Junge Kraken etablieren „Kampfclubs“ an Riffen und verpassen aufdringlichen Fischen Ohrfeigen

Bearbeitet von: Svitlana Velhush

In den flachen Gewässern vor der Nordostküste Brasiliens und auf den ozeanischen Inseln ereignen sich überraschende Seegefechte. Junge brasilianische Riffkraken (Octopus insularis) verstecken sich nicht nur zwischen Korallen, sondern reagieren auch aktiv auf ihre Nachbarn: Sie schlagen mit ihren Tentakeln auf Fische, die ihrem Territorium zu nahe kommen.

Laut einer neuen Studie, die im Fachmagazin „Behavioural Processes“ veröffentlicht wurde, analysierten Wissenschaftler 101 Interaktionen junger Kraken mit zehn verschiedenen Riffbarscharten. Es stellte sich heraus, dass die Aggression nicht zufällig ist. Die Kraken unterscheiden zwischen territorialen Fischen, wie einigen Arten von Riffbarschen oder Doktorfischen, die selbst mit ihren Flossen „stoßen“ und „wedeln“, um ihren Raum zu verteidigen. Als Reaktion darauf zeigen die Kraken ein charakteristisches „halbgeflecktes“ Muster auf ihrem Körper und führen schnelle Tentakelschläge aus.

Bisher nahm man an, dass solche „Ohrfeigen“ lediglich dazu dienten, jeden zu vertreiben, der die Jagd störte. Neue Beobachtungen zeigen jedoch ein komplexeres Bild: Das Verhalten der Kraken hängt von der Fischart und dem Kontext ab. Territoriale Nachbarn provozieren eine Abwehrreaktion, während „folgende“ Fische, die einfach nur auf der Suche nach Beute in der Nähe schwimmen, oft ungestraft bleiben. Dies deutet auf ein feines System von Signalen und Reaktionen im Riff-Ökosystem hin.

Solche Interaktionen erinnern daran, wie Nachbarn in einer menschlichen Stadt Streitigkeiten über Parkplätze oder Grundstücksgrenzen lösen – nur werden hier anstelle von Worten und Gesten Farbsignale und Tentakelschläge eingesetzt. Junge Kraken, die noch nicht viel Erfahrung haben, erlernen diese Regeln bereits, was auf angeborene Anpassungsmechanismen in der komplexen Riffumgebung hindeutet.

Die Studie unterstreicht die Zerbrechlichkeit der Riffgemeinschaften: Jede Störung des Gleichgewichts, sei es durch Wassererwärmung oder Verschmutzung, kann diese sensiblen Beziehungen zwischen den Arten verändern. Das Verständnis solcher Details hilft uns, besser einzuschätzen, wie eng das Leben im Ozean miteinander verbunden ist.

Die Beobachtungen an jungen Kraken eröffnen einen Einblick in eine Welt, in der selbst winzige Kreaturen komplexe soziale Spiele betreiben, und erinnern daran, dass der Schutz der Riffe nicht nur die Rettung der Korallen bedeutet, sondern auch die Erhaltung ganzer Netzwerke von Verhaltensweisen und Interaktionen.

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Quellen

  • Young wild octopuses may form a 'fight club' and slap territorial fish if they get too close

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