In Silver Lake, im historischen Mack Sennett Studio, wo einst Charlie Chaplin und andere Legenden des Stummfilms wirkten, integriert das Unternehmen Asteria bewusst generative künstliche Intelligenz (KI) in die Prozesse der Film- und Animationsproduktion.
Mitbegründer Bryn Moser betont, dass dies kein Ersatz für kreative Köpfe ist, sondern ein Werkzeug, um Routineaufgaben zu beschleunigen. Dazu gehören Zwischenanimationen (In-Betweening), das Auffüllen von Massenszenen, das Verlängern von Einzelbildern und das Bereinigen von Aufnahmen.
Das Unternehmen bezeichnet sich selbst als „künstlerisch orientiertes Studio für generative KI“, das nach eigenen Angaben das „erste saubere und ethische KI-Modell“ verwendet. Dieser Ansatz entstand vor dem Hintergrund einer tiefgreifenden Branchenkrise.
Seit 2022 hat Los Angeles über 40.000 Arbeitsplätze in der Produktion verloren. Die Streiks des Jahres 2023 waren maßgeblich durch die Befürchtung ausgelöst worden, dass Schauspieler, Synchronsprecher und Drehbuchautoren durch Algorithmen ersetzt werden könnten.
Moser bringt den Einsatz von KI direkt mit der Notwendigkeit in Verbindung, die Produktionskosten zu senken. Kleinere Teams könnten Projekte schneller abschließen.
Dies würde seiner Meinung nach dazu beitragen, Dreharbeiten nach Kalifornien zurückzuholen, anstatt auf günstigere Standorte in anderen Bundesstaaten oder im Ausland ausweichen zu müssen. Das ist keine abstrakte Theorie: Konkrete Anwendungen wie das Entfernen von Objekten aus dem Bild, das Auffüllen von Menschenmengen oder das Verlängern von Szenen beeinflussen direkt Zeit und Budget der Postproduktion.
Im Gegensatz zu vielen vollmundigen Erklärungen über eine „KI-Revolution“ betont Asteria ethische Beschränkungen. Das Modell ist nicht dafür gedacht, vollwertige Schauspieler oder Drehbücher zu generieren.
Es dient vielmehr als unterstützendes Werkzeug für bereits bestehende Kreativteams. Diese Entscheidung spiegelt die Lehren aus den jüngsten Streiks wider, bei denen Gewerkschaften eine strikte Regulierung des KI-Einsatzes zum Schutz von Abbildungen (Likeness) und Arbeitsplätzen forderten.
Die Methodik der Implementierung verbleibt bislang auf der Ebene von Beschreibungen und nicht bei detaillierten technischen Berichten. Es liegen keine öffentlichen Daten zu spezifischen Modellen, dem Umfang der Trainingsdaten oder den Ergebnissen unabhängiger Audits zur „Ethik“ vor.
Dies ist eine typische Situation für industrielle Anwendungen: Unternehmen ziehen es vor, Details nicht offenzulegen, um Wettbewerbsvorteile zu wahren. Dies erschwert jedoch die externe Bewertung des tatsächlichen Einflusses auf Qualität und Urheberrechte.
Im Vergleich zu anderen Hollywood-Initiativen nimmt Asteria eine Zwischenposition ein. Große Studios experimentieren oft mit KI in VFX-Bereichen durch Partnerschaften mit Technologiegiganten.
Unabhängige Projekte hingegen verlassen sich manchmal vollständig auf offene Modelle. Asteria versucht, „künstlerische Führung“ mit kommerzieller Effizienz zu verbinden, was sie sowohl von rein technologischen Start-ups als auch von konservativen, traditionellen Produktionen unterscheidet.
Strategisch gesehen könnte dies die Wirtschaftlichkeit kleiner und mittlerer Projekte verändern. Die Senkung der Postproduktionskosten könnte lokale Dreharbeiten wieder wettbewerbsfähig machen.
Der Erfolg hängt jedoch davon ab, wie viele andere Unternehmen diesem Beispiel folgen und ob Konflikte mit Gewerkschaften in Bezug auf Urheberschaft und Vergütung vermieden werden können.
Es bleibt unklar, inwieweit das „saubere“ Modell die bei der Schulung verwendeten Daten von Schauspielern und Drehbuchautoren wirklich schützt. Ebenso ist ungewiss, wie das Studio den Ansatz ohne Verlust der kreativen Kontrolle skalieren will.
Unabhängige Tests und Branchenstandards für ethische KI fehlen bislang, weshalb die Behauptungen einer weiteren Überprüfung bedürfen.
Experten wie Paul Dergarabedian von Rentrak weisen darauf hin, dass Effizienz nur eine Seite der Medaille ist. Es gelte, die potenziellen Risiken für Arbeitsplätze und die kreative Identität der Branche abzuwägen.
Asteria schlägt einen praktischen Test vor: Wenn KI dazu beiträgt, Projekte nach Los Angeles zurückzuholen, könnte sie Teil der Lösung statt nur ein Problem sein.
Letztendlich wird der Erfolg dieses Ansatzes darüber entscheiden, ob Hollywood-Studios technologische Veränderungen in einen Wettbewerbsvorteil umwandeln können, während der menschliche Kern der Produktion erhalten bleibt.
