Alexander Zverev betrat nur eine Woche nach seinem Triumph bei den US Open den Platz in Halle und erledigte den Kroaten Dino Prižmić in 77 Minuten — 6:2, 6:4. Dieses Match beendete nicht nur die Serie mit 3:1 zugunsten Deutschlands, sondern brachte die Mannschaft auch zurück in die Elite des Teamtennis.
Deutschland hat den Davis Cup seit 1993 nicht mehr gewonnen. Für Zverev, der in dieser Saison bereits zweimal einen «Grand Slam»-Titel holte, wirkt die Entscheidung, statt Erholung für die Nationalmannschaft zu spielen, nicht offensichtlich. Er gab selbst zu: «Ich bin glücklich, für Deutschland zu spielen.»
Hinter dem schnellen Ergebnis verbirgt sich eine tiefere Dynamik. Zverev ist die Nummer zwei der Welt, doch in Mannschaftsturnieren ist seine Karriere bislang nicht mit dem großen Titel gekrönt. Der Sieg über Prižmić, einen jungen Spieler, die Nummer 103 der Welt, war nicht bloß eine Formalität, sondern eine Demonstration dessen, wie persönliche Form in ein Mannschaftsergebnis umgesetzt wird.
Der Doppelsieg von Kevin Krawietz und Tim Pütz, den US-Open-Finalisten, sicherte den entscheidenden Vorteil von 2:1. Das erlaubte es Zverev, die Sache ohne übermäßige Anspannung zu beenden. Anders als bei Einzelturnieren arbeitet hier jeder Punkt für die gemeinsame Geschichte und nicht für die persönliche Weltrangliste.
Man stelle sich vor: Nach zwei «Grand-Slam»-Titeln in einer Saison würden die meisten Spieler die Regeneration wählen. Zverev hingegen bevorzugte 77 Minuten auf dem Heimplatz, um der Mannschaft eine Chance auf Bologna im November zu geben. Das ist nicht bloß Loyalität — es ist die Kalkulation, dass ein Mannschaftserfolg zum Höhepunkt einer Karriere werden kann, den Einzeltitel nicht mehr krönen können.
Die Finals-8 finden von 24 bis 29 November in Italien statt. Für Deutschland ist es die Chance, den Pokal erstmals seit drei Jahrzehnten zu heben. Für Zverev — die Möglichkeit, seinen Namen in die Geschichte einzutragen, nicht nur als Einzelchampion, sondern auch als Anführer der Nationalmannschaft.
