Grönland hat die Einrichtung einer Wahrheits- und Versöhnungskommission im Zusammenhang mit einem Programm zur erzwungenen Empfängnisverhütung angekündigt, das Dänemark über Jahrzehnte hinweg an inuitischen Frauen durchführte.
Die Entscheidung folgte auf die Veröffentlichung von zwei Expertenberichten am 28. August 2026. Die Fachleute waren sich einig, dass die Kampagne die Rechte von Frauen und indigenen Völkern verletzte, waren sich jedoch uneinig, ob sie als Völkermord einzustufen ist.
Von den 1960-er bis zum Jahr 1990 erhielten mehr als viertausend grönländische Frauen, darunter Mädchen ab 12 Jahren, Intrauterinpessare oder Injektionen, oft ohne ihre Zustimmung oder die der Eltern. Einige konnten später keine Kinder bekommen.
Grönlands Premierminister Jens-Frederik Nielsen betonte, dass der Beginn des Heilungsprozesses Priorität habe. „Wir werden eine Versöhnungskommission einrichten“, erklärte er und zeigte sich bereit, mit Kopenhagen zusammenzuarbeiten.
Grönlands Justizministerin Marianne Paviasen merkte an: Die Regierung könne nicht im Namen der Behörden behaupten, ob es Völkermord gegeben habe. Diese Frage bleibe Gegenstand von Diskussionen.
Das dänische Parlament hat bereits die Zahlung von Entschädigungen an die Betroffenen genehmigt – jeweils 300tausend Kronen pro Frau. Dänemarks Premierministerin Mette Frederiksen hatte sich zuvor offiziell entschuldigt und die Idee einer gemeinsamen Arbeit an der Kommission unterstützt.
Die Experten legten zwei getrennte Berichte vor: In einem wird behauptet, es habe keinen Völkermord gegeben, im anderen wird von möglichen Anzeichen oder davon gesprochen, dass Dänemark das Risiko nicht verhindert habe. Die Kommission aus vier Mitgliedern arbeitete seit August 2024.
Wie wird sich diese Kommission langfristig auf die Beziehungen zwischen Grönland und Dänemark auswirken?
Das Verhütungsprogramm war in einer Zeit aktiv, als Dänemark für das Gesundheitswesen in Grönland zuständig war. Viele Opfer schwiegen jahrzehntelang und begannen erst in den letzten Jahren, öffentlich über das Erlebte zu sprechen.
Die neue Kommission soll laut Nielsen nicht nach Schuldigen suchen, sondern die Wahrheit ans Licht bringen, um eine echte Versöhnung und eine bessere Zukunft der Gesellschaft zu ermöglichen.


