Aaron Sorkin über die zwei Zuckerbergs: Warum Strong nicht Eisenberg wiederholt

Bearbeitet von: Svitlana Velhush

Aaron Sorkin hat in einem Interview mit E! News die beiden Verkörperungen von Mark Zuckerberg auf der Leinwand direkt miteinander verglichen. Die eine ist das nervöse, scharfe, fast jugendliche Porträt von Jesse Eisenberg aus „The Social Network“ aus dem Jahr 2010. Die andere ist der reifere, distanziertere und härtere Jeremy Strong in „The Social Reckoning“, dessen Premiere für den 9. Oktober 2026 angesetzt ist.

Sorkin räumt ein: Der Unterschied liegt nicht nur im Alter der Figur. Eisenberg spielte den Gründer von Facebook im Moment des Aufstiegs – einen ehrgeizigen, aber noch verletzlichen Studenten. Strong hingegen zeigt einen Menschen, der schon längst „nicht mehr zwei Jahre nach dem Wohnheim“ ist, wie es im Trailer heißt. Das ist kein Erfinder mehr, sondern das Oberhaupt eines Imperiums, an Macht gewöhnt und gleichgültig gegenüber seiner Umgebung.

Der entscheidende Punkt ist die Herangehensweise der Schauspieler. Eisenberg weigerte sich zurückzukehren, trotz Sorkins dreitägiger Überredungsversuche und eines Angebots des Studios. Der Grund liegt nicht im Drehbuch, sondern im Persönlichen: Der Schauspieler will nicht, dass man ihn weiterhin mit Zuckerberg identifiziert. Strong hingegen tauchte voll und ganz in die Rolle ein – am Set sprach er nicht mit den Kollegen, er redete und bewegte sich so, wie er sich das Verhalten des Milliardärs vorstellte.

Sorkin warnte die übrigen Schauspieler im Voraus: Strong werde am Catering keine Witze machen und keinen Small Talk führen. Das Ergebnis, so der Regisseur, habe die Erwartungen erfüllt. Strongs Methode verstärkte das Gefühl der Entfremdung und Kälte, das das Drehbuch über die Enthüllungen von Frances Haugen verlangte.

Der Film verlegt die Handlung um 16–17 Jahre nach vorn. Zuckerberg ist nun kein einsames Genie mehr, sondern eine Figur, vor der sich nicht mehr die Frage „wie macht man das“ stellt, sondern nur noch „wie stoppt man das“. Strong, so Sorkins Ansicht, vermittelt genau dieses Stadium besser – wenn Macht nicht mehr begeistert, sondern einfach da ist.

Der Wechsel des Schauspielers veränderte nicht nur die Tonlage, sondern die Mythologie der Figur selbst. Eisenberg ließ das Bild des jungen Zuckerberg in der Vergangenheit zurück, Strong hingegen schuf ein neues – älter, härter und womöglich näher an der Wirklichkeit von heute. Sorkin verhehlt nicht: Er richtet nicht über den Helden, aber er gibt ihm die Möglichkeit, sich vor „Gott“ in Gestalt des Zuschauers zu verteidigen.

Derselbe Mensch sieht auf der Leinwand nach anderthalb Jahrzehnten völlig anders aus – und das ist nicht nur das Verdienst von Maske oder Drehbuch.

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Quellen

  • Aaron Sorkin Reveals How Jeremy Strong, Jesse Eisenberg Portrayals of Mark Zuckerberg Differ

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