Wenn das Handy wichtiger ist als der Bär: Tourist übersieht Raubtier vor lauter Ablenkung

Autor: Svitlana Velhush

Ein Tourist auf dem Transfăgărășan wurde von einem Bären fast gebissen. Viele kritisierten ihn wegen Unaufmerksamkeit.

Auf einer der schönsten Straßen Europas, inmitten der Tannen und steilen Serpentinen der Transfăgărășan, geschah etwas, das bereits das ganze Internet umrundet hat. Ein Mann stand am Straßenrand, völlig versunken in den Bildschirm seines Smartphones. Währenddessen näherte sich nur wenige Zentimeter hinter ihm langsam und lautlos ein echter Braunbär.

Die Aufnahmen aus einem vorbeifahrenden Auto wirken beinahe surreal. Ein Bärenjunges – den Maßen nach zu urteilen noch ein Jungtier – tritt aus dem Wald, umrundet einen parkenden Ford Focus und nähert sich dem Mann bis auf Tuchfühlung. Er beschnuppert dessen Beine, stupst ihn leicht an und versucht sogar, vorsichtig „zuzubeißen“. Der Mann rührt sich nicht. Er starrt weiterhin gebannt auf sein Handy. Erst als das Tier direkt in sein Sichtfeld tritt, begreift der Tourist endlich, was los ist. Panisch springt er auf und flüchtet zu seinem Wagen. Der Bär macht zwar noch ein paar Schritte in seine Richtung, verliert dann aber schnell das Interesse.

Das Video dauert kaum mehr als vierzig Sekunden, doch diese Zeit reichte aus, um eine Welle der Diskussionen auszulösen. Einige lachen: „Selbst der Bär ist sichtlich verwirrt.“ Andere zeigen sich empört: „Wie kann man nur so leichtsinnig sein?“ Wieder andere schütteln einfach nur fassungslos den Kopf.

Die Transfăgărășan-Straße ist längst zu einem Ort geworden, an dem Wildnis und Touristen gefährlich nah aufeinandertreffen. Jede Saison werden hier Dutzende Begegnungen mit Bären registriert. Viele von ihnen haben sich bereits an Menschen, den Geruch von Lebensmitteln aus Autos und das Blitzlichtgewitter der Kameras gewöhnt. Und je ruhiger sich der Mensch verhält, desto sicherer fühlt sich das Tier. Dieses Mal schien der Bär schlichtweg nicht begriffen zu haben, dass er eine potenzielle Bedrohung vor sich hatte. Der Mann stand einfach zu still und zu regungslos da.

Experten wiederholen seit Jahren gebetsmühlenartig dieselben Ratschläge: Halten Sie nicht an Orten an, an denen häufig Bären gesichtet werden, steigen Sie nicht ohne triftigen Grund aus dem Auto aus, füttern Sie die Tiere nicht und verlieren Sie vor allem niemals die Wachsamkeit. Das Handy kann man später noch prüfen. Einen Bären nicht.

Diese Geschichte hätte ganz anders enden können. Doch dieses Mal blieb es bei einem bloßen Schrecken und einem viralen Video. Der Mann fuhr weg. Der Bär trottete zurück in den Wald. Tausende Menschen weltweit werden sich diese Aufnahmen noch lange ansehen und sich dieselbe Frage stellen: Wie tief kann man eigentlich in sein Handy versinken, um selbst einen Bären direkt vor den eigenen Füßen nicht mehr zu bemerken?

Die Natur auf der Transfăgărășan ist nach wie vor wunderschön. Und sie verzeiht nach wie vor keinen Leichtsinn.

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Quellen

  • Turist atent doar la telefon, la un pas să fie mușcat de un urs pe Transfăgărășan – VIDEO

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