Das Benennen von Emotionen dämpft die Amygdala: Neurowissenschaft bestätigt alte Mindfulness-Praktiken

Bearbeitet von: Svitlana Velhush

Im fMRT-Scanner betrachteten die Freiwilligen Fotografien wütender oder verängstigter Gesichter. Als sie das Wort „Wut“ oder „Angst“ wählten, sank die Aktivität der Amygdala merklich; als sie jedoch den Namen „Harry“ oder „Sally“ zuordneten, blieb das Alarmsignal unverändert.

Diese Beobachtung, gewonnen in einer Studie mit 30 Teilnehmern an der UCLA, stellt die geläufige Vorstellung in Frage, dass eine emotionale Reaktion ein rein automatischer Prozess sei, der sich direkter verbaler Kontrolle entziehe. Wenn schon das bloße Zuweisen eines Etiketts gleichsam „auf die Bremse treten“ kann, dann erweisen sich die Mechanismen der Affektregulation als enger mit der Sprache verbunden, als viele Theorien annahmen.

Die in Psychological Science und Psychosomatic Medicine veröffentlichte Studie zeigte einen gleichzeitigen Anstieg der Aktivität im rechten ventrolateralen präfrontalen Kortex – einer Region, die an der Verbalisierung emotionaler Erfahrung beteiligt ist. Teilnehmer mit höheren Mindfulness-Werten im Fragebogen wiesen eine noch ausgeprägtere Hemmung der Amygdala auf. Allerdings stützt sich die Arbeit auf eine kleine Stichprobe und umfasst keine langfristige Beobachtung klinischer Ergebnisse.

Aus Sicht der Theorie der prädiktiven Verarbeitung lässt sich das Benennen einer Emotion als Präzisierung der Vorhersage verstehen: Das Gehirn erhält zusätzliche Informationen über seinen eigenen Zustand und verringert das Gewicht des Vorhersagefehlers. Das hebt das phänomenale Erleben nicht auf, verändert aber dessen Verfügbarkeit für die weitere Verarbeitung – jenen Punkt, an dem die Global Workspace Theory und die Higher-Order Theories des Bewusstseins auseinandergehen.

Stellen Sie sich einen Fahrer vor, der eine gelbe Ampel sieht: Er stellt nicht den Motor ab, sondern verlagert nur den Fuß auf die Bremse. So vernichtet auch die Verbalisierung die Emotion nicht, sondern lenkt ihre Energie um, ohne vom Menschen eine absichtliche „Verbesserung des Befindens“ zu verlangen.

Wenn sich der Effekt zuverlässig reproduzieren lässt, wird sich die klinische Praxis nicht nur auf die Intuition buddhistischer Lehrer stützen können, sondern auch auf messbare Veränderungen in der präfronto-limbischen Dynamik. Die Frage, die offenbleibt: Wie universell ist dieser Mechanismus jenseits von Laborgesichtern und westlichen Studierenden?

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Quellen

  • Putting Feelings Into Words Produces Therapeutic Effects in the Brain; UCLA Neuroimaging Study Supports Ancient Buddhist Teachings

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