In den dichten Wäldern Südostasiens sind winzige Zwergrohrschlangen der Gattung Pseudorabdion einer ständigen Bedrohung ausgesetzt. Wenn Gefahr naht, kriechen sie nicht einfach davon – sie versetzen ihren Körper in eine Reihe rasanter Purzelbäume und erreichen dabei eine Geschwindigkeit von bis zu 13 Kilometern pro Stunde. Das ist viermal schneller als das normale Gleiten, und eine aktuelle Studie in Current Biology hat endlich erklärt, wie ihnen eine derart akrobatische Flucht gelingt.
Alles beginnt mit einer Krümmung des Körpers in die Form eines Buchstabens C oder S: Der Kopf hebt sich an, und der Schwanz stößt sich vom Boden ab, wodurch die Schlange in die Luft geschleudert wird. Dann bildet der Körper einen Bogen, der über den Kopf hinwegfliegt und seitlich wieder aufsetzt, wobei er die Oberfläche berührt. Beim nächsten Wirbel fällt der Bogen auf der gegenüberliegenden Seite herab. Der Wechsel der Bewegungen ermöglicht es der Schlange, ununterbrochen vorwärtszurollen wie ein Rad, während der Kopf relativ stabil und in Bewegungsrichtung ausgerichtet bleibt.
Diese Fortbewegungsweise erfordert einen erheblichen Energieaufwand, daher greifen die Schlangen nur in Extremfällen darauf zurück – wenn die Bedrohung wirklich ernst ist. In Labortests zeigten alle 13 untersuchten Exemplare von Pseudorabdion Purzelbäume, während nahe verwandte Schlangen der Gattung Calamaria einfach auf gewohnte Weise davonkrochen. Dies deutet auf eine einzigartige Anpassung speziell bei den Zwergrohrschlangen hin.
Den Kopf während der Drehung des Körpers stabil zu halten, ist für ein Wesen ohne Gliedmaßen keine leichte Aufgabe. Die Schlangen lösen sie durch eine präzise Koordination: Der hintere Teil des Körpers dreht sich schnell, während der vordere seine Ausrichtung beibehält. Dadurch verliert das Reptil nicht die Richtung und kann sich nach einer Reihe von Purzelbäumen rasch unter Laub oder einem Stein in Sicherheit bringen.
Die Entdeckung unterstreicht, wie vielfältig die Überlebensstrategien selbst bei den bescheidensten Waldbewohnern sind. In einer Welt, in der kleine Lebewesen oft zur Beute werden, verschafft solche „Gymnastik“ einen echten Vorteil – Geschwindigkeit und ein Überraschungsmoment für den Räuber.
Die Beobachtungen dieser Schlangen erinnern daran, dass die Natur für eine uralte Aufgabe – am Leben zu bleiben – stets unkonventionelle Lösungen findet.



