mit KI und sozialen Medien in Verbindung. Eine akademische Arbeit wählte jedoch eine präzisere Methode: Englische Artikel, die bereits „AI Overviews“ erhielten, wurden mit den entsprechenden Artikeln auf Hindi, Indonesisch, Japanisch und Portugiesisch verglichen, wo die Funktion noch nicht aktiv war. Der Nettoeffekt war dort deutlich höher und belief sich auf etwa 15 % des täglichen Traffics der englischen Wikipedia. Am stärksten betroffen waren Kulturthemen, während wissenschaftlich-technische Artikel weniger verloren, da eine kurze Zusammenfassung eine Antwort auf eine einfache Frage leichter ersetzen kann als auf eine komplexe.

Das bedeutet zwar nicht, dass jede Website exakt die gleichen Einbußen erleiden wird. Die Zahlen erklären jedoch anschaulich die Ängste der Verleger: Die KI-Suche vereinnahmt die Antwort und lässt der Quelle im besten Fall nur noch eine namentliche Erwähnung in einem Link.

Wie es weitergeht

Der Erfolg der Maßnahme hängt nun von der Umsetzung ab. Wenn Google einen benutzerfreundlichen Opt-out-Button, ehrliche Metriken in der Search Console und eine transparente Quellenzuordnung schafft, erhalten Verleger ein echtes Druckmittel für Verhandlungen über Lizenzgebühren und langfristig vielleicht sogar für Direktzahlungen. Sollten sich die Werkzeuge als rein dekorativ erweisen, wird der Streit vor Gerichten und bei anderen Regulierungsbehörden weitergehen. Die EU-Kommission hat bereits im Dezember 2025 eine Kartelluntersuchung gegen die KI-Praktiken von Google eingeleitet, weshalb der britische Präzedenzfall in Brüssel und Washington sicher genauestens analysiert wird.

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Quellen

  • theguardian

  • wsj.com

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